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Gut zu wissen "Zweite Front im Körper"

Warum ist Sporttreiben bei einer Viruserkrankung gefährlich?
aus DER SPIEGEL 13/2020
Marathonläuferinnen in Atlanta im Februar

Marathonläuferinnen in Atlanta im Februar

Foto: Andy Kiss/ AFP

Sport bringt Spaß, ist gesund – kann aber auch tödlich sein. Zumindest wenn sich die Athleten mit einem grippalen Infekt oder einer anderen Viruserkrankung zum Training oder Wettkampf schleppen. Pro 100.000 Marathonläufern sterben ein bis zwei Sportler. Todesursache ist oft eine verschleppte Infektion. Es besteht die Gefahr lebensbedrohlicher Herzmuskelentzündungen, auch von Beschädigungen der Lunge und der Nieren.

"Der Körper setzt sich massiv mit dem Virus auseinander und mobilisiert die Abwehrkräfte, das kostet Energie", erklärt der Sportmediziner Hans-Georg Predel von der Sporthochschule Köln. Wenn man dann noch eine "zweite Front" aufmache, indem man den Körper mit Sport belaste, habe er keine Kraft mehr, das Virus einzudämmen, so der Leiter der Präventiven Sport- und Leistungsmedizin.

DER SPIEGEL 13/2020
Foto: cgs

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Sportler sind von viral bedingten Atemwegserkrankungen besonders häufig betroffen, sagt Predel. Denn sie atmen bis zu 30-mal so viel Luft ein wie ein Mensch, der an seinem Schreibtisch sitzt. Das Problem bei dieser Menge: Die Luft kann nicht adäquat angewärmt und angefeuchtet werden. Die Schleimhaut wird dadurch massiv strapaziert und ist empfänglicher für virale Infekte.

Bei ersten Anzeichen eines Infekts ist unbedingt eine Sportpause notwendig. Es sei ein Mythos, die Krankheit ausschwitzen zu können, sagt Predel: "Das ist nicht nur völliger Quatsch, sondern auch gefährlich."

Erst nach fünf bis sieben Tagen sollte man bei einer gewöhnlichen Viruserkrankung der Atemwege wieder ins Training einsteigen. Bei ernsteren Erkrankungen wie dem Pfeifferschen Drüsenfieber können es auch vier Wochen und mehr sein. Wie die Zeitabläufe beim neuen Coronavirus im Detail aussehen, weiß man noch nicht.

Nach der Genesung darf der Körper frühestens nach einer weiteren Woche wieder maximal belastet werden. Für Leistungssportler gelten noch strengere Regeln. Sie sollten vor der Rückkehr in den Trainingsbetrieb ihr Blut von einem Arzt checken lassen.

BKA
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