Biathlon-WM in Antholz Alte Hasen, junge Wilde, Außenseiter - das sind die Medaillenkandidaten

Norwegen und Frankreich dominierten diese Saison den Biathlon-Weltcup der Männer. Räumen Johannes Bø, Martin Fourcade und Co. auch bei der WM ab? Es gibt auch ein paar Geheimtipps.
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In Antholz, Südtirol, findet vom 13. bis 23. Februar die Biathlon-Weltmeisterschaft statt. Auf diese Sportler und Sportlerinnen sollten Sie in den kommenden Tagen achten.

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Tiril Eckhoff, 29, dominiert das Feld bei den Frauen ähnlich wie ihr norwegischer Landsmann Johannes Thingnes Bø das der Männer. Bei der Gesamtweltcup-Führenden passt das Paket wie bei keiner anderen: Sie ist herausragend schnell in der Loipe und mit 84 Prozent Trefferquote inzwischen auch eine starke Schützin. Allein in diesem Winter bejubelte sie sechs Weltcupsiege in den Einzelrennen und vier mit der Staffel. Für Staffel-Gold scheint das norwegische Team ohnehin gesetzt. Mit Ingrid Landmark Tandrevold (6.) und Marte Olsbu Röiseland (7.) hat Eckhoff weitere Weltklasse-Biathletinnen in den eigenen Reihen.

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Sie ist Eckhoffs gefährlichste Widersacherin - und kann in Südtirol auf den Heimvorteil setzen: Dorothea Wierer, geboren 1990 im Antholzer Tal. Der Druck ist ihr ebenso sicher wie die Unterstützung der Zuschauer. Das könnte eine emotionale Angelegenheit werden. Allein die Frühjahrsform schien zuletzt noch nicht zu stimmen. Bei den Weltcups im Januar blieb sie ohne Erfolg und hinter den Erwartungen. Wierer selbst scheint dennoch optimistisch. Einem Südtiroler Nachrichtenportal  sagte sie, was sie tun würde, wenn es mit Gold klappt. "Wenn ich einen Weltmeistertitel hole, verzichte ich einen Monat lang auf Schokolade." Wenn es nicht klappt, hat sie die immerhin noch zum Trost.

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Neben all den Erfahrenen ist sie das Küken in der Weltspitze: Hanna Öberg ist erst 24 Jahre alt. Doch obwohl ihr die Erfahrung fehlt, ist die Schwedin in diesem Winter konstant in den Toprängen zu finden. Das beschert ihr aktuell Platz drei im Gesamtweltcup und mit ihren Fähigkeiten am Schießstand gute Chancen bei der Weltmeisterschaft. Der Druck zum großen Erfolg liegt bei der Konkurrenz, und vom Typ her geht Öberg ohnehin unbekümmert in ihre Rennen. Dazu scheint der Formaufbau Richtung Saisonhöhepunkt geklappt zu haben. Bei der WM-Generalprobe in Pokljuka gab es in den Einzelrennen einen ersten und einen zweiten Platz.

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Sie ist die Grande Dame des Starterfelds: Kaisa Mäkäräinen ist inzwischen 37 Jahre alt, aber zählt noch immer zur Weltklasse. Zumindest, wenn ihr Körper mitspielt. In diesem Winter wurde die Finnin mehrmals von Erkältungen ausgebremst. Was möglich ist, wenn sie in Form ist, zeigte ihr Sieg im Massenstart von Oberhof Anfang des Jahres. Ihre Schwäche am Schießstand könnte ihr in Antholz allerdings zum Verhängnis werden. Im Stehen verfehlt sie jeden vierten Schuss, und in Südtirol steht eine der schwierigeren Anlagen. Andererseits: Wenn es schwierig wird, kann sie wie keine sonst im Feld auf ihre Erfahrung setzen.

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Auf ihr ruht aus deutscher Sicht alle Hoffnung: Denise Herrmann, 31, ist im Frauenteam die einzige Kandidatin auf eine Medaille. Zwei Podestplätze und überwiegend Top-Ten-Ergebnisse haben ihr in ihrer erst vierten Biathlonsaison im Gesamtweltcup bislang den vierten Platz beschert. In der Loipe hat die ehemalige Langlaufspezialistin schon manchen Schießfehler wettmachen können. In Antholz spricht das für und gegen sie: Die Strecke in 1600 Metern Höhe kommt ihr entgegen, der windanfällige Schießstand eher weniger. Pluspunkt: Bei der WM-Generalprobe in Pokljuka gewann sie das Einzel - und traf erstmals in ihrer Karriere alle 20 Scheiben.

