Nowitzki-Kollege Howard Mixer mit sicherer Hand

Er ist neben Dirk Nowitzki und Jason Terry entscheidend an den Erfolgen der Dallas Mavericks beteiligt - Josh Howard. Der 26-jährige Forward ist aus dem derzeit besten NBA-Team nicht mehr wegzudenken. Das Basketballmagazin "FIVE" erklärt, warum das der Fall ist.

Von Jan Hieronimi


Anfangs war Josh Howard ein Mitläufer. Doch inzwischen hat er sich stark verbessert. Mavericks-Coach Avery Johnson belohnt seinen Spieler, indem er diesem mehr Verantwortung in der Offensive gibt. In der laufenden Saison setzt Johnson seinen Small Forward als Point Forward ein. Howard hat wie dereinst Scottie Pippen bei den Chicago Bulls in bestimmten Situationen das Recht, sich als Spielmacher zu versuchen.

"Das heißt natürlich nicht, dass ich ständig unsere Offense dirigieren will, dafür haben wir ja unsere Aufbauspieler", sagt Howard, "aber wenn ich hinten den Rebound hole und den Ball nach vorne bringe, sollte ich in der Lage sein, den richtigen Spielzug anzusagen."

Auch in Sachen Wurfauswahl hat Howard das Vertrauen seines Trainers. Die Zahl seiner Korbversuche stieg Jahr für Jahr kontinuierlich an, von durchschnittlich acht Würfen in seiner Rookie-Saison auf 12,6 in der vergangenen Spielzeit und fast 16 derzeit. Gut so, schließlich trifft der Small Forward sicher aus dem Feld sowie von der Dreierlinie. Mittlerweile verfügt er sogar über einen starken Distanzwurf.

Beim gestrigen 105:103-Sieg gegen Milwaukee war Howard jedoch indisponiert: Er verwandelte keinen seiner vier Drei-Punkte-Versuche. Dallas egalisierte dennoch den Clubrekord von 60 Saisonsiegen. Bei elf noch ausstehenden Spielen der Regular Season wird es vermutlich zu einer neuen Bestleistung reichen. Mavericks-Aufbauspieler Terry, gegen Milwaukee mit 27 Punkten bester Werfer seines Teams, bedient Howard mit Vorliebe an der Grundlinie, wo dieser über seine Gegner hinwegwerfen oder explosiv zum Korb gehen kann. Oder Howard glänzt im Fastbreak, wo er seine Athletik ausspielen kann.

Dallas-Ass Howard: Heiß auf den Titel
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Dallas-Ass Howard: Heiß auf den Titel

Doch der Absolvent der Wake Forest University kann von jeder Position in der Zone treffen. "Als ich ihn im Training das erste Mal diese seltsamen Würfe nehmen sah, war mir klar, dass das auch in der NBA für ihn funktionieren würde. Wir nennen ihn unseren YMCA Rat Baller", grinst Terry. "Er gibt einfach vorne wie hinten auf hohem Niveau sein Bestes. Ein großartiger Spieler."

Mit großer Macht kommt auch große Verantwortung. Howards Aufstieg zum Co-Star bedeutet mehr Druck, konstante Leistungen zu bringen. Die Mavericks leben gerade zu Spielbeginn von seiner Energie. Mit durchschnittlich 7,9 Punkten im ersten Viertel ist Howard der drittbeste Werfer der NBA. "Er bringt dieses Team in Fahrt. Er ist sozusagen der Typ, der unseren Drink anrührt", sagt Terry. "Als Aufbau achte ich besonders darauf, ihn zu Beginn des Spiels mit Pässen zu füttern, denn wenn er früh heiß läuft, spielen wir normalerweise sehr gut."

In gleichem Maße, wie Spielminuten und -anteile steigen, wird von Howard erwartet, Führungsqualitäten zu zeigen. Dazu gehören auch deutliche Ansagen ans Team. Sein großer Ehrgeiz ist bis heute legendär.

Coach Skip Prosser erinnert sich noch gut, wie er seinen besten Spieler wieder und wieder ermahnen musste, seine Kollegen im Universitätsteam nicht überhart anzugehen. Zu aggressiv hatte Howard versucht, aus seinen Mitspielern das Maximum herauszukitzeln. Diesen Führungsanspruch hatte Howard nach dem Wechsel in die NBA zunächst nicht mehr haben dürfen, er musste sich erst bewähren.

