Spurs-Verteidiger Bowen Klette aus Leidenschaft

Bruce Bowen ist einer der besten NBA-Defensivspieler. Gerade macht San Antonios Verteidigungskünstler Dirk Nowitzki das Leben schwer. Doch ganz ausschalten kann er den Deutschen nicht. Dallas fehlt noch ein Sieg in den Playoffs, um das Finale des Westens zu erreichen.

Von Jan Schiecke


Wenn die NBA eine Umfrage nach dem meistgehassten Spieler durchführen ließe, Bruce Bowen würde garantiert Platz eins belegen. "Er ist ein dreckiger Spieler", flucht Seattles Ray Allen über den Small Forward aus San Antonio, dabei waren die beiden mal dick befreundet. Ron Artest, selbst kein Kind von Traurigkeit und beinharter Verteidiger, gab nach einem Aufeinandertreffen mit Bowen zu Protokoll: "Bruce hat mich das ganze Spiel über geschlagen. Ich konnte es nicht glauben, das war doch nicht mehr legal", so Artest, momentan in Sacramento aktiv.

Viele Beobachter erinnert Bowens Spiel an die Kampfkünste eines Bruce Lee. Beide benutzen jede erdenkliche Körperpartie als Waffe. Lee, wenn es mal wieder gegen finstere Schurken geht, Bowen, um den Gegner auf dem Basketballfeld zu bedrängen. "Er nutzt seinen gesamten Körper", konstatierte Detroits Richard Hamilton. "Er schubst dich mit seinen Hüften, Beinen, Knien, einfach mit allem." Die immer präsenten, schnellen und nach allem schnappenden Finger Bowens erinnern Lakers-Coach Phil Jackson gar an "Edward mit den Scherenhänden".

Trotz des miesen Rufs sitzt Bowen nicht nach wenigen Minuten mit sechs Fouls auf der Bank. Im Gegenteil: Der 34-Jährige verbringt pro Spiel rund 33,6 Minuten auf dem Parkett, abgepfiffen bekommt er sehr durchschnittliche 2,3 Fouls. Seine Defense beinhaltet also mehr als pure Zerstörungskraft. "Defensiv hat Bruce einen schnellen ersten Schritt", analysiert Detroits Trainer Flip Saunders, "damit stoppt er den ersten Move des Gegners, dem die meisten Verteidiger nicht gewachsen sind."

Spurs-Ass Bowen (l., gegen Nowitzki): "Es geht um Verlangen"
REUTERS

Spurs-Ass Bowen (l., gegen Nowitzki): "Es geht um Verlangen"

Bowens Erfolg liegt aber auch darin, dass er versteht, mit vielen versteckten Fouls den Gegner zu verunsichern. Shotblocker bringen Angreifer dazu, über ihren Wurf nachzudenken, bevor sie abdrücken. Die von Bowen Beschatteten machen sich selbst ohne Ball Sorgen. Kennt ihr Bewacher doch alle Kniffe. Warum die Referees Vergehen nicht öfter und härter ahnden? "Wenn du den Ruf genießt, ein guter Verteidiger zu sein, lassen dir die Schiedsrichter viel mehr durchgehen", weiß der ehemalige NBA-Profi Mario Elie, der schon gegen und mit Bowen spielte.

Wer Bowens Beschattungskünste bewerten möchte, darf indes nicht in dessen Statistiken suchen. Die Wahrheit liegt auf der anderen Seite, in den Werten seiner Gegenspieler. In drei aufeinander folgenden Spielen dieser Saison verteidigte Bowen gegen Kobe Bryant, Dirk Nowitzki und Allen Iverson. Die Wurfquote der Herren in diesen Partien betrug zusammengerechnet 34,6 Prozent und war 11,2 Prozentpunkte niedriger als normal. Drei MVP-Kandidaten, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, mussten am Ende erkennen, dass Bowens Fähigkeiten so wandelbar sind wie die eines Bruce Banner (alias Hulk).

In der ersten Runde der Playoffs gegen Memphis (4:0) kam etwa Nowitzki auf durchschnittlich 31,7 Punkte. In den ersten vier Partien der zweiten Runde gegen San Antonio sah sich der Deutsche wieder mal Bowen gegenüber – und prompt sanken seine Stats auf 27,6 Zähler im Schnitt. "Bruce ist der talentierteste Verteidiger der NBA hinsichtlich der verschiedenen Spieler, die er decken muss", lobt Spurs-Coach Greg Popovich seinen Schützling. Dennoch droht dem Meister bereits das Aus im Halbfinale der Western Conference. Am Montagabend siegte Dallas 123:118 nach Verlängerung und führt in der Best-of-seven-Serie 3:1. Noch ein Erfolg am Mittwoch bei den Spurs, dann sind die Mavericks durch.

