Blech statt Edelmetall Debakel für Pechstein und Friesinger

Die sicher geglaubte Medaille beim Eisschnelllauf der Damen ist ausgeblieben. Sowohl Anni Friesinger als auch Claudia Pechstein enttäuschten über 3000 Meter. Gold und Silber gingen überraschend in die Niederlande, Favoritin Cindy Klassen muss sich mit Bronze zufrieden geben.


Turin - Blech für die beiden großen Olympia-Favoritinnen Friesinger und Pechstein, Gold für die niederländische Nachwuchshoffnung Ireen Wüst: Das olympische 3000-Meter-Finale der Eisschnellläuferinnen im Oval Lingotto von Turin endete mit einer Überraschung und einem deutschen Debakel.

Läuferin Pechstein: Frust über Platz fünf
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Läuferin Pechstein: Frust über Platz fünf

Friesinger wurde in 4:04,59 Vierte, Pechstein in 4:05,54 Fünfte - letztmals waren deutsche Läuferinnen bei den Olympischen Spielen 1972 in Sapporo über 3000 Meter ohne Medaille geblieben. "Es war von Runde zu Runde langsamer als ich dachte", sagte Friesinger der ARD: "Heute habe ich es irgendwie nicht auf die Reihe gekriegt. Platz vier ist halt blöd."

Die 19-jährige Wüst hatte in 4:02,43 Minuten eine Bestzeit vorgelegt, die der Rest des Feldes nicht knacken konnte. Wüst war nach der endgültigen Entscheidung fast sprachlos vor Glück. "Das kann doch alles gar nicht wahr sein, ich begreife nichts davon", sagte die 19-Jährige: "Die Zeit nach meinem Rennen bis zum Ende waren die längsten 20 Minuten meines Lebens." Weltrekordlerin Cindy Klassen konnte wenigstens noch die Bronzemedaille abgreifen. In 4:04,37 belegte die Kanadierin hinter Ireen Wüst und Renate Groenewold (Niederlande/4:03,48) den dritten Platz.

Daniela Anschütz-Thoms (Erfurt), die im direkten Duell mit Pechstein gut mitgehalten hatte, wurde in 4:06,89 Minuten Sechste. "Ich habe alles gegeben, aber ich war am Ende total blau, habe meine Arme und Beine kaum noch gespürt", sagte die 33-Jährige Pechstein. "Ein Schock ist es nicht, wenn die anderen schneller sind, kann man halt nichts machen."

Nach der eindrucksvollen Demonstration des "Oranje"-Teams stehen Pechstein und Friesinger nun gewaltig unter Druck. Angesichts des Gala-Auftritts der Konkurrenz ist der von den beiden deutschen Superstars angestrebte Einzelsieg keineswegs garantiert. Die erste Chance auf Revanche bekommen sie am Donnerstag, wenn die Entscheidung im Team-Wettbewerb ansteht.

mig/sid



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