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Re-Warm-up Warum wärmen sich Spieler in der Halbzeitpause auf?

Mit dem »Re-Warm-up«, dem Wiederaufwärmen nach einer Pause, wollen Betreuer die Athleten wieder an die Intensität des Wettkampfs heranführen und das Risiko, sich zu verletzen, senken.
aus DER SPIEGEL 42/2022
Basketballprofis von Alba Berlin

Basketballprofis von Alba Berlin

Foto: imago sport / IMAGO/Alexander Trienitz

So sieht der gewohnte Ablauf in der Halbzeitpause aus: ­Trainer sprechen über Fehler und die Taktik, Spieler erholen sich, Betreuer versorgen die Teams mit Getränken. Nun bietet sich dem Publikum ­immer häufiger ein anderes Bild: Die Mannschaften ­wärmen sich wieder auf. Was bezwecken sie damit?

Oft spielen Teams in der zweiten Spielhälfte schwächer. »Im Sport geht es immer da­rum, sich weiter zu verbessern. Ein blinder Fleck ist dabei die Halbzeitpause«, sagt Alejandro Vaquera, Professor für Sportwissenschaft an der Universität von Léon in Spanien.

In einer Übersichtsstudie hat Vaquera mit einem Forschungsteam untersucht, welche Effekte Aufwärmübungen in der Pause haben. Sie schauten auf Werte wie die Tem­peratur und Sauerstoffversorgung der Muskeln oder die Herzfrequenz und fanden heraus: Sich intensiv wieder aufzuwärmen hat einen großen Effekt auf die Leistungsfähigkeit. Die Sportler waren schneller und fitter, vor allem zu Beginn der zweiten Halbzeit – auch wenn sie sich zunächst erschöpfter fühlten. Bei den Forschungen habe sich ein deutsches Sprichwort bestätigt: Wer rastet, der rostet.

Mit dem »Re-Warm-up«, dem Wiederaufwärmen nach einer Pause, wollen Betreuer die Athleten wieder an die Intensität des Wettkampfs heranführen und das Risiko, sich zu verletzen, senken. Eingesetzt werden kurze, intensive Übungen, das können Minispiele, Radfahren oder Kraftübungen sein. Wie lange Sportler sich wieder aufwärmen sollten, ist unterschiedlich. »Das hängt von der Sportart und der Länge der Pause ab. Es kommt auch darauf an, wie viel Einsatzzeit die Spieler schon hatten, ob sie sich erholen müssen«, sagt ­Vaquera. Im Handball oder Basketball etwa, wo ständig gewechselt wird, sollten Spieler in der Pause aktiv sein.

Bisher haben Forscherinnen und Forscher nur untersucht, ob Männer sich wieder aufwärmen sollten. Frauen reagieren auf Belastungen anders. Auch im Amateursport fand die Forschung laut Vaquera bisher keinen so klaren Effekt des Wiederaufwärmens wie im Leistungssport. Momentan wärmen sich die wenigsten Teams in der Pause intensiv wieder auf. »Aber da tut sich gerade etwas«, sagt Vaquera, für Deutschland nennt er als Beispiel für erfolgreiches Re-Warm-up den deutschen Basketballmeister Alba Berlin.

ast
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