Bowen spielt seit der Saison 2001/2002 für San Antonio. Vorher stand er bei Miami, Philadelphia und Boston unter Vertrag. Woher nimmt Bowen die nötige Disziplin und Hartnäckigkeit, ständig wie ein Magnet an den Superstars zu hängen, wenn der Rest der Basketballwelt bis auf wenige Ausnahmen dem Offensivruhm nachjagt? "Es geht um Verlangen", sagte Bowen, "du willst den Superstars jeden Wurf so schwer wie möglich machen. Für diese Herausforderung musst du Abend für Abend bereit sein."

Popovich kennt dieses Verlangen von einem Spieler, den er einst als General Manager nach San Antonio holte. "Bruce gehört in eine Kategorie mit Dennis Rodman. Er weiß um seine einzigartige Stärke. Er will in seinem Bereich der Beste sein, genau wie Dennis damals." Rodman, genannt "Der Wurm", gewann in seiner Karriere fünf NBA-Titel und wurde zweimal zum Verteidiger des Jahres gewählt. Bei Bowen fehlt letztere Auszeichnung noch, zwei Meisterringe besitzt er schon. Er muss sich noch etwas gedulden, gerade wurde Detroits Ben Wallace zum besten NBA-Verteidiger erhoben. Bis es mit der Ehrung so weit ist, wird Bowen weiter versuchen, Starspielern wie Nowitzki ihre Grenzen aufzuzeigen.



