Wegen anhaltender Dürre Augsburg bangt um Austragung der Kanuslalom-WM

Kanuslalomfahrer Sideris Tasiadis kommt aus Augsburg, kann derzeit aber nicht auf der WM-Strecke trainieren. Der Lech ist von Wasserknappheit betroffen. Die Stadt will die Austragung mit einer Betonwand retten.
Sideris Tasiadis bei den Olympischen Spielen in Tokio

Sideris Tasiadis bei den Olympischen Spielen in Tokio

Foto:

Kirsty Wigglesworth / AP

Wegen der anhaltenden Dürre müssen die Slalomkanuten in Augsburg um die Austragung ihrer Weltmeisterschaft (26. bis 31. Juli) bangen. »Wir arbeiten daran, mit der Wasserknappheit umzugehen«, sagte Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Die Verantwortlichen der Stadt machten aber klar, dass die Wettkampfstrecke möglicherweise nicht mehr ausreichend geflutet werden könne, wenn die Wassermenge am Lech noch weiter zurückgehe. Garantieren könne keiner, dass die Wettkämpfe stattfinden, sagte Weber.

Die Stadt greift deshalb zu Notfallmaßnahmen, die die WM in der kommenden Woche doch noch sichern sollen. Am Dienstag wurde bereits damit begonnen, eine provisorische Betonwand in den Nebenarm des Eiskanals einzusetzen. »Sie bauen gerade eine Konstruktion, die das Wasser etwas anstauen soll. Auch die Nebenstrecke vom Kanal ist seit gestern dicht«, sagte der in Augsburg trainierende Olympia-Bronzemedaillengewinner von Tokio, Sideris Tasiadis , dem SPIEGEL.

»Das Gefühl vom Eiskanal fehlt. Aber wir können es nicht ändern«

»Aktuell können wir höchstens ein bisschen auf ruhigem Wasser oberhalb der Schleuse trainieren. Dort hängen zumindest eine Handvoll Tore.« Sonst könnten die Sportler nur in den Kraftraum gehen. Ein Wildwassertraining ersetzt das aber längst nicht, sagte Tasiadis. »Das Gefühl vom Eiskanal fehlt. Aber wir können es nicht ändern.« Unklar sei zudem, ob mit dem aufgestauten Wasser sich die Strömung im Kanal verändert. Am Nachmittag sollte es demnach eine Testfahrt geben.

Die Stadt hofft, dass ab diesem Donnerstag wieder auf dem Eiskanal trainiert werden kann. Markus Haller, der Leiter der Wasserbauabteilung im Augsburger Tiefbauamt, erklärte allerdings auch, dass man mit »Tricksereien« wie der Betonwand nicht mehr weiterkomme, wenn noch weniger Wasser komme. So gering wie derzeit seien die Wassermengen im Lech seit Jahrzehnten nicht, sagte er. Die Stadt betonte, dass sie nicht alles Wasser in die Kanustrecke ableiten könne, weil auch die Natur in den anderen Bächen der Stadt geschützt werden müssten.

Bei den Olympischen Spielen in Tokio 2021 hatten die Slalomkanuten mit vier Medaillen aus vier Wettbewerben zu den deutschen Erfolgsgaranten gehört. Ricarda Funk hatte Deutschland im Kajak-Einer sogar das erste Olympiagold beschert. Danach folgten dreimal Bronze für Tasiadis, Andrea Herzog (beide Canadier) und Hannes Aigner (Kajak).

Die Strecke am Augsburger Eiskanal war einst für die Olympiapremiere von Kanuslalom bei den Olympischen Sommerspielen in München 1972 gebaut worden. Sie war damals die erste künstlich angelegte Strecke weltweit. Zuletzt war sie wegen der anstehenden Weltmeisterschaft für etwa 21 Millionen Euro modernisiert worden.

ara/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.