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Gut zu wissen Gefährliche Wanderungen

Wann Bergtouren in Turnschuhen lebensgefährlich sind.
aus DER SPIEGEL 17/2022
Höllentalklamm bei Garmisch

Höllentalklamm bei Garmisch

Foto: Imagebroker / ullstein bild

Die Wandersaison in den Bayerischen Alpen hat mit viel Sonne und einem tragischen Unfall begonnen. Vorige Woche verunglückte im Zugspitzgebiet bei Garmisch-Partenkirchen ein Ehepaar, das bei einer Tour von der Höllentalangerhütte Richtung Hupfleitenjoch auf verschneiten Wegen unterwegs war. Nach Angaben der Polizei trugen die Wanderer Turnschuhe. Auf dem rutschigen Untergrund verloren die Frau und der Mann den Halt und stürzten in die Tiefe.

Rettungskräfte der Bergwacht beklagen immer wieder, dass Ausflügler mit dem falschen Schuhwerk ins Gebirge ziehen und es deshalb zu Unfällen komme. Selbst den Gipfel der Zugspitze versuchen Bergsteiger in Turnschuhen zu erklimmen.

»Viele Leute sind einfach unbedarft«, sagt Michael Lentrodt, Präsident des Verbands Deutscher Berg- und Skiführer. Im Sommer, wenn es die Verhältnisse zulassen, sei gegen eine Tour in leichten Schuhen nichts einzuwenden. Alpinfans, die im Frühjahr in die Alpen aufbrechen, müssen jedoch damit rechnen, dass viele Wege stellenweise noch mit Schnee und Eis bedeckt sind.

Lentrodt appelliert an Wanderer, im Gebirge robuste Bergschuhe mit steifer Sohle zu tragen. Die Modelle sehen zwar nicht so schick aus wie Sneaker. Doch sie schützen vor Verletzungen in Passagen mit Geröll, das grobe Profil sorgt für den nötigen Halt auf rutschigem Untergrund, und mit den stabilen Kappen der Spezialschuhe lassen sich im Schnee leichter Tritte schlagen.

Bergtouren werden immer beliebter. Bergsportexperten beobachten seit Jahren mit Sorge, dass die Saison früher losgeht, schon im April zieht es die Menschen in die Alpen. Wanderenthusiasten ließen sich durch die frühlingshaften Temperaturen im Tal zu anspruchsvollen Touren auf eigene Faust und ohne Bergführer verleiten – und würden dann in den Hochlagen von den winterlichen Bedingungen überrascht.

In solchen Fällen sei es das Beste, den Ausflug sofort abzubrechen, sagt Franz Güntner vom Deutschen Alpenverein. »Wer nicht die richtige Ausrüstung und die nötige Kompetenz besitzt, um ein Schneefeld sicher zu queren, sollte besser umkehren.«

gp
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