Stockton-Schüler Williams Nachhilfe bei Jazz-Legende

Als Kind ahmte er Jason Kidd nach, im Sommer trainierte er bei John Stockton. Jetzt möchte Deron Williams in Utah brillieren. Doch trotz der Erfolge des Jazz-Teams hat es der Spielmacher nicht leicht, es ist erst seine zweite Saison als NBA-Profi.

Von Goranka Zloporubovic


Jeder Rookie benötigt Zeit, um sich an die NBA zu gewöhnen. Neue Mitspieler, neue Regeln, neuer Trainer, neue Systeme. "Meine erste Saison war ein Lernprozess, in dem ich damit zu kämpfen hatte, nicht zu spielen. Wie die Umstellung von Highschool zu College, nur zehn Mal schlimmer", sagt Deron Williams.

Jazz-Profi Williams (l., gegen Portlands Jack): Kräftig zupacken
AP

Jazz-Profi Williams (l., gegen Portlands Jack): Kräftig zupacken

Der Pointguard der Utah Jazz hat ein typisches erstes Profijahr hinter sich, mit Höhen und Tiefen. Jazz-Mann Jerry Sloan ist ein Coach der alten Schule. Das bekommen vor allem die Neuen zu spüren. Wer nicht intensiv verteidigt, erlebt schnell, wie kurz der Weg von der Starting Five zur Bank ist.

Williams hatte sich den Start anders vorgestellt. Der 22-Jährige führte Illinois ins Finale der College-Liga NCAA, das sein Team mit 70:75 gegen North Carolina verlor. Sein alter und neuer Teamkollege Dee Brown sorgte für die Show, Williams aber war der Kopf des Ganzen. Die Jazz zogen ihn an dritter Stelle und machten ihn damit zum bislang am höchsten gedrafteten Illinois-Spieler.

In Utah musste sich Williams dennoch neu beweisen. Coach Sloan scherte sich nicht um die Meriten vom College. Folgerichtig lief es nicht immer nach Plan für Williams, doch im Schnitt 10,8 Punkte und 4,5 Assists pro Partie brachten ihm immerhin eine Berufung ins "All Rookie First Team" ein. "Er hatte ein paar gute Momente und einige, die nicht so gut waren, wie er sie gerne gehabt hätte. Er wird ein guter Spieler sein, wenn er Einsatz zeigt", prophezeit Sloan. Der legendäre Jazz-Spielmacher John Stockton sei schließlich auch erst in seinem dritten Jahr als NBA-Profi zum Starter gereift.

Auch deshalb verbrachte Williams bei Stockton eine Sommerwoche in dessen Heimat Spokane/Washington. Eine Stadt, die noch weniger Flair besitzt als Stocktons Haarschnitt. Der 1,91 Meter große Williams ist dankbar für alle Tipps, die ihm der Altmeister mit auf den Weg gibt: "Nicht viele Profis bekommen die Chance, Zeit mit dem großartigsten Spieler ihrer Position zu verbringen."

Im Vergleich zu Stockton fehlen Williams die Instinkte eines puren Pointguards. Sein Spiel ist offensiver ausgerichtet, sein Wurf aus der Mitteldistanz zu gut, um ihn nicht einzusetzen. In der Defense ist er jedoch gegen schnelle Guards oft einen Schritt zu langsam, und gerade dies ärgert Coach Sloan. "Mein Ziel für den Rest meiner Karriere ist es, jedes Jahr ein All Star zu sein und eine Meisterschaft zu gewinnen", sagt Williams. Da hat er sich einiges vorgenommen.

Der Start in die neue Saison ist schon einmal gelungen. Von fünf Spielen hat Utah vier gewonnen. Für Williams wurden bislang pro Partie durchschnittlich 13,2 Punkte und 6,4 Assists gezählt.



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