Biathlon-WM Björndalen siegt und behält Gold, Wilhelm holt Silber

Erfolgreicher Protest: Der Norweger Ole Einar Björndalen erhält nun doch die Goldmedaille im WM-Jagdrennen. Zuvor hatte der siegreiche Biathlet wegen einer Streckenabkürzung nachträglich eine Zeitstrafe erhalten. Bei den Frauen konnte sich Kati Wilhelm über Silber freuen.


Pyeongchang - Ole Einar Björndalen hat nach seinem Triumph im Sprint auch das Verfolgungsrennen über 12,5 Kilometer bei der Biathlon-WM in Pyeongchang gewonnen, musste aber lange um die Goldmedaille zittern. Wegen Verlassens der Strecke war er von der Jury nach dem Rennen mit einer Zeitstrafe von 60 Sekunden belegt worden und auf Rang drei zurückgefallen. Gegen diese Entscheidung legten die Norweger sowie weitere Teams umgehend einen Protest ein und hatten Erfolg. So bleibt Maxim Tschudow (Russland) Zweiter vor dem Norweger Alexander Os.

Sieger Björndalen: Falsch abgebogen
AFP

Sieger Björndalen: Falsch abgebogen

Björndalen und sein Teamkollege Lars Berger hatten kurz nach dem Start einen falschen Weg genommen, weitere Athleten folgten, bevor die Organisatoren eingriffen und einen Streckenposten abstellten. Die Jury beriet nach dem Rennen über eine Stunde über diesen Vorfall, sogar eine Disqualifikation der betroffenen Sportler stand zur Diskussion.

"Wir haben uns darauf geeinigt, allen Falschläufern eine Zeitstrafe von einer Minute aufzuerlegen", hatte ein Mitglied der Jury nach Auswertung der Fernsehbilder gesagt. Eigentlich sieht das Regelwerk für den Fall, dass die Strecke um mehr als fünf Meter verlassen wird, die Disqualifikation vor. "Das erschien uns für zu hart, deshalb haben wir uns dafür entschieden, die geringstmögliche Strafe anzuwenden, und das ist eine Minute", so das Jurymitglied im ZDF.

"Wie die Leitkuh, und alle hinterher", sagte Rösch, der ebenfalls zu den Falschläufern gehörte und daher vom neunten auf den 16. Rang zurückfiel. Bester Deutscher war damit für ein paar Stunden Michael Greis. Nun ist Rösch wieder Neunter, Greis, der richtig gelaufen war, rutscht wieder auf den 13. Rang zurück.

Tschudow, der sich für ein paar Stunden als Weltmeister fühlen durfte, sorgte unterdessen mit Aussagen in seinem Internet-Blog für Ärger im Lager des DSV-Teams: "Klar macht man sich Gedanken, wenn Maxim Tschudow auf seiner Homepage schreibt, die Deutschen sind nicht nur wegen ihrer Würstchen gut. Man hat schon das Gefühl, dass sie vielleicht gar nicht unbedingt leugnen, dass da etwas mit falschen Mitteln gemacht wird. Das ist natürlich schon irgendwie harter Tobak", sagte Wilhelm.

Gold beim letzten Schießen vergeben

Nach der Goldmedaille im Sprint hatte Wilhelm Silber in der Verfolgung über zehn Kilometer gewonnen und dem deutschen Team die dritte Medaille beschert. Es siegte die Schwedin Helena Jonsson. Bronze ging an Olga Zaisewa aus Russland.

"Es war ein hartes Rennen und kurios, es sind viele Fehler geschossen worden." sagte Wilhelm, die als Sprint-Weltmeisterin von gestern zuerst auf die Strecke ging und sich gleich beim ersten Schießen einen Fehler leistete. Die zweitplazierte Simone Hauswald verfehlte zwei Scheiben. Fehlerfrei blieb dagegen Zaitseva, die als Dritte in das Rennen gegangen war, und die Führung übernahm. Magdalena Neuner, die im Sprint Rang acht belegt hatte, schob sich auf Rang vier vor.

Nach dem zweiten Schießen im Liegen gab es erneute Positionswechsel. Zaisewa schoss dreimal daneben, Wilhelm einmal. Sie übernahm erst einmal die Führung vor Neuner, die ebenfalls eine Strafrunde drehen musste. Hauswald ließ zwei Scheiben stehen und fiel aus den Medaillenrängen.

Bei starkem Wind verpasste Wilhelm dann beim dritten Schießen drei Scheiben und fiel auf Rang drei hinter Zaisewa und Neuner zurück. Die Russin verfehlte einmal das Ziel, Neuner zweimal. Beim letzten Schießen dann die Entscheidung: Neuner zeigte wieder Schwächen, verbuchte vier Fehler, Zaisewa schoss zweimal daneben, Wilhelm musste eine Strafrunde drehen. Davon profitierte Jonsson, die als Fünfte gestartet war, sich aber bei 20 Schüssen nur zwei Fehler leistete.

Zweitbeste Deutsche war Martina Beck, die Sechste wurde. Neuner stürzte auf dem letzten Laufabschnitt und fiel auf Rang elf zurück, Hauswald beendete den Lauf auf dem zwölften Platz.

Henkel nach Regelverstoß disqualifiziert

Andrea Henkel durfte unterdessen erst gar nicht zur zweiten Entscheidung antreten. Die Titelverteidigerin wurde wegen eines schweren Regelverstoßes disqualifiziert. Henkel hatte beim sogenannten Trockentraining mit ihrem Gewehr eine Patrone in der Waffe, die sich beim Üben des Ablaufes löste. Glücklicherweise wurde durch den Schuss niemand getroffen und verletzt. Das Projektil schlug in der Wand des Übungsraumes ein. Entsprechend des Regelwerkes der Internationalen Biathlon-Union (Ibu) wurde Henkel aber mit dem Ausschluss aus dem Rennen bestraft.

mti/sid/dpa



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