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Eine ungewöhnliche Kandidatin, aber ein Geheimtipp: Markéta Davidová aus Tschechien. Warum? Im Weltcup mag die 23-Jährige eher zum Mittelfeld gehören, aber die Anlage in Antholz liegt ihr wie sonst wohl nur den Südtirolern. Vor einem Jahr holte die Juniorenweltmeisterin von 2018 hier im Sprint ihren ersten Weltcupsieg. Wenige Tage später folgte der zweite Platz im Massenstart. Mit dem berühmten Quäntchen Glück könnte Davidová auch bei den Weltmeisterschaften in den Kampf um die Medaillen eingreifen - zumal die junge Tschechin nicht dem Druck der Erwartungen ausgesetzt ist.

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Bei den Männern sind die Verhältnisse einseitiger: Die Sportler aus Norwegen und Frankreich dominieren klar. Trotzdem gibt es Kandidaten, die an einem guten Tag dazwischengrätschen könnten.

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Der Dritte des Gesamtweltcups ist der Mann, den es zu schlagen gilt: Johannes Thingnes Bø, 26, geht in jedes Rennen als Favorit, verkörpert in der Loipe wie am Schießstand Weltklasse, ist aber auf den Brettern so schnell, dass er selbst mit einem Fehler schwer zu schlagen ist. Die sechs Saisonsiege des Norwegers sind der Spitzenwert. Hätte Bø die Weltcups in Oberhof und Ruhpolding nicht aufgrund der Geburt seines Sohnes abgesagt, er wäre wohl als Gesamtführender nach Südtirol gefahren. So reist er aber wohl gut erholt zur Weltmeisterschaft.

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Über Jahre hinweg war Martin Fourcade, 31, der dominierende Biathlet. Siebenmal gewann er den Gesamtweltcup - und nach einem schwachen Vorjahr, als der Franzose die Saison als Gesamtzwölfter und ohne eine WM-Medaille beendete, ist Fourcade zurück in Topform. Während Bøs Abwesenheit zum Jahresbeginn gewann er vier Weltcuprennen. Fourcade hat den Ehrgeiz und die Routine, unter Druck zu bestehen – aber dem überragenden Bø gegenüber inzwischen kleine läuferische Nachteile.

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Quentin Fillon Maillet, 27, ist die Nummer zwei im starken Team der Franzosen - und im Weltcup. Bei der Generalprobe zur WM, dem Massenstart von Pokljuka, düpierte Fillon Maillet die komplette Weltelite und lief zu seinem ersten Saisonsieg. Ein Ausrutscher war das keineswegs: Insgesamt landete Fillon Maillet in diesem Winter bereits sechsmal auf dem Podium. Sollten die beiden großen Favoriten schwächeln, ist der laufstarke Franzose wohl der Athlet, der am ehesten in die Lücke stoßen könnte.

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Neunmal wurde Tarjei Bø, 31, bereits Weltmeister - sein letzter Einzeltitel ist allerdings bereits sieben Jahre her, in Nové Město gewann der Norweger 2013 den Massenstart. Inzwischen ist der große Bruder von Johannes niemand, der Laufbestzeiten setzt oder der Konkurrenz am Schießstand den Rhythmus diktiert. Wohl aber gehört Bø zu den konstantesten Athleten im Weltcup: Zehnmal platzierte er sich bereits in den Top Ten in dieser Saison, einzig Martin Fourcade (zwölfmal) war häufiger vorn dabei. Für eine Silber- oder Bronzemedaille ist Tarjei Bø nach wie vor gut.

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Ein Erfolg von ihm dürfte wohl wieder für Diskussionen sorgen: Alexander Loginow, 27, aktuell im Gesamtweltcup Sechster. Einer der wenigen, die wohl Chancen haben, die norwegisch-französische Phalanx zu durchbrechen. Das Problem für viele: Der Russe ist überführter Doper, hat bereits eine Sperre wegen EPO-Dopings absitzen müssen. Vor allem mit Martin Fourcade gab das in der Vergangenheit immer wieder Ärger auf Siegerehrungen und in Interviews.

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Zugegeben, der eine oder andere Norweger und Franzose liegt im Gesamtweltcup vor Jakov Fak. Aber: Der gebürtige Kroate, der für Slowenien startet, ist immer für eine Überraschung bei Großereignissen gut. Zweimal wurde Fak bereits Weltmeister. Drei weitere WM-Medaillen und zweimal Edelmetall bei Olympischen Spielen, zuletzt 2018 als Zweiter im Einzel in Pyeongchang, schmücken eine bemerkenswerte Karriere. Ein vierter und ein fünfter Platz sind Faks beste Platzierungen in diesem Weltcup-Winter - vielleicht hat er sich die Podestplatzierungen wieder einmal für den Saisonhöhepunkt aufgespart.

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