Wettskandal Schiedsrichter stürzt NBA in die Krise

Die Beweise gegen den langjährigen NBA-Schiedsrichter Tim Donaghy, der etliche Spiele geschoben haben soll, sind erdrückend. Inzwischen glauben die Ermittler zu wissen, wie der gar nicht unparteiische Referee bei seinen Manipulationen vorging.


Hamburg - Was die Fußball-Bundesliga mit dem Fall Robert Hoyzer hinter sich gebracht hat, droht nun dem nordamerikanischen Basketball: Wie in Deutschland soll jenseits des Atlantiks ein Profi-Schiedsrichter in einen Wettskandal verwickelt sein. Tim Donaghy wird vorgeworfen, in den vergangenen beiden NBA-Spielzeiten eine noch nicht näher bekannte Anzahl Begegnungen manipuliert zu haben.

NBA-Schiedsrichter Donaghy (r.): Schwere Vorwürfe
AP

NBA-Schiedsrichter Donaghy (r.): Schwere Vorwürfe

Nach Angaben des FBI soll der Schiedsrichter in von ihm geleiteten Partien vor allem auf eine überdurchschnittlich hohe Anzahl von erzielten Punkten gewettet haben. Der 40-Jährige, der nach 13 Jahren seine Tätigkeit als NBA-Schiedsrichter am Ende der vergangenen Saison beendet hatte, schweigt noch zu den Anschuldigungen. Nach Vorschriften der NBA ist es Schiedsrichtern verboten, auf Liga-Spiele zu wetten.

Donaghy war in der abgelaufenen Saison bei 63 Spielen im Einsatz, darunter fünf Playoff-Partien, die letzte davon zwischen den San Antonio Spurs und den Phoenix Suns am 12. Mai. In der Saison 2005/2006 leitete er 68 Spiele. Nach Angaben von Foxsports war Donaghy in den vergangenen beiden Spielzeiten der Schiedsrichter, der die meisten Freiwürfe gegeben hat. Außerdem habe er die meisten Technischen Fouls (etwa wegen Reklamierens) sowie Foul-Outs (Platzverweise nach sechs Fouls) verteilt.

Zudem fiel den Ermittlern die hohe Anzahl erzielter Punkte in den von Donaghy geleiteten Partien auf. So kamen 2006/2007 die beteiligten Teams in diesen Spielen durchschnittlich auf 201,37 Zähler. Von den Wettbüros waren im Schnitt 187,9 Punkte erwartet worden. Eine Saison zuvor endeten Spiele unter Donaghys Leitung mit 196,8 Punkten, die Wettbüros hatten mit durchschnittlich 186,6 Punkten gerechnet.

Bei dieser Art von Wetten gibt der Anbieter eine bestimmte Anzahl von Punkten vor, die beide Teams am Ende der Partie vermutlich erreichen werden. Der Kunde kann dann darauf wetten, ob in der Partie dann tatsächlich mehr oder weniger Punkte erzielt werden, als vom Wettanbieter prognostiziert ("Point Spreads").

"Fünf bis sechs Punkte sind vielleicht möglich", sagte der US-Wettexperte R.J. Bell zu ESPN: "Aber 10 bis 13 Punkte - das ist zu auffällig, dazu sind die Buchmacher zu gut." Bell hat dafür eine einzige Erklärung: "Zu 99,9 Prozent kommen diese Abweichungen durch einen Faktor von außen zustande. Irgendetwas Regelwidriges lief hier ab."

Als Beispiel führt Bell zehn Partien Anfang dieses Jahres an, die von Donaghy geleitet wurden. In diesen Spielen war jedes Mal kurz vor dem Tip-Off ein großer Betrag darauf gesetzt worden, dass die erreichte Punktzahl an Spielende höher ist als vom Wettbüro vorgegeben - jedes Mal wurde die Wette gewonnen.

Nach Informationen aus Kreisen des FBI will der Schiedsrichter am Ende dieser oder Anfang kommender Woche vor einem Gericht Stellung nehmen. Wie die "New York Daily News" aus nicht näher bezeichneten Ermittler-Quellen berichtet, will sich Donaghy kooperativ zeigen und möglicherweise weitere Schiedsrichter und Spieler nennen, die in den Wettskandal verwickelt sind.

Derzeit hält sich Donaghy in seinem Haus in Bradeton/Florida auf. Nach zwei Drohanrufen eines Unbekannten am Sonntag wird das Haus des Referees von der Polizei bewacht. "Wir werden nach den Drohungen ein Auge auf diesen Ort haben", sagte ein Polizeisprecher.

Ein besonderes Auge auf die Schiedsrichter werden sicherlich auch die NBA-Fans in der kommenden Saison haben. Der Chef der Schiedsrichtervereinigung, Lamell McMorris, ist sich bewusst, dass das Vertrauen in die Unparteiischen durch den Fall gelitten hat. "Wir werden allerdings alles tun, um dieses Vertrauen zurück zu gewinnen", sagt McMorris. Ligaboss David Stern hatte noch vor einem Jahr erklärt, dass die NBA über die besten Schiedsrichter aller Sportarten verfüge.