Nun soll Howard seine Qualitäten als Leader wiederentdecken. "Wenn wir jemand brauchen, der rumschreit – dafür haben wir ja Coach Johnson", grinst Howard und winkt ab. "Auch Jerry Stackhouse wird oftmals laut, und Dirk Nowitzki kann das auch, wenn die Situation es verlangt", so Howard, "wenn ich das Gefühl habe, ich müsste etwas sagen, dann hören mir die Jungs bereits zu. Aber größtenteils ist das eine Rolle, an die ich mich auf diesem Niveau erst wieder gewöhnen muss."

NBA-Resultate

Dallas - Milwaukee 105:103
Toronto - Miami 96:83
Charlotte – Atlanta 101:87
Washington - Philadelphia 111:108
Boston – Orlando 105:96
New Jersey - Indiana 118:94
New York - Cleveland 97:93
San Antonio - New Orleans 92:88
Denver - Seattle 97:100
Utah - Minnesota 108:102
L.A. Clippers - Houston 87:92
Für den Moment scheint Dallas eine annähernd perfekte Balance gefunden zu haben. Die Mavericks sind auf dem Weg, eine der besten Saisonbilanzen der NBA-Geschichte zu erreichen. Nowitzki gilt als Topkandidat für den Titel des wertvollsten Spielers des Liga (MVP). Doch bei aller Freude darüber ist der kollektive Blick der Dallas Mavericks nach dem unerwarteten Einbruch in der vergangenen NBA-Finalserie gegen Miami (2:4 nach zwei Siegen zu Beginn) auf den Titel ausgerichtet. Die Championship soll her. Alles andere wäre eine Enttäuschung.

Dafür wird Howard seiner neuen (Haupt)rolle auch im Finale gerecht werden müssen. Voriges Mal konnte er die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Nun will er seine Schlappe vergessen machen.

