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18. Februar 2005, 18:09 Uhr

Ackermann-Interview

"Daran werde ich mich ewig erinnern"

Er sorgte für einen historischen Tag im Lager der deutschen Kombinierer: Ronny Ackermann, der alte und neue Weltmeister. Im Interview spricht der 27-Jährige, der nach dem Springen noch auf Platz 10 gelegen hatte, über seine Erfolgstaktik und das Gefühl, vor eigenem Publikum zu siegen.

Weltmeister Ackermann: "Plötzlich war ich vorn"
REUTERS

Weltmeister Ackermann: "Plötzlich war ich vorn"

Frage

Herr Ackermann, von Platz 10 nach dem Springen auf Platz 1, Titel verteidigt, wie fühlt man sich als alter und neuer Weltmeister?

Ackermann: Das ist der verrückteste Tag in meinem Leben. Das Größte, was ich wohl je erleben werde. Weltmeister bei einer Heim-WM vor so vielen Leuten, daran werde ich mich ewig erinnern.

Frage: Am Ende waren Sie mit Felix Gottwald und Björn Kircheisen gemeinsam vorn. Was hat den Ausschlag zu Ihren Gunsten gegeben?

Ackermann: Ich hatte eine Supertaktik und am Ende noch die Kraft, sie umzusetzen. Ich wollte an der letzten Abfahrt attackieren, aus dem Windschatten heraus. Dann war ich plötzlich vorn. Und dann gibt es nur noch eins: Hacken, was das Zeug hält, und hoffen, dass die rote Ziellinie möglichst schnell kommt.

Frage: Nach dem Springen lagen Sie nur auf Platz 10. Glaubten Sie in diesem Moment noch an den Sieg?

Ackermann: Nach dem Springen war ich ziemlich fertig. Es hat enorme Nerven und Konzentration gekostet. Ich habe mich nicht gut gefühlt und mir nicht mehr viel zugetraut. Aber auf der Strecke ging es von Meter zu Meter besser. Ich hatte superschnelle Ski. Und am Beginn der letzten Runde hab ich mir gesagt: Du hast es drauf, jetzt kannst du auch Weltmeister werden. So ist es zum Glück auch gekommen.

Frage: Das Tempo im Rennen war sehr unterschiedlich. Sie haben immer wieder mit den anderen geredet und sie aufgefordert auch die Führung zu übernehmen.

Ackermann: Einer musste doch die Sache organisieren. Es hat manchmal nur so ausgeschaut, als ob es langsam war. Gerade die Attacken am Berg gingen unwahrscheinlich in die Oberschenkel. Ich finde, es ist alles gerecht abgelaufen und keiner hat sich vor der Führungsarbeit gedrückt.

Frage: Wird heute Abend gefeiert?

Ackermann: Das war ein Riesentag für uns. Klar, dass wir da ein bisschen feiern, aber die Trainer und Techniker werden unser Zeug mittrinken. Die haben es verdient. Die sollen ruhig richtig Gas geben.

Die Fragen stellte Peter Stracke, sid

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