NBA-Wettskandal Schiedsrichter Donaghy bekennt sich schuldig

Er hat bisher immer dementiert, Spiele in der Nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA manipuliert zu haben. Nun aber gab der frühere Schiedsrichter Tim Donaghy vor einem Gericht in New York seine Schuld zu.


New York - Donaghy, der unter Verdacht steht, Kontakte zum organisierten Verbrechen zu unterhalten und in den vergangenen zwei Jahren Spiele manipuliert und zudem Insiderinformationen an Dritte weitergegeben zu haben, erklärte, die NBA betrogen zu haben. Ihm drohen bis zu 20 Jahre Haft, dazu weitere fünf Jahre, weil er Wetten platziert hatte. Von der US-Bundespolizei FBI wurde der Referee bereits verhört. Wie die Zeitung "Los Angeles Times" berichtet, soll Donaghy spielsüchtig sein.

Ex-Referee Donaghy (l.): Spielsucht vermutet
REUTERS

Ex-Referee Donaghy (l.): Spielsucht vermutet

"Das ist die schlimmste Situation, die ich als NBA-Fan, als NBA- Anwalt oder als NBA-Generaldirektor erlebt habe", sagte NBA-Boss David Stern. Er nannte den Angeklagten eine "Ratte" und "einen isolierten Kriminellen". Bereits vor Wochen hatte der Commissioner erklärt, "keine Kosten und Mühen scheuen zu wollen, den Verantwortlichen vor Gericht zu bringen, der das Vertrauen in unseren Sport erschüttert hat". Pro Saison werden knapp 250 Millionen Dollar auf NBA-Spiele verwettet. Weitere Schiedsrichter oder sogar Spieler scheinen in die Affäre nicht verwickelt zu sein.

Donaghy soll in den vergangenen zwei Spielzeiten nach offiziellen Angaben 131 Saisonspiele und acht Playoff-Partien gepfiffen haben. Am 9. Juli war der 40-Jährige zurückgetreten. Seit Bekanntwerden des Skandals Ende Juni wurde jede Partie unter Donaghys Leitung intensiv geprüft - vor allem die Zahl seiner Foul-Entscheidungen. Dabei sei der Liga, so Stern, jedoch nichts Verdächtiges aufgefallen.

Die "New York Times" berichtete, der Beschuldigte soll in seinen 13 Jahren als Schiedsrichter zwischenzeitlich Wettschulden gehabt haben und so unter den Einfluss von Verbrechern geraten sein, die auch seine Familie bedroht haben. Auch außerhalb der NBA geriet Donaghy bereits mit dem Gesetz in Konflikt. Im Januar 2005 war er von seinen Nachbarn in West Chester im US-Bundesstaat Pennsylvania verklagt worden, weil er angeblich deren Traktor angezündet hatte. Eine Verwicklung in den Wettskandal hat Donaghy bisher stets bestritten.

mt/dpa/rtr



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