Rockets-Überflieger Landry Zahnloser mit Biss

Pech für den einen, Glück für den anderen. Kein Rockets-Spieler profitierte so sehr von der Verletzung des Centers Yao Ming wie NBA-Neuling Carl Landry. "FIVE"-Autor Julian Jaursch erklärt den überraschenden Aufstieg des inzwischen begehrten Forwards.


Zahn verloren, Spiel gewonnen. So lässt sich Carl Landrys Arbeitstag im dritten Spiel der Playoff-Serie seiner Houston Rockets gegen die Utah Jazz zusammenfassen. Im zweiten Viertel erwischte Jazz-Flügelspieler Carlos Boozer den 24-jährigen Forward so hart im Gesicht, dass ihm ein Schneidezahn herausbrach. Dennoch kam Landry in der zweiten Halbzeit zurück ins Spiel.

Rockets-Forward Landry (r.): Erfolg durch Produktivität
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Rockets-Forward Landry (r.): Erfolg durch Produktivität

Mehr noch: Er war am Ende der Matchwinner. Beim Stand von 93:92 für die Rockets zog Utahs Point Guard Deron Williams in die Zone, stieg zum Korbleger hoch – und wurde von Landry geblockt. Der Ball drohte über die Grundlinie zu fliegen, doch Landry sprang hinterher, rettete das Leder zu Teamkollege Luis Scola und damit den Sieg.

Dabei durfte der NBA-Neuling sein Potential in der ersten Saisonhälfte kaum zeigen, Einsatzzeiten für den athletischen Power Forward im Körper eines Small Forwards waren rar.

Doch nachdem sich Rockets-Center Yao Ming Ende Februar mit einem Fußbruch verabschiedete, bekam der 24-Jährige deutlich mehr Spielzeit. Und die nutzte er: Im Februar und März brachte Landry jeweils Feldwurfquoten von über 60 Prozent, erzielte im Schnitt 9,2 (Februar) beziehungsweise 11,4 Punkte (März) pro Spiel in jeweils ungefähr 20 Minuten Spielzeit. Damit war er ganz wesentlich daran beteiligt, dass die Rockets auch ohne Yao mit 22 Erfolgen am Stück die zweitlängste Siegesserie der NBA-Geschichte aufstellten.

Kein Wunder, dass der 2,01 Meter große Flügelspieler als eine der positiven Überraschungen der Draft-Spieler von 2007 gilt. Immerhin war seine Feldquote (61,6 Prozent) die zweitbeste aller Rookies, seine 8,1 Punkte bedeuteten den zwölftbesten. Extrem beeindruckend allerdings war vor allem Landrys Effektivität. Zu Saisonende lagen nur 17 NBA-Profis in der Liste der produktivsten Spieler der Saison vor dem Rockets-Forward. All Stars wie Steve Nash (Phoenix), Carmelo Anthony (Denver), Allen Iverson (Denver) oder etwa Paul Pierce von Meister Boston, MVP ("wertvollster Spieler") der Finalserie, ließ Landry hinter sich.

Nicht schlecht für einen, der erst an 31. Stelle in der Draft von den Seattle SuperSonics gezogen wurde, die ihn sofort an Houston abgaben. Die niedrige Draft-Position erklärt sich vor allem dadurch, dass Landry während seiner Zeit an der Universität zweimal verletzungsbedingt lange Pausen einlegen musste.

Als Senior erzielte er dann für die Purdue University in Indiana starke 18,9 Punkte und 7,3 Rebounds. Die Rockets hoffen, dass Landry diese Werte auch bald in der NBA erreichen kann. Schließlich soll der nächste verlorene Zahn auch mal mit einer gewonnen Playoff-Serie belohnt werden.

Doch ob Landry seine Zukunft in der NBA überhaupt in Houston fortsetzen wird, ist noch unklar. Er ist derzeit ein Restricted Free Agent, kann also mit anderen Teams verhandeln. Die Rockets haben jedoch das Recht mit jedem offiziellen Angebot, das Landry erhält, gleichzuziehen ("Match any offer").

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Die Rockets möchten Landry halten. Auch der Forward ist einer Fortsetzung seiner Karriere in Houston zugetan. "Er liebt die Stadt, seinen Trainer und seine Mannschaftskameraden", sagte sein Manager Buddy Baker.

Ein Wechsel zu einer europäischen Mannschaft ist möglich, wenn auch unwahrscheinlich. "Es gibt Interessenten. Aber ich glaube nicht, dass diese Clubs ein finanziell ansprechendes Angebot machen können", sagte Baker. Jüngst hatten mit Bostjan Nachbar (New Jersey Nets) und Josh Childress (Atlanta Hawks) bereits zwei NBA-Spieler bei zahlungskräftigen Clubs in Griechenland und Russland unterschrieben.

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