NBA-Star O'Neal Der Drei-Zentner-Supermann

Im NBA-Endspiel werden die Final-Debüts von Dirk Nowitzki und Dwyane Wade am aufmerksamsten verfolgt. Doch Miamis Hoffnung heißt Shaquille O'Neal. Schließlich weiß er, wie man Meisterschaften gewinnt. Außerdem spielt bei den Mavericks sein ausgemachter Lieblingsgegner.

Von Christoph Kober


Miami – In dicken Lettern stand es auf seinem Spind. Wo sonst die Namen seiner Teamkollegen von den Los Angeles Lakers zu lesen waren, hatte Shaquille O'Neal die Buchstaben "IDGAF" aufdrucken lassen. Das stünde für "I dominate games always and forever", erklärte er. Der Spruch bedeutet soviel wie "Im Spiel dominiere ich jedes Mal und für immer". An Selbstvertrauen hat es dem talentierten O'Neal noch nie gemangelt. Auch deswegen wird der wuchtige Center der entscheidende Mann im NBA-Finale für die Miami Heat sein.



Denn genau wie der Gegner aus Dallas steht Miami zum ersten Mal in der Clubgeschichte im NBA-Finale. O'Neal hingegen bestreitet ab heute Nacht seine insgesamt siebte Endspielserie, von 2000 bis 2002 wurde er mit den Lakers jeweils NBA-Champion. Als er 2004 von L.A. zu den Heat wechselte, versprach er den Fans, das Team zur Meisterschaft zu führen. "Ich weiß, was ich für eine Mannschaft tun kann, und wenn ich die richtigen Mitspieler um mich habe, dann klappt's", sagt er.

Allerdings hat keiner von O'Neals Teamkollegen soviel Endspiel-Erfahrung wie er. Nur wenige Spieler der beiden Final-Kontrahenten wissen um den Druck des Endspiels, das in 205 Länder weltweit übertragen wird. Deshalb ist der Center für Trainer Pat Riley so wichtig. Er soll vor allem Jungstar Dwyane Wade unterstützen, der bisher treffsicherste Spieler der Heat in den Playoffs. "Wir haben sehr viel Respekt vor ihm, er ist unser Anführer", sagt Wade.

Für den aufstrebenden Guard stellt O'Neal sogar seine eigenen Ansprüche hinten an. "Wenn jemand mit diesem Talent neben einem spielt, tritt man automatisch einen Schritt zurück", sagt er, "es wäre töricht, mich 40 Mal werfen zu lassen und ihn nur 20 Mal."

Neben der Vorbildfunktion bringt der Routinier Miami noch einen sehr pragmatischen Vorteil für Miami. O'Neal bekleidet die Center-Position. Er spielt nah am Korb, dort wo geschoben und gerangelt wird und sich die landläufige Meinung von Basketball als "körperlosem Spiel" regelmäßig als Mär entpuppt. Ein Center sammelt die Fehlversuche der Kollegen ein, um ihnen zweite Wurfchancen zu geben, er blockt Schüsse und soll möglichst auch selbst Punkte abliefern. Der Center ist die wichtigste Position in einer Basketballmannschaft und nirgendwo kommt es so auf die physische Voraussetzungen des Spielers an wie dort.

"Shaq-Attack", wie er von seinen Fans genannt wird, bringt dafür die idealen Voraussetzungen mit. Seinen 2,16-Meter-Körper füllt er mit offiziell 147 Kilogramm aus, wobei der 34-Jährige, der nicht als Trainingsweltmeister bekannt ist, die 150-Kilo-Marke wohl überschritten hat.

Seine Kraft und Masse gepaart mit herausragenden Fähigkeiten haben O'Neal jedoch zum überragenden Spieler auf seiner Position gemacht. Und er ist sich seiner Stellung durchaus bewusst, auf seinem linkem Oberarm, der den Umfang eines Oberschenkels hat, prangt jenes Logo, das auch Comicheld Superman auf seinem Anzug trug. "Shaquille O'Neal ist weltklasse", gibt auch Dirk Nowitzki zu.

Für den Deutschen und sein Team könnte der Koloss zum ernsthaften Problem in der Best-of-Seven-Serie werden. Dort, wo es hart auf hart kommt, fehlt es Dallas an Masse, in Reihen der Mavericks findet sich kein Spieler mit O'Neals Format. Dallas bietet als direkte Gegenspieler den rund 20 Kilogramm leichteren Senegalesen DeSagana Diop und Erick Dampier auf, dem fünf Zentimeter und weitere zehn Kilogramm auf die Eckdaten des Miami-Giganten fehlen.

