Biathlon-Gold Deutsche Staffel läuft allen davon

Die deutschen Biathleten waren in der Staffel nicht zu schlagen. Mit einer überzeugenden Vorstellung sicherten sie sich Gold. Die österreichischen Athleten, die im Mittelpunkt einer Doping-Affäre stehen, erlebten ein Debakel.


Cesana San Sicario - "Es war eine harte Schlacht und eine prima kämpferische Leistung. Ein Riesenkompliment an die Jungs", sagte Bundestrainer Frank Ullrich. "Ich muss wirklich den Hut ziehen. Heute Abend wird gefeiert bis zum Abwinken", so Ullrich.

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Biathlon-Staffel: Deutsche Gold-Mischung

Das Quartett mit Ricco Groß, Michael Rösch, Sven Fischer und Michael Greis als Schlussläufer siegte in der Loipe von Cesana San Sicario mit einem Vorsprung von 20,9 Sekunden vor Russland. Bronze ging an Frankreich, das sich hauchdünn gegen Schweden durchsetzte. Mitfavorit Norwegen landete auf einem enttäuschenden fünften Platz. Für die deutsche Staffel war es der vierte Erfolg bei Winterspielen nach 1992, 1994 und 1998.

Schlussläufer Greis musste nur noch den Vorsprung verteidigen, den Groß, Rösch und Fischer herausgelaufen hatten. Vor allem Rösch zeigte eine überragende Leistung auf der Strecke und eine perfekte Vorstellung am Schießstand. "Ich war noch nie so nervös gewesen wie heute. Ich bin am Morgen hin- und hergerannt und habe lauter sinnlose Sachen gemacht", erklärte Rösch. Dagegen zeigte der 34 Jahre alte Fischer ungeahnte Schwächen am Schießstand und kassierte als einziger eine Strafrunde. Die Konkurrenz hatte dennoch keine Chance.

Für Groß und Fischer war es jeweils die insgesamt vierte olympische Goldmedaille. Groß ist mit viermal Gold, dreimal Silber und einmal Bronze in der Rangliste der erfolgreichsten deutschen Olympioniken die Nummer zwei hinter Eisschnellläuferin Claudia Pechstein. Die Berlinerin hatte in Turin in der Teamverfolgung ihr fünftes Olympiagold gewonnen und ihr Konto damit auf fünf Gold, ein Silber und zwei Bronze ausgebaut. Dritter im Ranking ist nach seinem zweiten Turin-Triumph Sven Fischer mit vier Gold, zwei Silber und einmal Bronze.

"Es ist einfach nur klasse. Ich wollte nicht leer ausgehen. Es ist toll, mit dem Höchsten belohnt zu werden, was man kriegen kann", sagte Groß, der in Turin vorher nicht in die Medaillenränge laufen konnte. Bereits vor der abendlichen Medaillenzeremonie in Turin bekam er für seine vier Goldmedaillen bei Olympischen Spielen von Biathlon-Legende Alexander Tichonow eine goldene Ehrennadel mit Brillanten überreicht. Für die unverhoffte Ehrung bedankte sich der deutsche Biathlet auf Russisch.

Österreichische Athleten mit historischer Pleite

Das deutsche Biathlon-Lager sammelte in Turin bereits die vierte Goldmedaille im siebten Wettbewerb ein. Zuvor hatten Michael Greis die 20 Kilometer, Sven Fischer den 10 Kilometer-Sprint sowie Kati Wilhelm die 10 Kilometer Verfolgung gewonnen. Insgesamt holten die deutschen Skijäger schon sieben Mal Edelmetall in der Höhe von San Sicario.

Die wegen Dopingvorwürfen in der Öffentlichkeit stehenden österreichischen Athleten landeten mit einem Rückstand von 6:34,90 Minuten nur dem 17. und somit letzten Rang - das schlechteste Staffel-Ergebnis für Österreich in der Olympiageschichte. In der Nacht zum Sonntag war bei den vier verbliebenen Biathleten Daniel Mesotitsch, Christoph Sumann, Jürgen Pinter und Ludwig Gredler wie auch bei den Langläufern eine Doping-Razzia durchgeführt worden.

pav/sid/dpa

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