NBA-Wettskandal 20 weitere Schiedsrichter unter Verdacht

Die Namen weiterer in Wettaktivitäten verwickelten Unparteiischen will der bereits geständige Tim Donaghy jetzt nennen. Eine Ausweitung des Skandals wäre ein Schock für die Fans, aber auch für Liga-Boss David Stern, der bisher von einem Einzelfall ausging.


Hamburg - In den Wettskandal der NBA sind womöglich mehr Schiedsrichter verwickelt, als zunächst angenommen. Der wegen Spielmanipulation und Weitergabe von Insiderwissen angeklagte Referee Tim Donaghy, der sich vergangenen Mittwoch vor einem Gericht in New York in zwei Fällen schuldig bekannte, will nach Angaben von ESPN Radio bis zu 20 Namen von Schiedsrichtern nennen, die in Wettaktivitäten involviert sein sollen. Donaghy wolle detaillierte Informationen darüber geben, in wie weit ehemalige Kollegen verstrickt seien, heißt es weiter.

Schiri Donaghy mit Cleveland-Coach-Brown: Kein Einzelfall?
REUTERS

Schiri Donaghy mit Cleveland-Coach-Brown: Kein Einzelfall?

Dabei soll es vor allem um Wetten in Casinos gehen. Noch ist zwar unklar, ob es sich auch um Kriminaldelikte handelt, dennoch würde eine Ausweitung des Skandals NBA-Boss David Stern in ungeahnte Schwierigkeiten bringen. Stern hatte sich von den Vorkommnissen im Fall Donaghy zwar geschockt gezeigt und "von der schlimmsten Situation" gesprochen, die er als "NBA-Fan, NBA-Anwalt oder als NBA-Generaldirektor" erlebt habe. Dennoch betonte Stern, dass es sich bei Donaghy, den er als "Ratte" bezeichnete, "um einen isolierten Kriminellen" handele.

Davon ist nach wie vor auch die Vereinigung der NBA-Schiedsrichter überzeugt. "Soweit wir wissen, ging das Fehlverhalten nur von einer Person aus und bei dieser Annahme bleiben wir, solange nicht das Gegenteil bewiesen wurde", machte deren Vorsitzender, Lamell McMorris, deutlich. Man werde die Behauptungen von Donaghy prüfen, sagte McMorris. Aber bislang habe man nur Donaghy etwas nachweisen können. "Wir handeln mit der Wahrheit, nicht mit Gerüchten", betonte er.

Laut NBA-Sprecher Brian McIntyre hat der Liga-Verband bislang noch keine Informationen über eine mögliche Verwicklung weiterer Schiedsrichter erhalten. Tim Donaghy hat sich in zwei Fällen schuldig bekannt, auf Spiele gewettet zu haben, die er selbst geleitet hat. Sollte er verurteilt werden, droht ihm eine Strafe von bis zu 25 Jahren Gefängnis, zudem müsste er rund 500 000 Dollar zahlen. Die Verhandlung soll am 9. November fortgesetzt werden. Der Unparteiische wurde von der US-Bundespolizei FBI bereits verhört und soll laut der Zeitung "Los Angeles Times" spielsüchtig sein. In einem Interview mit der New York Post entschuldigte sich Donaghy gestern: "Es tut mir leid, was passiert ist. Mehr kann ich derzeit dazu nicht sagen. Es ist ein laufendes Verfahren."

fsc/dpa



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