Die Auseinandersetzung mit Dampier dürfte zudem ein besonderes Vergnügen für O'Neal werden. In der vergangenen Saison hatte er für den Mavericks-Spieler nur Spott übrig. Dampier hatte sich erlaubt zu sagen, dass er nach O'Neal der aktuell beste Center in der NBA wäre. Die Reaktion des Platzhirsches: "Dampier ist ein Weichei! Schreibt es auf, macht ein Foto und schickt es ihm!", befahl O'Neal. In der Folge ließ er keine Möglichkeit aus, dem Konkurrenten eins auszuwischen. So wandelte er den Vornamen des Mavericks in "Ericka" ab und verkündete, dass Dampier sehr wohl ein guter Center sein könnte - in der WNBA. Das ist die Basketball-Liga der Frauen.

Vor dem Final-Duell mit Dallas zeigte sich O'Neal zwar handzahm und lobte sogar ganz ohne sarkastischen Unterton Diops und Dampiers Saison- und Playoff-Leistungen. Allerdings ist der mitteilungsfreudige Superstar dafür bekannt, sich seine derbsten Späße für den Verlauf der Final-Runde aufzuheben.

Mit dem ersten Titel für Miami und seinem vierten Championship-Erfolg insgesamt scheint es dem alternden Star ernst zu sein. Als Miami nach dem 4:2-Erfolg über die Detroit Pistons die Trophäe als bestes Team des Ostens überreicht bekam, weigerte sich O'Neal aus Aberglaube den Pokal zu berühren. "Wir wollen nicht nur für's Finale qualifiziert sein, jetzt wollen wir es ganz schaffen", sagt er, "mein Job ist noch nicht erledigt."



