Sportstadt Boston Heißer Herbst in Massachusetts

Die Patriots dominieren im Football, die Red Sox greifen im Baseball nach dem Titel - Boston ist derzeit Sportstadt Nummer eins in den USA. Nun sollen auch die Basketballer der Celtics an ihre großen Zeiten anknüpfen.

Von , Boston


Es ist ein heißer Herbst in Boston. Das Thermometer zeigt mitunter noch 25 Grad an. Ungewöhnlich für Oktober. Doch das ist nichts gegen die Fieberkurve der Sport-Fans in der Stadt. Die Red Sox aus der Major League Baseball (MLB) stehen im Halbfinale, spielen gegen die Cleveland Indians. Die New England Patriots haben in der National Football League (NFL) am Sonntag die bislang ungeschlagenen Dallas Cowboys mit 48:27 gedemütigt und mit sechs Siegen aus sechs Spielen ihren Vereinsrekord eingestellt. Und am 2. November legen endlich die Boston Celtics in der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA los.

Der Rekordmeister mit 16 Titeln hat in der Sommerpause gleich sieben Spieler zu den Minnesota Timberwolves geschickt, um im Gegenzug Kevin Garnett zu bekommen. Durch den spektakulärsten Transfer der NBA-Geschichte zählen die Celtics nun zu den Titelanwärtern. "Es ist unmöglich, kein Sportfan hier zu sein", sagt Bob Ryan, der für die Tageszeitung "Boston Globe" schreibt. Und es ist ebenfalls unmöglich, kein Red Sox-Fan dieser Tage zu sein. Mit dem Team ist es wie mit Weihnachten – egal, ob man es mag oder nicht, man kann es in Boston einfach nicht ignorieren.

"Boston ist die beste Baseball-Stadt der Welt", behauptet Red Sox-Trainer Terry Francona. Objektiv betrachtet hat Boston auf jeden Fall den teuersten Baseball-Spieler der Welt. Pitcher Daisuke Matsuzaka kam zu Saisonbeginn für 100 Millionen Dollar aus Japan an die Ostküste. Gut investiertes Geld, meint Besitzer John Henry. Die Statistik gibt ihm Recht. Erstmals seit 1995 haben die Red Sox wieder die East-Division der American League gewonnen. Das weckt Hoffnungen und schürt den Hype.

So mancher Bostonian zieht für sein Team sogar zu Hause aus – wenn auch nur für eine Nacht. Am vergangenen Donnerstag haben einige Fans vor dem Stadion geschlafen, um eine der 500 Restkarten für das erste Halbfinale gegen Cleveland zu bekommen. Spielbeginn war Freitagabend um 19 Uhr, Boston gewann 10:3. Red Sox-Tickets sind das Wertvollste, das es derzeit in Boston gibt – und deshalb kaum zu bekommen. Seit Jahren ist jedes Spiel im Fenway-Park ausverkauft. 2002 hat der Club eine Warteliste für Dauerkarten eingeführt. Derzeit sind dort 8000 Namen verzeichnet.

Sieben Siege fehlen noch zum Titel und zum erneuten Ausnahmezustand. Den gab's zuletzt 2004, als die Red Sox erstmals seit 1918 die World Series gewonnen hatten und mit drei Millionen Menschen feierten. Im selben Jahr holten auch die New England Patriots den Superbowl – Boston war Amerikas Sporthauptstadt. Zwei Triumphe in den großen vier US-Sportarten Football, Baseball, Basketball, Eishockey, das hatte zuvor nur 1988 Los Angeles geschafft, als die Lakers den NBA-Titel holten und die Dodgers die Baseball-Krone.

Boston hat durchaus Chancen, den Erfolg von 2004 zu wiederholen. Denn die New England Patriots gelten als der große Meisterschaftsfavorit. Und man muss kein Patriot sein, um zu sehen, dass die Patrioten derzeit die Nummer eins sind. Sechs Spiele, sechs Siege, dabei mindestens 34 Punkte pro Partie erzielt. So offensivstark waren zuletzt 2000 die St. Louis Rams. "Ich habe schon lange kein Team mehr gesehen, dass so komplett ist. Unglaublich, wie sie dominieren", staunt Ron Jaworski, bekannter Analytiker beim Sportsender ESPN.

Quarterback Tom Brady spielt seine beste Saison. Beim 48:27-Sieg in Dallas warf er fünf Touchdowns und verbesserte seine Saisonbilanz auf 21. Noch nie in der NFL-Historie war ein Passgeber nach sechs Spieltagen erfolgreicher. "Der Sieg war ein weiterer wichtiger Schritt. Wir müssen so weitermachen, um noch besser zu werden", bleibt Brady dennoch gelassen. Und Trainer Bill Belichick glaubt gar, dass sein Team in einem Monat noch stärker sei.

Garantiert besser sind in der neuen Saison die Boston Celtics – das liegt an den namhaften Neuverpflichtungen und an der Tatsache, dass die peinliche Minusmarke von 24 Siegen aus dem Vorjahr kaum zu unterbieten ist. Vorbei, vergessen, Vergangenheit. Gestern Keller, morgen Krone. "Warum nicht? Wir haben die richtigen Spieler, die Chemie stimmt, wir wollen den Titel", stellt Paul Pierce klar, der bislang der einzige Superstar des Teams war. Ab sofort ist Pierce jedoch einer von drei ganz Großen. Denn in Ray Allen und Kevin Garnett wurden zwei All-Stars verpflichtet.

Guter Start für die Bruins

"Boston ist eine grandiose Basketball-Stadt. Durch die Erfolge der Red Sox und der Patriots müssen sich die Celtics erstmal behaupten. Das ist gut für sie und für unsere Liga", freut sich sogar NBA-Commissioner David Stern über Amerikas Ballungszentrum des Spitzensports.

Nichts zu lachen hatten in den vergangenen Jahren die Boston Bruins. Das Team aus der nordamerikanischen Eishockey-Liga NHL ist – wenn man so will – das sportliche Stiefkind von Boston. Zweimal in Folge wurden die Playoffs klar verpasst. "Wir müssen endlich zeigen, was wir können, denn wir sind nicht so schlecht“, betont Marco Sturm. Der deutsche Nationalspieler spielt seit zwei Jahren hier. In dieser Saison läuft es gut für die Bruins, sie haben drei Siege und zwei Niederlagen auf dem Konto. Vielleicht können auch sie bald Euphorie in der Stadt verursachen.



insgesamt 2 Beiträge
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nephrom 15.10.2007
1.
Ich denke, dass man sie durchaus als Titelkandidat bezeichnen kann, vorausgesetzt, dass die Big Three während der Playoffs fit sind. Allen, Pierce und vor allem Garnett gehören zu den besten Spielern der letzten Jahre, Rondo und Perkins sind zwar unerfahren, aber talentiert und die Bank wurde auch sinnvoll verstärkt. Eastern Conference Finals sind auf jeden Fall erreichbar, gegen den Gewinner aus dem Westen wird dann aber sehr, sehr schwer - obwohl ich einmal die Prognose wage, dass die Finals nächstes Jahr deutlich spannender als dieses Jahr werden.
Shiraz, 17.10.2007
2.
Zitat von sysopRay Allen und Kevin Garnett zog es an die Ostküste. Können die Celtics schon um den NBA-Titel mitspielen?
Hm, selbst ich als Basketball-Fan muss zugeben, dass diese Foren hier wenig Sinn haben. Vielleicht könnten wir ja mal über Tennis diskutieren? Oder über sonstwas außer Fußball und dopende Radler?
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