Biathlon-WM Henkel gewinnt Gold, Männer gehen leer aus

Ein Titel zum Auftakt: Bei der Biathlon-WM im schwedischen Östersund triumphierte Andrea Henkel im Sprint über 7,5 Kilometer. Ihre deutschen Teamkolleginnen enttäuschten dagegen genauso wie die deutschen Männer.


Hamburg - Für Henkel war es der vierte Titelgewinn bei ihrer zehnten WM-Teilnahme. Die 31-Jährige siegte mit 12,7 Sekunden Vorsprung auf die zweitplatzierte Albina Achatowa aus Russland. Bronze holte die Ukrainerin Oxana Chwostenko mit einem Rückstand von 23,2 Sekunden. "Besser hätte ich es nicht machen können. Ich bin am Limit gelaufen und habe Null geschossen, genau so wie ich es mir vorgenommen hatte", sagte Henkel, der dank des fehlerfreien Schießens die fünfbeste Laufleistung zum Triumph reichte.

Biathletin Henkel: Gold im Sprint
DPA

Biathletin Henkel: Gold im Sprint

Titelverteidigerin Magdalena Neuner enttäuschte dagegen: Sie leistete sich an ihrem 21. Geburtstag vier Fehler im stehenden Schießen und landete nur auf Rang 17. Beste Deutsche hinter Henkel war Kathrin Hitzer auf Platz zwölf, Martina Glagow wurde 14., Kati Wilhelm kam mit 1:18,2 Minuten Rückstand auf Platz 21. Aufgrund des großen Abstandes verlor sie zudem die Führung in der Weltcup-Gesamtwertung an Henkel, die für den ersten großen Sprint-Erfolg ihrer Karriere (außerdem zwei Siege über 15 Kilometer und einmal Staffel-Gold) 25.000 Euro Preisgeld kassiert. Damit startet die Thüringerin jetzt auch als Favoritin in das morgige Jagdrennen (12 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Enttäuschung war dagegen bei Neuner angesagt: "Ich habe versucht, alles richtig zu machen. Und dann hat überhaupt nichts geklappt. So hatte ich mir meinen Geburtstag nicht vorgestellt. Das tut richtig weh", so Neuner. Die Sportlerin des Jahres lag zunächst klar auf Goldkurs, schoss liegend fehlerfrei und war in ihrer Wackeldisziplin stehend ein Nervenbündel. "Ich habe keinen Rhythmus gefunden, keine Ruhe. Alles reine Kopfsache", sagte Neuner.

Bundestrainer Uwe Müssiggang nahm seinen Schützling in Schutz: "Lena braucht solche Erfahrungen. Sie lernt immer noch. So schnell geht das im Biathlon nicht. Bis Vancouver 2010 ist noch Zeit. Sie wird aus solchen Niederlagen gestärkt herausgehen. Sie darf nur nicht verkrampfen. Zurzeit hat sie ja richtig Angst vor dem Stehendschießen."

Den Coach ärgerte vor allem, dass sich bis auf Henkel alle deutschen Mitfavoriten durch ungewöhnlich viele Schießfehler "gleich noch unnötig unter Druck für das nächste Rennen gesetzt haben". Das traf vor allem auf die mit Goldhoffnungen angetretene Wilhelm zu, die gleich die beiden ersten Schüsse verpatzte. " Der Wind hier wechselt ständig, da habe ich keine Einstellung gefunden", sagte Wilhelm.

Den Männersprint gewann Maxim Tschudow vor den beiden Norwegern Halvard Hanevold und Titelverteidiger Ole Einar Björndalen. Michael Rösch, der erst vier Stunden vor dem Rennen für den erkälteten Greis eingesprungen war, verpasste die mögliche Medaille als Fünfter um 13,5 Sekunden. Daniel Graf und Andreas Birnbacher liefen als 7. und 8. unter die Top Ten.

"Ich wollte den Michi würdig vertreten. Das ist gelungen. Auch wenn ich mich im Nachhinein über den einen Schießfehler ärgere. Der hat mich die Medaille gekostet", sagte Rösch. Am Morgen entschied sich Greis nach einer Jogging-Runde zum Startverzicht.

hut/sid/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.