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adrian01, 24.04.2006
1. Respekt, aber keinen Titel
Dirk Nowitzki hat eine MVP-reife Saison gespielt, so viel steht fest. Erstmals in seiner Karriere war er der alleinige Anführer der Mavericks und er löste die Aufgabe ohne die Hilfe der Kameraden Nash und Finley herausragend. Weil er nicht mehr nur der Punktesammler war, sondern eben der Anführer, der der in den Situationen Verantwortung übernimmt, wenn das Spiel entschieden wird. Diese Fähigkeit hat Nowitzki in diesem Jahr eindrucksvoll bewiesen, zuerst bei der EM, jetzt auch in der NBA. Dazu kam, dass die Mavericks in diesem Jahr (endlich einmal) ein System gespielt haben dessen Grundphilosophie nicht aus "Wer zuerst 120 Punkte macht gewinnt" besteht. Avery Johnson hat es geschafft, seinen Spielern zu erklären, dass "D" nicht nur der erste Buchstabe von "Dallas" ist, sondern auch von "Defense". Die Spieler haben die Umstellung gemeistert, der Erfolg spricht für sich. Die Mavericks aber jetzt zum Favoriten auf den Titel zu erheben, wäre vermessen. Zu stark ist die Konkurrenz aus Detroit und San Antonio. Schon der Finaleinzug (und damit ein Duell gegen die Pistons) wären eine große Überraschung, obwohl man die Regular Season-Serie gegen die Spurs mit einem Unentschieden beendete. Um in den Playoffs ernsthaft am Thron des amtierenden Champions zu rütteln, müssten einige von Nowitzkis Teamkollegen deutlich über ihre Verhältnisse spielen (vor allem Center Eric Dampier) und man müsste einen Weg finden, die Kreise von Aufbauspieler Tony Parker zu stören. Vor allem letzteres ist schwer vorstellbar, zu gering sind die Verteidigungskünste der Mavs-Guards Devin Harris und Jason Terry. Das Finale dürfte deshalb wieder San Antonio gegen Detroit lauten. Zu ausgeglichen und stark präsentierten sich die beiden Teams in der regulären Spielzeit. Im Osten gibt es wohl kein Team, dass den Pistons ernsthaft Paroli bieten kann. Sowohl bei den Nets (im Frontcourt gibt es mit Nenad Krstic nur einen überdurchschnittlichen Spieler), den Cavaliers (zu viel hängt offensiv von "King" James ab) und den Miami Heat (mangelnde Qualität, O'Neal und Wade ausgenommen) gibt es immer ein Handicap, dass den großen Wurf, den Finaleinzug,verhindern wird. Im Westen wird es zwar enger, doch letztlich werden sich die Spurs gegen Dallas und Phoenix (ohne Amare Stoudemire) durchsetzen. Wer am Ende den Titel holt ist schwer zu sagen: Dort wird die jeweilige Tagesform des Ausschlag geben, auch wenn die Bilanz der regulären Saison für Detroit spricht.
Silberkamp, 25.04.2006
2.
es wäre ein traum, wenn nowitzki den titel holen würde. es würde auch den deutschen basketball nach vorne bringen.
coolste, 26.04.2006
3.
Ich bin nicht der Meinung, dass Dallas chancenlos ist in Runde 2 gegen die Spurs. Vor allem heisst es Daumen drücken für die Kings. Schaffen diese es die Serie gegen San Antonio lange offen zu halten wäre das Gold wert für Dallas, da Tim Duncan und Manu Ginobili, die beide mit Verletzungen zu kämpfen haben, wenig Zeit zur Erholung hätten. Leider sieht es momentan nicht nach einer wirklich langen Serie aus, die Spurs führen bereits 2-0 und das erste Spiel war eine regelrechte Vorführung. Aber vielleicht macht das 2. Spiel ja Hoffnung, in dem Sacramento nur sehr unglücklich in der Verlängerung verlor, und das ohne ihren besten Spieler Ron Artest (gesperrt für ein Spiel). Analog ist es natürlich auch wichtig, dass Dallas ihre Serie frühzeitig entscheidet, um wiederum ihren angeschlagenen Spielern die Möglichkeit zur Erholung zu geben. Besonders auf Devon Harris ruhen einige Hoffnungen, da er der einzige ist, der annähernd mit dem Antritt von Tony Parker mithalten kann. Letztendlich wird es denke ich eine knappe Geschichte, die die Spurs aber wohl für sich entscheiden werden. Nicht zuletzt, da so erfahrene Leute wie Finley, van Exel, Horry und, wie gegen Sacramento zu sehen, Brent Barry von der Bank kommen. Zudem wird Nowitzki es schwer haben sich in jedem Spiel gegen den Defensivspezialisten Bruce Bowen so zu behaupten wie im Finale der regulären Saison. Egal wer diese Serie gewinnt wird aber wohl auch in die NBA Finals einziehen, da die andere Hälfte des Playoff-Baums im Westen doch deutlich schwächer besetzt ist. Im Osten sehe ich Detroit nicht unbedingt als automatischen Finalteilnehmer. Zwar haben sie eine absolut überragende reguläre Saison gespielt und sind sicherlich Favorit, aber ich denke das Miami oder New Jersey nicht chancenlos sind. Miami ist dank Shaq per Definition immer gefährlich und sollte Detroit in nichts nachstehen, sollten sie verletzungsfrei bleiben. Auch letztes Jahr war diese Serie äußerst knapp und wurde unter anderem auch durch die Verletzung von Wade entschieden. Müsste New Jersey in der zweiten Runde gegen Detroit spielen anstatt gegen Miami, würde ich ihnen noch größere Chancen einräumen. Aber Shaq und Zo haben sie einfach nichts entgegenzusetzen. Da reicht auch das Duo Kidd-Carter nicht aus. King James wird in seinen ersten Playoffs leider nicht über die erste Runde hinaus kommen. Da müsste er schon jedes Spiel so dominieren wie Spiel 1 und das schafft selbst er nicht. Mein Tipp für das Finale lautet Miami vs. San Antonio, welches Miami in 6 Spielen für sich entscheiden wird.
Herr K, 28.04.2006
4.
Um über die Titelchancen vermeintlicher Favoriten zu räsonieren, ist es in der ersten Runde noch zu früh. Es empfiehlt sich daher, erst einmal abzuwarten, wer die zweite erreicht. Was würde zum Beispiel passieren, wenn die Lakers überraschenderweise die Suns schlagen? Dann sieht die Welt doch gleich ganz anders aus. Die Lakers sind schließlich mit Lamar Odom und vor allem smush Parker weniger von ihrem Star abhängig als beispielsweise Cleveland. Und sollten die Lakers tatsächlich in die zweite Runde einziehen, dann können sie jeden schlagen, auch die Spurs (wie in der Saison) oder die Pistons (ebd.). Also abwarten!
Herr K, 28.04.2006
5.
Es ist zu früh, um über die Aussichten vermeintlicher Favoriten zu räsonieren. Es empfiehlt sich daher den Ausgang der ersten Runde abzuwarten. Was wäre nämlich, wenn die Lakers die Suns schlagen? Die hatte nämlich (wie die Suns) bisher hier im Forum keiner auf der rechnung, doch wenn sie es schaffen, Phoenix zu schlagen, wen sollen sie dann nicht schlagen können? San ANtonio, Detroit? Gegen beide konnten die Lakers in der Saosin mindestens einmal triumphieren. Zudem haben die Lakers zwar mit Bryant den Spieler, der trifft wie er will und von wo er will, aber sie sind von ihm dank Lamar Odom, und vor allem auch Smush Parker, weniger abhängig als die Cavaliers von James. Also abwarten bis zur zweiten Runde!
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