pav



insgesamt 33 Beiträge
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FIVE-Sven, 04.12.2006
1. NBA heute, NBA früher
Hallo, da wir wissen, dass die NBA-Artikel bei Spiegel Online sehr beliebt sind und wir mehr Feedback von unseren Lesern haben möchten, werde ich in Zukunft bei meinen Artikeln, die im Forum besprochen werden, auch selber antworten. Ich würde mich freuen über Fragen, Kritik, Lob und vor allem über eigene Ansichten zum Thema. Bei diesem Artikel ist es aber vielleicht am besten, wenn wir erstmal den zweiten Teil morgen abwarten, bevor wir uns in die Diskussion stürzen. Schönen Montag, wünscht der Sven PS: Für mehr Infos über die FIVE: www.fivemag.de
Flori Nowitzki, 04.12.2006
2.
Also meiner Meinung nach ist die NBA immer noch die stärkste Liga. Das liegt allerdings nur noch an den starken Individualisten, der bessere Teambasketball wird mittlerweile in Europa gespielt. Große Teams wie die Celtics (80er) oder die Bulls (9oer) findet man heute nicht mehr. Das Auf und ab eines Teams hängt oft nur von der Verfassung des Stars ab. Man merkt allerdings auch hier, dass die neuen Stras nicht mehr so komplette Spieler sind wie die 'alten hasen' Bryant, Duncan, Nowitzki, Carter oder Iverson. LeBron oder Dwayne können Spiele zwar entscheiden, leben hier aber meist rein von der Athletik, es fehlen die Variantenreiche. Zug zum Korb reicht heute nicht mehr aus, auch Sprungwürfe und die Defense müssen stimmen. Und da haben die noch Jungen, 'neuen' Stars Defizite aufzuarbeiten, Gleichzeitig liegt es an den Managern, Teams aufzubauen, die einen schlechten Tag ihres Superstars auffangen können. Die Mavericks und die Spurs kommen diesem Status noch am nächsten, allerdings fehlt auch hier die letzte Stufe zum Ausnahmeteam. Das klingt mal wieder so nach 'Früher war alles besser', aber das war es leider auch. Es wird Zeit, dass man reagiert.
Chrisb, 04.12.2006
3.
Die goldene Ära der NBA aus den 80ern und 90ern ist wohl wirklich erstmal vorbei. Michael Jordan ist zwar auch für mich der beste Spieler aller Zeiten, er hat jedoch eine Entwicklung in Gang gebracht, die, obwohl er das natürlich selbst nicht gewollt hat, eher ungesund für die Liga war. Hier nenne ich zwei Stichpunkte: zunehmende Kommerzialisierung sowie zunehmende Individualisierung des Spieles. Nicht umsonst ist die College-Liga in den USA beliebter, weil es hier noch um das Spiel selbst bzw. die Ehre der Mannschaft geht und wesentlich mehr als Teamsport verstanden wird. In der NBA stehen dagegen die individuellen Statistiken und die fetten Verträge im Vordergrund.
Subtuppel 04.12.2006
4.
Schaut man sich heutige NBA-Spiele an, wenn man damals noch die wirklich großen Spieler gesehen hat, wird einem tatsächlich etwas wehmütig zumute. Damals wurde tatsächlich noch Teambasketball gespielt und auch die Topstars stellten sich eher in den Dienst der Mannschaft und nicht umgekehrt. Einen Teil des Verfalls erkläre ich mir allerdings zum Teil auch einfach dadurch, dass es heute einfach keine vernünftigen Pointguards mehr gibt, da halt wesentlich mehr Augenmerk darauf gelegt wird, dass man fünf Meter hoch springen kann und den Ball wie blöd in der Korb wemsen kann. Abgesehen von Nash, Kidd und vllt. Chris Paul gibt es aber keinen mehr, der ein Spiel zumindest an guten Tagen wirklich von Anfang bis Ende kontrollieren kann, ohne dafür 50 Punkte machen zu müssen. Beim Fehlen solcher Leute ist es ja nicht verwunderlich, dass man kein durchgängig niveauvolles Pass-Spiel mehr zu sehen bekommt. Als Resultat davon hat man dann mit Dallas eine Mannschaft im Finale, die bei über 100 Punkten im Schnitt auf knappe 17 Assists kommt ... bäh ;)
mölf, 04.12.2006
5.
ich bin zwar nicht mehr so sehr in dem aktuellen geschehen der nba involviert, aber vielleicht macht das ja meinen beitrag interessant. hier ein paar aspekte warum mich die nba nicht mehr so sehr interessiert/warum ich mich mit keinem nba team identifizieren kann: - diese genzen tauschwirtschaft in denen clubs mehrere spieler tauschen.. würden sich fußballfans nicht verarscht fühlen, wenn je eine handvoll dortmund und schalke profis von einem zum anderen lager wechseln würden.. - das im ersten punkt erwähntes wird meines wissens zwar nicht mit den richtigen topspielern praktiziert, jedoch was bringt es wenn die timberwolves zwar kevin garnett als sympathieträger halten, aber dank seines gehaltes kein konkurrenzfähiges team um ihn aufbauen können. bei den bulls verzichteten spieler wie pippen auf jede menge gehalt um mit dem team was zu reißen. - ein weiterer punkt ist meiner meinung der charakterzug der derzeitigen spielergeneration. anders als bei unserem dirk steht für spieler die es in das rampenlicht geschafft haben nicht im vordergrund sich durch hartes training zu verbessern sondern den gangsta raushängen zu lassen. ich kann als sportler allerdings verstehen, dass man bei einem derartigen mammutprogramm mit mehreren spielen in der woche schnell die lust verliert in der spielfreien zeit hart an seinen fähigkeiten zu arbeiten.
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