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adrian01, 24.04.2006
1. Respekt, aber keinen Titel
Dirk Nowitzki hat eine MVP-reife Saison gespielt, so viel steht fest. Erstmals in seiner Karriere war er der alleinige Anführer der Mavericks und er löste die Aufgabe ohne die Hilfe der Kameraden Nash und Finley herausragend. Weil er nicht mehr nur der Punktesammler war, sondern eben der Anführer, der der in den Situationen Verantwortung übernimmt, wenn das Spiel entschieden wird. Diese Fähigkeit hat Nowitzki in diesem Jahr eindrucksvoll bewiesen, zuerst bei der EM, jetzt auch in der NBA. Dazu kam, dass die Mavericks in diesem Jahr (endlich einmal) ein System gespielt haben dessen Grundphilosophie nicht aus "Wer zuerst 120 Punkte macht gewinnt" besteht. Avery Johnson hat es geschafft, seinen Spielern zu erklären, dass "D" nicht nur der erste Buchstabe von "Dallas" ist, sondern auch von "Defense". Die Spieler haben die Umstellung gemeistert, der Erfolg spricht für sich. Die Mavericks aber jetzt zum Favoriten auf den Titel zu erheben, wäre vermessen. Zu stark ist die Konkurrenz aus Detroit und San Antonio. Schon der Finaleinzug (und damit ein Duell gegen die Pistons) wären eine große Überraschung, obwohl man die Regular Season-Serie gegen die Spurs mit einem Unentschieden beendete. Um in den Playoffs ernsthaft am Thron des amtierenden Champions zu rütteln, müssten einige von Nowitzkis Teamkollegen deutlich über ihre Verhältnisse spielen (vor allem Center Eric Dampier) und man müsste einen Weg finden, die Kreise von Aufbauspieler Tony Parker zu stören. Vor allem letzteres ist schwer vorstellbar, zu gering sind die Verteidigungskünste der Mavs-Guards Devin Harris und Jason Terry. Das Finale dürfte deshalb wieder San Antonio gegen Detroit lauten. Zu ausgeglichen und stark präsentierten sich die beiden Teams in der regulären Spielzeit. Im Osten gibt es wohl kein Team, dass den Pistons ernsthaft Paroli bieten kann. Sowohl bei den Nets (im Frontcourt gibt es mit Nenad Krstic nur einen überdurchschnittlichen Spieler), den Cavaliers (zu viel hängt offensiv von "King" James ab) und den Miami Heat (mangelnde Qualität, O'Neal und Wade ausgenommen) gibt es immer ein Handicap, dass den großen Wurf, den Finaleinzug,verhindern wird. Im Westen wird es zwar enger, doch letztlich werden sich die Spurs gegen Dallas und Phoenix (ohne Amare Stoudemire) durchsetzen. Wer am Ende den Titel holt ist schwer zu sagen: Dort wird die jeweilige Tagesform des Ausschlag geben, auch wenn die Bilanz der regulären Saison für Detroit spricht.
Silberkamp, 25.04.2006
2.
es wäre ein traum, wenn nowitzki den titel holen würde. es würde auch den deutschen basketball nach vorne bringen.
coolste, 26.04.2006
3.
Ich bin nicht der Meinung, dass Dallas chancenlos ist in Runde 2 gegen die Spurs. Vor allem heisst es Daumen drücken für die Kings. Schaffen diese es die Serie gegen San Antonio lange offen zu halten wäre das Gold wert für Dallas, da Tim Duncan und Manu Ginobili, die beide mit Verletzungen zu kämpfen haben, wenig Zeit zur Erholung hätten. Leider sieht es momentan nicht nach einer wirklich langen Serie aus, die Spurs führen bereits 2-0 und das erste Spiel war eine regelrechte Vorführung. Aber vielleicht macht das 2. Spiel ja Hoffnung, in dem Sacramento nur sehr unglücklich in der Verlängerung verlor, und das ohne ihren besten Spieler Ron Artest (gesperrt für ein Spiel). Analog ist es natürlich auch wichtig, dass Dallas ihre Serie frühzeitig entscheidet, um wiederum ihren angeschlagenen Spielern die Möglichkeit zur Erholung zu geben. Besonders auf Devon Harris ruhen einige Hoffnungen, da er der einzige ist, der annähernd mit dem Antritt von Tony Parker mithalten kann. Letztendlich wird es denke ich eine knappe Geschichte, die die Spurs aber wohl für sich entscheiden werden. Nicht zuletzt, da so erfahrene Leute wie Finley, van Exel, Horry und, wie gegen Sacramento zu sehen, Brent Barry von der Bank kommen. Zudem wird Nowitzki es schwer haben sich in jedem Spiel gegen den Defensivspezialisten Bruce Bowen so zu behaupten wie im Finale der regulären Saison. Egal wer diese Serie gewinnt wird aber wohl auch in die NBA Finals einziehen, da die andere Hälfte des Playoff-Baums im Westen doch deutlich schwächer besetzt ist. Im Osten sehe ich Detroit nicht unbedingt als automatischen Finalteilnehmer. Zwar haben sie eine absolut überragende reguläre Saison gespielt und sind sicherlich Favorit, aber ich denke das Miami oder New Jersey nicht chancenlos sind. Miami ist dank Shaq per Definition immer gefährlich und sollte Detroit in nichts nachstehen, sollten sie verletzungsfrei bleiben. Auch letztes Jahr war diese Serie äußerst knapp und wurde unter anderem auch durch die Verletzung von Wade entschieden. Müsste New Jersey in der zweiten Runde gegen Detroit spielen anstatt gegen Miami, würde ich ihnen noch größere Chancen einräumen. Aber Shaq und Zo haben sie einfach nichts entgegenzusetzen. Da reicht auch das Duo Kidd-Carter nicht aus. King James wird in seinen ersten Playoffs leider nicht über die erste Runde hinaus kommen. Da müsste er schon jedes Spiel so dominieren wie Spiel 1 und das schafft selbst er nicht. Mein Tipp für das Finale lautet Miami vs. San Antonio, welches Miami in 6 Spielen für sich entscheiden wird.
Herr K, 28.04.2006
4.
Um über die Titelchancen vermeintlicher Favoriten zu räsonieren, ist es in der ersten Runde noch zu früh. Es empfiehlt sich daher, erst einmal abzuwarten, wer die zweite erreicht. Was würde zum Beispiel passieren, wenn die Lakers überraschenderweise die Suns schlagen? Dann sieht die Welt doch gleich ganz anders aus. Die Lakers sind schließlich mit Lamar Odom und vor allem smush Parker weniger von ihrem Star abhängig als beispielsweise Cleveland. Und sollten die Lakers tatsächlich in die zweite Runde einziehen, dann können sie jeden schlagen, auch die Spurs (wie in der Saison) oder die Pistons (ebd.). Also abwarten!
Herr K, 28.04.2006
5.
Es ist zu früh, um über die Aussichten vermeintlicher Favoriten zu räsonieren. Es empfiehlt sich daher den Ausgang der ersten Runde abzuwarten. Was wäre nämlich, wenn die Lakers die Suns schlagen? Die hatte nämlich (wie die Suns) bisher hier im Forum keiner auf der rechnung, doch wenn sie es schaffen, Phoenix zu schlagen, wen sollen sie dann nicht schlagen können? San ANtonio, Detroit? Gegen beide konnten die Lakers in der Saosin mindestens einmal triumphieren. Zudem haben die Lakers zwar mit Bryant den Spieler, der trifft wie er will und von wo er will, aber sie sind von ihm dank Lamar Odom, und vor allem auch Smush Parker, weniger abhängig als die Cavaliers von James. Also abwarten bis zur zweiten Runde!
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