Regisseur wirft ihm Betrug vor Ausnahmesegler Bourgnon muss nach angeblicher Rekordfahrt vor Gericht

Yvan Bourgnon gilt als Held: Der Abenteurer soll über 7500 Kilometer durch die Nordwestpassage gesegelt sein. Solo, auf einem kleinen offenen Katamaran. Doch dabei hat er gemogelt – und beschäftigt nun die Justiz.
Yvan Bourgnon (l.) zusammen mit dem Franzosen Vincent Beauvarlet

Yvan Bourgnon (l.) zusammen mit dem Franzosen Vincent Beauvarlet

Foto: Jean-Sebastien Evrard / AFP

Der französisch-schweizerische Abenteurer Yvan Bourgnon ist ein Star der Segelszene. Von 2013 bis 2015 etwa segelte er um die Welt, auf einem Katamaran ohne Kajüte und ohne GPS. 2017 gelang ihm dann erneut schier Unglaubliches. Über 7500 Kilometer will er durch die Nordwestpassage gesegelt sein, die den Atlantik über die Arktis mit dem Pazifik verbindet. Das alles bei Minustemperaturen, allein auf einem kleinen Katamaran ohne Motor. Dabei sei er die gesamten 70 Tage auf seinem Boot gewesen.

So erzählte er es bei seiner Ankunft in Grönland. Die Geschichte klang äußerst spektakulär.

Nur: Ganz so heldenhaft wie Bourgnon seine Reise beschrieb, war sie offenbar nicht. Nach seiner Rückkehr berichtete die Schweizer »NZZ« , dass Bourgnon geschummelt haben soll. Unter anderem soll von anderen Booten Schlepphilfe angenommen haben. Von einem deutschen Segelmagazin auf die Vorwürfe angesprochen, habe er diese dementiert.

Nun hat die Geschichte ein Nachspiel: Bourgnon muss am kommenden Dienstag in Paris vor Gericht, wie die französische Tageszeitung »Le Figaro«  und die britische »Times«  berichten. Der Filmregisseur Pierre Guyot, der einen Film über die Fahrt machen wollte, wirft dem Segler Betrug vor.

Yvan Bourgnon

Yvan Bourgnon

Foto:

MARTIN BUREAU / AFP

Guyot hatte den Katamaran »Ma Louloute« für seine geplante Dokumentation vorab mit sechs Kameras ausgestattet – und war nach der Sichtung der Bilder reichlich enttäuscht. Unter anderem gebe es keine Aufnahmen von dem Eisbären, der laut Bourgnon an Bord geklettert sei und der erst nach dem Abfeuern einer Waffe die Flucht ergriffen habe. Auch andere spektakuläre Erzählungen ließen sich auf den Bildern nicht bestätigen.

Stattdessen kamen die Vorwürfe. Mittlerweile habe Bourgnon der »Times« zufolge einige davon zugegeben. »Ich habe in einem Hotel geschlafen. Na und?«, sagte er dem »Figaro«, und: »Hätte ich das Abenteuer aufgeben sollen?«

Die Durchquerung wurde aberkannt

Wie die Zeitung weiter berichtet, habe das Scott Polar Research Institute an der renommierten Cambridge University den Schweizer mittlerweile von der offiziellen Liste der Transite durch die Nordwestpassage gestrichen. Man sehe es als erwiesen an, dass Bourgnon während eines Großteils der Reise nicht an Bord seines Katamarans gewesen sei, der darüber hinaus von anderen Schiffen unterstützt worden sei.

Die vermeintlich so spektakuläre Solodurchquerung war also eine Mogelpackung. Der Dokumentarfilm kam deswegen nicht zustande, Regisseur Guyot sah sich getäuscht und klagte.

Zuletzt machte Bourgnon nicht mit möglichen Rekorden, sondern mit einer Innovation auf sich aufmerksam. Er gründete die Organisation SeaCleaners, sammelte viel Geld und ließ ein Schiff entwickeln, dass Plastikmüll aus dem Meer sammeln  und gleichzeitig vom herausgefischten Abfall angetrieben werden soll. Ab 2024 soll es zum Einsatz kommen.

kjo
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