Eklat um Annika Drazek Deutsche Bobfahrerin verweigert russischer Dopingsünderin den Handschlag

Nadeschda Sergejewa wurde bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang des Dopings überführt - jetzt darf sie wieder im Weltcup mitmischen. Die deutsche Bobfahrerin Annika Drazek hat die Russin nun deutlich kritisiert.

Annika Drazek (Archiv)
imago/ Ed Gar

Annika Drazek (Archiv)


Die deutsche Olympia-Vierte und Bob-Weltcupsiegerin Annika Drazek hat bei der Siegerehrung in Sigulda den Handschlag mit der russischen Dopingsünderin Nadeschda Sergejewa verweigert. Als einzige Athletin klatschte sie die zweitplatzierte russische Bobpilotin nicht ab und ging einfach vorbei.

Zwei Tage nach ihrem gemeinsamen Weltcupsieg beim Saisonauftakt in Lettland mit Olympiasiegerin und Zweierbob-Pilotin Mariama Jamanka erklärte die Anschieberin in der ARD ihre Vorgehensweise: "Der Grund ist eigentlich ganz einfach für mich: Wer dopt, ist für mich kein Athlet. Sie hat das zweimal getan, zuletzt bei den Olympischen Spielen. Das verdient von mir keinen Respekt", sagte Drazek.

In der A-Probe der Zwölftplatzierten des olympischen Zweierbob-Rennens war nach Angaben der Delegation der Olympischen Athleten aus Russland (OAR) das verbotene Stimulanzmittel Trimetazidin gefunden worden. Die Athletin hatte auf die Öffnung ihrer B-Probe verzichtet und die Olympischen Spiele in Pyeongchang verlassen. Nach einer neunmonatigen Sperre kehrte sie in den Weltcup zurück. Im März 2016 war bei Sergejewa bereits ein erhöhter Meldonium-Wert festgestellt worden. Da der Toleranzbereich nicht überschritten war, wurde sie für dieses Vergehen nicht gesperrt.

"Sie war positiv - und das zwei Mal"

Die Weltmeisterin von 2016 forderte zugleich einen anderen Umgang mit dem Thema Doping: "Sie macht sich anscheinend da keinen richtigen Kopf drüber beziehungsweise versucht, da irgendwie zu täuschen. (...) Das ist nicht die Art und Weise, wie wir damit umgehen sollten."

Für Drazek ist die Sache klar: "Sie war positiv - und das zwei Mal. Jetzt ist sie wieder hier, lacht mich an und fühlt sich wieder wie alle anderen."

mfu/dpa



insgesamt 65 Beiträge
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frietz 09.12.2018
1.
und was genau ist jetzt der Eklat? Dass die Russin nach 9 Monaten Sperre (über den Sommer mit keinen BOB-Wettkämpfen) wieder mitfahren darf? das würde ich so unterschreiben. Ich befürchte aber, dass dies mit der Überschrift nicht gemeint ist, sondern die sehr gute Aktion der deutschen Sportlerin.
kraftmeier2000 09.12.2018
2. Richtig so,
ich bin der Meinung, das Dopingsünder generell Lebenslang von Wettkämpfen ausgeschlossen gehören. Und von daher kann ich die Reaktion der Sportlerin nur Gutheißen, daran sollte man sich ein Beispiel nehmen. Denn diese Dopingsünder sind einfach nur Betrüger, und das Teilweise sogar mehrfach, und dürfen immer wieder starten, und das ist wie ein Schlag ins Gesicht eines jeden sauberen Sportlers.
onkel-ollo 09.12.2018
3. Wieso Eklat? Eher Charakterstärke.
Der Sportlerin zolle ich meinen Respekt. Wenn Doping nachgewiesen wurde, dann ist das ok. Ich bin viel mehr verwundert über so manche Verwunderung, daß jemand konsequent handelt. Muß ja nicht jeder vergesslich sein wie andere. Zum Beispiel in der Politik.
moe.dahool 09.12.2018
4. Falsche Überschrift
Formell mag der Begriff "Eklat" zutreffen, andererseits ist er negativ belegt. In diesem Fall hätte der Kontext der Überschrift durchaus wohlwollend formuliert werden können, was wiederum vermutlich weniger Klicks generiert hätte.
hdwinkel 09.12.2018
5. Betrüger
Zitat von kraftmeier2000ich bin der Meinung, das Dopingsünder generell Lebenslang von Wettkämpfen ausgeschlossen gehören. Und von daher kann ich die Reaktion der Sportlerin nur Gutheißen, daran sollte man sich ein Beispiel nehmen. Denn diese Dopingsünder sind einfach nur Betrüger, und das Teilweise sogar mehrfach, und dürfen immer wieder starten, und das ist wie ein Schlag ins Gesicht eines jeden sauberen Sportlers.
Die Regelungen sind doch eindeutig: Beim ersten Dopingverstoß gibt es 2 Jahre Sperre, danach lebenslängliches Wettkampfverbot. Ich glaube, diese Regel ist sinnvoll und ausreichend. Es geht hier nur um Sport, also um Unterhaltung im weiteren Sinne. Doping hier ist nicht schön, aber mit überschaubaren Folgen. Mehr Gedanken mache ich mir bei Betrügern, deren Folgen erheblich größere Konsequenzen nach sich ziehen, siehe Dieselskandal. Wenn man denn den Sport sehr hoch bewerten will, dann sollte das Thema Unfairness sich auch nicht auf das Thema Doping beschränken.
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