NHL-Zuschauerrekord 70.000 Fans beim Eishockey

Gigantisches Spektakel: Zum zweiten Mal fand ein Spiel der NHL unter freiem Himmel statt. Auch Schneetreiben und Minusgrade konnte die Begeisterung aller Beteiligten nicht mindern. Für die Liga könnte der Abend einen enormen Imagegewinn bedeuten.


Hamburg - Sidney Crosby hat sich mit seinem entscheidenden Treffer zum König eines begeisternden Abends gekrönt und der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga NHL neues Leben eingehaucht. Vor der größten Kulisse, die jemals ein NHL-Spiel im Freien verfolgte, schlenzte der 20-jährige Superstar im Schneetreiben den Puck beim abschließenden Penalty-Schießen aufreizend lässig durch die Beine von Goalie Ryan Miller und sicherte den Pittsburgh Penguins damit den 2:1-Auswärtssieg im "Winter Classic" bei den Buffalo Sabres.

Aufgrund des riesigen Interesses, das das Spektakel in den USA hervorrief, denkt die Liga schon über ein jährliches Freiluftspiel am Neujahrstag nach. Für die meisten der 71.217 Zuschauer war es ein Spiel mit dem falschen Ergebnis, doch für die kriselnde NHL könnte der Showdown im Freien der Beginn einer Renaissance gewesen sein. Quasi im Minutentakt flimmerte Crosbys Geniestreich gestern Abend über die amerikanischen Bildschirme, und NHL-Boss Gary Bettman blickte euphorisch in die Zukunft: "Es war ein denkwürdiger Abend. Nach den ersten Reaktionen kann es nur eine Antwort geben: Diese Sache muss wiederholt werden."

2003 hatten die Edmonton Oilers im bisher einzigen NHL-Spiel unter freiem Himmel die Montreal Canadiens vor 57.167 Zuschauern empfangen. Das Eishockeyspiel mit den meisten Zuschauern fand bereits am 6. Oktober 2001 statt. 74.544 Fans verfolgten das 3:3-Unentschieden der Teams der University of Michigan und der Michigan State University.

Auch der bei den Sabres spielende deutsche Jochen Hecht war begeistert: "Der einzige Wermutstropfen war, dass es so vehement schneite. Deshalb konnte man oft nicht viel mit dem Puck anfangen." Sein Coach klang ebenfalls euphorisch: "Ich würde es liebend gerne noch mal machen", sagte Lindy Ruff. "Während der Auszeiten habe ich mich immer umgeguckt, es war unglaublich. Ein großartiger Tag."

NHL-Resultate

Washington - Ottawa 6:3
Buffalo - Pittsburgh 1:2
Toronto - Tampa Bay 4:3
Los Angeles - Chicago 9:2
Trotz starken Schneefalls war das normalerweise als American- Football-Stadion genutzte Ralph Wilson Stadium schon zwei Stunden vor dem ersten Bully prall gefüllt. Bei Temperaturen von minus fünf Grad Celsius hielt sich die Menge mit Alkohol und Gesängen warm, die erst verstummten, als Pittsburgh bereits 21 Sekunden nach Spielbeginn durch einen Abstauber von Rechtaußen Colby Armstrong in Führung ging. Anschließend musste die Begegnung jeweils zur Mitte der Drittel unterbrochen werden, um das Eis von den Schneemassen zu befreien. Wegen der äußeren Bedingungen trugen viele Spieler und die Schiedsrichter Sturmhauben unter ihren Helmen. Und Buffalo-Torhüter Ryan Miller hatte zusätzlich sogar eine Pudelmütze in den Vereinsfarben blau, gelb und weiß über der Maske.

Auch der Ausgleich fiel, als die Spielfläche noch Gelegenheit für technisch gutes Eishockey bot. Buffalos Verteidiger Brian Campbell fälschte einen Pass seines Mannschaftskameraden Tim Connolly ab, 1:25 Minuten waren da im zweiten Drittel gespielt. Am Ende jubelte trotzdem das Auswärtsteam. "Diesen Abend wird niemand vergessen. Eines Tages werden wir zurückblicken und sagen: Wir waren dabei", sagte Crosby, der auf der Ehrenrunde aller Akteure begeistert gefeiert wurde. "Das hat mich an meine Kindheit erinnert, als wir auf unserem Teich das Spiel öfter unterbrechen mussten, um Schnee zu schaufeln. Es ist zwar ein immenser Aufwand, dieses Stadion im Stadion aufzubauen, aber es wäre schön, wenn es mehr von diesen Spielen geben würde."

Neben Crosby konnte auch die NHL jubeln. Basketball- (NBA) und Football-Liga (NFL) hatten am Neujahrstag Pause, das Eishockey dank der weltweiten Übertragung eine perfekte Plattform zur Eigenwerbung. Dies ist auch nötig, denn in puncto Einschaltquote liegt Eishockey in den USA hinter American Football, Baseball, Basketball und Stockcar-Rennen derzeit nur an fünfter Stelle. Ebenso ist das Interesse vieler Clubs, ein solches Spiel auszurichten, nachvollziehbar, denn das Schnee-Spektakel zahlt sich aus. So berichtet die Tageszeitung "Buffalo News", dass die Stadt nach Angaben der Tourismuszentrale geschätzte fünf Millionen Dollar am "Winter Classic" verdient hat.

fsc/sid/dpa/reuters



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.