Biathlon-WM Medaillen statt Maskottchen im Gepäck

Rechtzeitig zum Start der Biathlon-Weltmeisterschaft im russischen Chanty-Mansijsk ist die deutsche Mannschaft stark wie selten. Magdalena Neuner und Michael Greis haben Medaillengewinne fest im Visier. Auch die strengen Minusgrade in Sibirien schrecken den DSV nicht.

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Magdalena Neuner ist mehrfache Sportlerin des Jahres in Deutschland, sie ist Doppel-Olympiasiegerin, Werbe-Millionärin - aber ihre Gepäcktasche vor Großereignissen lässt sich die 24-Jährige noch von ihrer Mutter packen wie ein Teenager vorm Klassenausflug. Vor der Weltmeisterschaft im russischen Chanty Mansijsk, die am Donnerstag beginnt und bis zum 13. März andauert, ist das allerdings ein klein bisschen schief gegangen: Das Maskottchen hat die Reise nicht mitgemacht, die Mutter hat es einfach nicht eingepackt. Neuner dürfte allerdings in der Form dieser Saison sich auch davon nicht abhalten lassen, ihre bisherigen WM-Bilanz von sieben Goldmedaillen aufzustocken.

Die Deutsche, von einer fiebrigen Magen-Darm-Grippe rechtzeitig gesundet, gehört wie selbstverständlich zum engsten Favoritinnenkreis bei diesen Titelkämpfen. Schon am Eröffnungstag soll bei der Mixed-Staffel der nächste WM-Erfolg dazukommen. Gemeinsam mit Michael Greis, Andrea Henkel und Arnd Peiffer geht Neuner auf die Strecke - alles andere als ein Podestplatz wäre für dieses Quartett eine herbe Enttäuschung.

Mit diesen vier Namen sind auch die Medaillenanwärter des DSV genannt. Neben Neuner absolviert auch Andrea Henkel bislang einen formidablen Wettkampfwinter. Auch sie hat zwar schon sechs WM-Medaillen in ihrer Laufbahn geholt, dennoch ist 2010/2011 vielleicht die stärkste Saison ihrer Karriere. Die 33-Jährige führt den Gesamtweltcup an, ist in diesem Winter extrem stabil in ihrer Leistung. Schwankungen in der Form, denen eine Magdalena Neuner öfter unterliegt, gibt es bei Henkel derzeit fast nicht. Entsprechend sind ihre Ziele: "Ich hätte gerne eine Einzel-Medaille. Und auch eine in der Staffel. Im Mixed wäre es toll, wenn es mit Gold klappen würde." Für übertriebene Bescheidenheit gibt es keinen Anlass.

Biathleten bleiben die Vorzeige-Wintersportler

Die Biathleten sind unter Chetrainer Uwe Müssiggang, der in diesem Winter erstmals die Verantwortung für Frauen und Männer trägt, mehr denn je die Vorzeige-Wintersportler in Deutschland. In der olympischen Vorsaison hatten die Männer geschwächelt. Die Umstrukturierung im Trainerstab hat ihnen extrem gut getan. Michael Greis wirkt auch mit 34 Jahren bei seiner achten WM-Teilnahme wieder hoch motiviert. "Wer in Russland Weltmeister werden will, der muss erstmal Greis schlagen", sagt Biathlon-Legende Fritz Fischer, mittlerweile im Herren-Trainerteam fest eingebunden.

Mit Arnd Peiffer verfügt der DSV zudem über einen zweiten Siegläufer. Auch der 23-Jährige hat in diesem Winter mit einem Weltcuperfolg Selbstvertrauen gesammelt. Er ist vor allem auf den Sprintstrecken gesetzt.

Was nicht heißt, dass die deutschen Männer Medaillengarantie mitbringen. Der Favoritenkreis ist groß. Vor allen anderen präsentieren sich die Norweger in diesem Winter in bestechender Verfassung. Der Weltcupführende Tarje Bö, Emil Hegle Svendsen und die Biathlon-Lichtgestalt Ole Einar Björndalen können alles gewinnen. In der Männerstaffel, dem Highlight jedes Biathlon-Events, führt der Weg über Gold wohl nur über die Skandinavier. Wenn die Norweger allerdings einen schussschwachen Tag erwischen, dann ist die Chance für die Konkurrenz da, und darauf spekuliert insgeheim auch das DSV-Quartett.

Stoppen lassen wollen sich die Müssiggang-Schützlinge auch nicht von den arktischen Temperaturen, die die Aktiven in Westsibirien erwarten. In dem Ort, 2000 Kilometer von Moskau entfernt gelegen, herrschen um diese Märzzeit Werte von bis zu 20 Grad minus. Die WM machte schon einmal vor acht Jahren Station in der 75.000-Einwohner-Stadt. Damals triumphierte die deutsche Herren-Staffel, Ricco Groß holte Gold im Verfolgungsrennen, und Martina Glagow gewann den Wettkampf über die zehn Kilometer in der Verfolgung.

Dreimal Gold gab es also damals, der DSV war die erfolgreichste Nation der Titelkämpfe. Für Neuner und Co. Auftrag und Verpflichtung, es den Vorgängern gleichzutun. Mindestens vier Medaillen hat Neuner als eigenes Ziel für Chanty Mansijsk ausgegeben. Hoffentlich vergisst die erfolgreichste deutsche Biathletin nicht, sie anschließend einzupacken.

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