Drohende Dopingaffäre 65 Verdachtsfälle im Biathlon - IBU-Präsident tritt zurück

Ein Verdacht erschüttert den Biathlonsport: Gleich 65-mal soll der Weltverband bei Dopingfällen weggesehen haben. Der Präsident lässt sein Amt ruhen. Auch in Deutschland hat es Hausdurchsuchungen gegeben.
Anders Besseberg

Anders Besseberg

Foto: imago/Eibner Europa

Dem Biathlon droht ein großer Dopingskandal. Dem Weltverband IBU wird vorgeworfen, seit 2011 insgesamt 65 Dopingfälle vertuscht zu haben. Dies berichten die norwegische Zeitung "Verdens Gang" und der Fernsehsender NRK unter Berufung auf Ermittlerkreise. IBU-Präsident Anders Besseberg, der im Mittelpunkt der Ermittlungen steht, bestätigte zwar nicht die Zahl, allerdings die im Raum stehenden Vorwürfe.

Im Zuge der Ermittlungen hat es auch in Deutschland Hausdurchsuchungen gegeben. Das teilte die österreichische Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) in Wien mit.

Am Mittwoch war bekanntgeworden, dass das österreichische Bundeskriminalamt gegen zwei Top-Funktionäre des Biathlon-Weltverbands IBU ermittelt. Demnach habe es am Dienstag Razzien in den Räumen des Weltverbands in Salzburg und dem Wohnsitz des Präsidenten Besseberg in Norwegen gegeben.

Im Blickpunkt: die Biathlon-WM 2017 in Hochfilzen

Es gehe um Doping, schweren Betrug und Geschenkannahme, teilte die WKStA mit. Im Blickpunkt steht demnach vor allem die Biathlon-WM 2017 in Hochfilzen, der Tatzeitraum reiche aber bis 2012 zurück. Zentrale Figuren seien neben IBU-Präsident Besseberg und der deutschen Generalsekretärin Nicole Resch vor allem Betreuer und Sportler des russischen Teams.

Ob auch andere deutsche Funktionäre oder Athleten ermittelt wird, ist nicht bekannt. Ein Sprecher des Deutschen Skiverbandes (DSV) teilte mit, es lägen "keine weiteren Erkenntnisse vor, die über die offiziellen Presseverlautbarungen hinausgehen. Demzufolge haben wir auch keinerlei Erkenntnis zu möglichen Hausdurchsuchungen in Deutschland, gehen aber davon aus, dass diese in unmittelbarem Zusammenhang mit den bereits vor zwei Tagen bekanntgewordenen Untersuchungen stattgefunden haben."

Konkret wird der IBU vorgeworfen, nicht angemessen auf Doping-Verdachtsfälle reagiert zu haben. Stattdessen sollen laut WKStA Bestechungsgelder in Höhe von 300.000 Dollar (rund 242.000 Euro) versprochen oder auch angenommen worden sein. An durch Doping "erschwindelten Preisgeldern" seien rund 35.000 Euro zusammengekommen.

"Wir haben absolut im Einklang mit den Richtlinien gehandelt"

IBU-Präsident Besseberg hat angekündigt, sein Amt für die Dauer der Untersuchungen ruhen zu lassen. Zur Vorstandswahl im September werde er wie bereits angekündigt nicht wieder antreten. Der 72-Jährige ist bereits seit 1992 IBU-Chef. Auch Generalsekretärin Resch hatte am Mittwoch um Freistellung gebeten und wurde nun vorläufig suspendiert.

Besseberg wies den Vorwurf einer Vertuschung zurück. "Ich denke, wir haben absolut im Einklang mit den Richtlinien gehandelt", sagte der Norweger, einst selbst Biathlet, dem Fernsehsender NRK. Seine Ergänzung lässt Raum für Spekulationen: "Aber ich kann nicht sagen, ob die Ermittler das genauso sehen." Dass er von russischer Seite Geld bekommen habe, "um Dopingproben zu vertuschen, das kann ich klar und deutlich verneinen", sagte er zudem. Auch Resch beteuert, weder Dopingfälle vertuscht, noch in Zusammenhang damit Gelder angenommen zu haben.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) reagierte zurückhaltend und drückte sein "vollstes Vertrauen in die ermittelnden Behörden" aus. Diese beschlagnahmten bereits am Dienstag Telefone, Computer und Dokumente von Besseberg.

ngo/mon/dpa/sid
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