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Gut zu wissen Warum rauchen so viele Leistungssportler?

Vor allem Mannschaftssportler setzen auf die kurzfristige Wirkung von Nikotin.
aus DER SPIEGEL 11/2023
Kettenraucher Walter Frosch

Kettenraucher Walter Frosch

Foto:

Thorsten Baering / IMAGO

Bis zu 60 Zigaretten am Tag habe er als Fußballprofi geraucht, gestand Walter Frosch einmal. »Mein größter Gegner war immer die Kneipe«, sagte der ehemalige Bundesligaspieler des 1. FC Kaiserslautern und des FC St. Pauli, der früh an Mandelkrebs erkrankte und 2013 im Alter von 62 Jahren verstarb.

Aus: DER SPIEGEL 11/2023

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Froschs Nikotinkonsum mag extrem gewesen sein, mit seiner Vorliebe für Tabak ist der einstige Abwehrspieler allerdings nicht allein im Leistungssport. Zu diesem erstaunlichen Ergebnis kommt eine Studie , die jüngst im Fachmagazin »Sports Med « veröffentlicht wurde. Ein internationales Forschungsteam untersuchte dafür in Italien mehr als 60.000 Urinproben aus Dopingkontrollen der Jahre 2012 bis 2020 auf Nikotin – und wurde in rund 23 Prozent der Fälle fündig. Der Nikotinkonsum wäre damit unter Leistungssportlern sogar höher als in der Gesamtbevölkerung (20 Prozent). Die Zahl sei »alarmierend und sollte nicht unterschätzt werden«, warnen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Sport müsse handeln, um »die Gesundheit und das Wohl der Athleten zu schützen«.

Überrascht zeigten sich die Forscher vor allem über die hohe Quote in Mannschaftssportarten wie Fußball, Basketball, Rugby und Hockey, die an die Athleten »hohe stoffwechselbedingte Anforderungen« stellten. Eine Erklärung sei unter anderem »das Bedürfnis nach Erholung und Entspannung« der Sportler – auch bei jenen auf Weltklasseniveau. 2016 wurde der damalige englische Fußballnationalspieler Jamie Vardy mit Snus, einem Kautabak, gesichtet; der Spieler erklärte, der Stoff helfe ihm beim »Runterkommen«.

Insgesamt war fast jede dritte Probe von Teamsportlern nikotinpositiv, bei Einzelsportarten lag die Quote nur bei rund 14 Prozent. Zudem fanden die Forscher deutlich mehr Fälle in Kraftsportarten wie Gewichtheben als in Ausdauerdisziplinen wie Rennradfahren. Dies könne unter anderem daran liegen, dass Ausdauersportler ein erhöhtes Gesundheitsbewusstsein hätten und so die Langzeiteffekte von Nikotinkonsum besser einschätzen könnten.

Die mit Abstand höchsten Werte wiesen Baseballspieler auf, in mehr als der Hälfte ihrer Urinproben schwammen noch Nikotinrückstände. Der Gebrauch von Kautabak ist im Baseball weit verbreitet, auch während der Partien.

tne

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