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adrian01, 24.04.2006
1. Respekt, aber keinen Titel
Dirk Nowitzki hat eine MVP-reife Saison gespielt, so viel steht fest. Erstmals in seiner Karriere war er der alleinige Anführer der Mavericks und er löste die Aufgabe ohne die Hilfe der Kameraden Nash und Finley herausragend. Weil er nicht mehr nur der Punktesammler war, sondern eben der Anführer, der der in den Situationen Verantwortung übernimmt, wenn das Spiel entschieden wird. Diese Fähigkeit hat Nowitzki in diesem Jahr eindrucksvoll bewiesen, zuerst bei der EM, jetzt auch in der NBA. Dazu kam, dass die Mavericks in diesem Jahr (endlich einmal) ein System gespielt haben dessen Grundphilosophie nicht aus "Wer zuerst 120 Punkte macht gewinnt" besteht. Avery Johnson hat es geschafft, seinen Spielern zu erklären, dass "D" nicht nur der erste Buchstabe von "Dallas" ist, sondern auch von "Defense". Die Spieler haben die Umstellung gemeistert, der Erfolg spricht für sich. Die Mavericks aber jetzt zum Favoriten auf den Titel zu erheben, wäre vermessen. Zu stark ist die Konkurrenz aus Detroit und San Antonio. Schon der Finaleinzug (und damit ein Duell gegen die Pistons) wären eine große Überraschung, obwohl man die Regular Season-Serie gegen die Spurs mit einem Unentschieden beendete. Um in den Playoffs ernsthaft am Thron des amtierenden Champions zu rütteln, müssten einige von Nowitzkis Teamkollegen deutlich über ihre Verhältnisse spielen (vor allem Center Eric Dampier) und man müsste einen Weg finden, die Kreise von Aufbauspieler Tony Parker zu stören. Vor allem letzteres ist schwer vorstellbar, zu gering sind die Verteidigungskünste der Mavs-Guards Devin Harris und Jason Terry. Das Finale dürfte deshalb wieder San Antonio gegen Detroit lauten. Zu ausgeglichen und stark präsentierten sich die beiden Teams in der regulären Spielzeit. Im Osten gibt es wohl kein Team, dass den Pistons ernsthaft Paroli bieten kann. Sowohl bei den Nets (im Frontcourt gibt es mit Nenad Krstic nur einen überdurchschnittlichen Spieler), den Cavaliers (zu viel hängt offensiv von "King" James ab) und den Miami Heat (mangelnde Qualität, O'Neal und Wade ausgenommen) gibt es immer ein Handicap, dass den großen Wurf, den Finaleinzug,verhindern wird. Im Westen wird es zwar enger, doch letztlich werden sich die Spurs gegen Dallas und Phoenix (ohne Amare Stoudemire) durchsetzen. Wer am Ende den Titel holt ist schwer zu sagen: Dort wird die jeweilige Tagesform des Ausschlag geben, auch wenn die Bilanz der regulären Saison für Detroit spricht.
Silberkamp, 25.04.2006
2.
es wäre ein traum, wenn nowitzki den titel holen würde. es würde auch den deutschen basketball nach vorne bringen.
coolste, 26.04.2006
3.
Ich bin nicht der Meinung, dass Dallas chancenlos ist in Runde 2 gegen die Spurs. Vor allem heisst es Daumen drücken für die Kings. Schaffen diese es die Serie gegen San Antonio lange offen zu halten wäre das Gold wert für Dallas, da Tim Duncan und Manu Ginobili, die beide mit Verletzungen zu kämpfen haben, wenig Zeit zur Erholung hätten. Leider sieht es momentan nicht nach einer wirklich langen Serie aus, die Spurs führen bereits 2-0 und das erste Spiel war eine regelrechte Vorführung. Aber vielleicht macht das 2. Spiel ja Hoffnung, in dem Sacramento nur sehr unglücklich in der Verlängerung verlor, und das ohne ihren besten Spieler Ron Artest (gesperrt für ein Spiel). Analog ist es natürlich auch wichtig, dass Dallas ihre Serie frühzeitig entscheidet, um wiederum ihren angeschlagenen Spielern die Möglichkeit zur Erholung zu geben. Besonders auf Devon Harris ruhen einige Hoffnungen, da er der einzige ist, der annähernd mit dem Antritt von Tony Parker mithalten kann. Letztendlich wird es denke ich eine knappe Geschichte, die die Spurs aber wohl für sich entscheiden werden. Nicht zuletzt, da so erfahrene Leute wie Finley, van Exel, Horry und, wie gegen Sacramento zu sehen, Brent Barry von der Bank kommen. Zudem wird Nowitzki es schwer haben sich in jedem Spiel gegen den Defensivspezialisten Bruce Bowen so zu behaupten wie im Finale der regulären Saison. Egal wer diese Serie gewinnt wird aber wohl auch in die NBA Finals einziehen, da die andere Hälfte des Playoff-Baums im Westen doch deutlich schwächer besetzt ist. Im Osten sehe ich Detroit nicht unbedingt als automatischen Finalteilnehmer. Zwar haben sie eine absolut überragende reguläre Saison gespielt und sind sicherlich Favorit, aber ich denke das Miami oder New Jersey nicht chancenlos sind. Miami ist dank Shaq per Definition immer gefährlich und sollte Detroit in nichts nachstehen, sollten sie verletzungsfrei bleiben. Auch letztes Jahr war diese Serie äußerst knapp und wurde unter anderem auch durch die Verletzung von Wade entschieden. Müsste New Jersey in der zweiten Runde gegen Detroit spielen anstatt gegen Miami, würde ich ihnen noch größere Chancen einräumen. Aber Shaq und Zo haben sie einfach nichts entgegenzusetzen. Da reicht auch das Duo Kidd-Carter nicht aus. King James wird in seinen ersten Playoffs leider nicht über die erste Runde hinaus kommen. Da müsste er schon jedes Spiel so dominieren wie Spiel 1 und das schafft selbst er nicht. Mein Tipp für das Finale lautet Miami vs. San Antonio, welches Miami in 6 Spielen für sich entscheiden wird.
Herr K, 28.04.2006
4.
Um über die Titelchancen vermeintlicher Favoriten zu räsonieren, ist es in der ersten Runde noch zu früh. Es empfiehlt sich daher, erst einmal abzuwarten, wer die zweite erreicht. Was würde zum Beispiel passieren, wenn die Lakers überraschenderweise die Suns schlagen? Dann sieht die Welt doch gleich ganz anders aus. Die Lakers sind schließlich mit Lamar Odom und vor allem smush Parker weniger von ihrem Star abhängig als beispielsweise Cleveland. Und sollten die Lakers tatsächlich in die zweite Runde einziehen, dann können sie jeden schlagen, auch die Spurs (wie in der Saison) oder die Pistons (ebd.). Also abwarten!
Herr K, 28.04.2006
5.
Es ist zu früh, um über die Aussichten vermeintlicher Favoriten zu räsonieren. Es empfiehlt sich daher den Ausgang der ersten Runde abzuwarten. Was wäre nämlich, wenn die Lakers die Suns schlagen? Die hatte nämlich (wie die Suns) bisher hier im Forum keiner auf der rechnung, doch wenn sie es schaffen, Phoenix zu schlagen, wen sollen sie dann nicht schlagen können? San ANtonio, Detroit? Gegen beide konnten die Lakers in der Saosin mindestens einmal triumphieren. Zudem haben die Lakers zwar mit Bryant den Spieler, der trifft wie er will und von wo er will, aber sie sind von ihm dank Lamar Odom, und vor allem auch Smush Parker, weniger abhängig als die Cavaliers von James. Also abwarten bis zur zweiten Runde!
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