Eisschnelllauf Europäischer Gerichtshof weist Pechsteins Beschwerde endgültig zurück

Claudia Pechstein hat ihren jahrelangen Kampf gegen eine Dopingsperre auf europäischer Ebene verloren. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte wies ihre Beschwerde wegen angeblich fehlender Unabhängigkeit zurück.

Claudia Pechstein (Archivbild März 2018)
DPA

Claudia Pechstein (Archivbild März 2018)


Die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein muss ein früheres Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) zu ihrer einstigen Zwei-Jahres-Sperre akzeptieren. Das Straßburger Gericht wies ihren Antrag zurück, den Fall vor seiner höchsten Instanz neu aufzurollen. Damit ist das Urteil vom 2. Oktober 2018 rechtskräftig (Beschwerdenummer 67474/10).

In seinem ersten Urteil hatte der EGMR dem Internationalen Sportgerichtshof Cas keinen Mangel an Unabhängigkeit und Unvoreingenommenheit attestiert. Das hatte Pechstein diesem vorgeworfen. Deutschlands erfolgreichste Winterolympionikin hatte im Jahr 2009 vor dem höchsten Sportgericht gegen eine zweijährige Sperre wegen auffälliger Blutwerte gekämpft, die sie auf eine vom Vater geerbte Blutanomalie zurückführt. Der Cas bestätigte die Strafe jedoch.

In einem Punkt bekam Pechstein doch Recht

Allerdings gaben die Richter Pechstein im Oktober in einem anderen Punkt Recht: Der Cas hätte ihr ein öffentliches Verfahren gewähren müssen. Durch die fehlende Öffentlichkeit sei Pechsteins Recht auf ein faires Verfahren verletzt worden.

Daneben liegt beim Bundesverfassungsgericht (BVerfG) eine Verfassungsbeschwerde von Pechstein vor, die aber bis zum endgültigen Urteil des EGMR ruhte.

Die 46-jährige Pechstein tritt in dieser Woche bei den Einzelstrecken-Weltmeisterschaften in Inzell (7. bis 10. Februar) an. Am ersten WM-Tag jährt sich jene Nacht, in der Pechstein bei der Allround-WM 2009 in Hamar wegen erhöhter Blutwerte von der Internationalen-Eislauf-Union ISU aus dem Rennen genommen wurde.

ngo/dpa/sid

Mehr zum Thema


insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
rainer82 05.02.2019
1. Es ist skandalös,
dass Frau Pechstein seit ihrer Disqualifikation 2008 bis heute noch an Wettkämpfen teilnehmen darf. Das heutige Urteil gegen Pechstein unterstreicht ja diese Einschätzung. Der Kampf gegen Doping darf um Täterinnen und Täter aus dem jeweiligen eigenen Land keinen Bogen machen. Heute jedenfalls haben alle, die Doping ablehnen, verfolgen und bestrafen einen bedeutenden Sieg errungen. Ich hoffe, dass das positive Folgen hat und alle überführten Betrüger von ihren Sportverbänden nicht länger gedeckt, sondern aus dem Verkehr gezogen werden.
Kaiserstuhlwinzer 05.02.2019
2. @ Nr. 1: vielleicht machen Sie es sich etwas zu leicht,
denn Frau Pechstein darf ja wieder an Wettkämpfen teilnehmen und ist für ihr Alter außergewöhnlich erfolgreich. Da die Variationsbreite der Natur viel größer ist als bei den Diesel-Abgasmessungen (sic!), können renommierte Mediziner nicht ausschließen, daß die Natur sich hier einen Ausreißer erlaubt hat und eben kein "Fall Armstrong" vorliegt. Daß das europäische Gericht keinen Anlaß sieht, das CAS-Urteil zu revidieren, liegt wohl eher an einer juristisch ungeschickten Attacke (wenn man nicht das Krähen-Argument heranziehen will).
susie.soho 06.02.2019
3. Wer zahlt Pechsteins Rehtsanwälte?
Frau Pechstein ist Angestellte/Beamtin des Bundes (Polizei/Bundesgrenzschutz?) und wird nicht so viel verdienen, dass sie sich all ihre Prozesse finanziell leisten kann. Wer sponsert sie (noch)? Ich wundere mich, dass die angebliche Blutanomalie nicht zu Anfang ihrer Karriere Thema war; so etwas lässt sich ja sportpolitisch regeln. Erst aufzubegehren, wenn durch Dopingtests Unregelmäßigkeiten auffallen, erhöht die Glaubwürdigkeit Pechsteins nicht.
rug1 06.02.2019
4. @rainer82
Interessante Rechtsauffassung haben Sie. Zu Ihrer Information: 1. Selbst ÜBERFÜHRTE Dopingsünder sind weltweit nach 2 Jahren Sperre wieder startberechtigt. 2. Claudia Pechstein wurde nie des Dopings überführt. 3. Wenn jemand verurteilt wurde, kann er trotzdem unschuldig sein. 4. Europas führende Hämatologen haben bei ihr nach dem CAS-Urteil eine von Pechsteins Vater vererbte Blutanomalie diagnostiziert, die die außerhalb der Norm liegenden Retikulozyten (junge Blutkörperchen) bei ihr vollumfänglich erklären kann. 5. Diese Diagnose hat selbst der Gutachter des Weltverbandes ISU bestätigt. 6. Es gibt im Rahmen der Sportschiedsgerichtsbarkeit vor dem CAS keine Möglichkeit der Revision. 7. Da sich auch kein Zivilgericht für zuständig erklären möchte, ist Claudia Pechstein trotz der medizinischen Diagnose bis dato verwehrt geblieben, vor einem Gericht ihre Unschuld beweisen zu dürfen. 8. Jeder Bundesbürger hat das in der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland verbriefte Recht, ein deutsches Gericht anrufen zu dürfen. Einzige Ausnahme bilden die Sportler. 9. Der Deutsche Olympische Sportbund hat Claudia Pechstein moralisch und sportpolitisch rehabilitiert und sich bei ihr für das Leid, das sie ertragen musste, entschuldigt und klargestellt, dass sie Opfer und nicht Täter ist. 10. Und jetzt Sie nochmals bitte...
rug1 06.02.2019
5. @susie-soho
Kein Vorwurf an Sie, aber solche Fragen, kann man nur stellen, wenn man den "Fall Pechstein" nie in seiner ganzen Tiefe verfolgt und verstanden hat. Die bei Claudia Pechstein diagnostizierte Blutanomalie ist lediglich eine ganz milde Abweichung von der Norm. Sie ist keine Krankheit. Sie ist in der Ausprägung, wie sie bei Pechstein und ihrem Vater (der seiner Tochter diese Anomalie vererbte) festgestellt wurde, nicht im Geringsten eine Beeinträchtigung. Weder im Alltag noch im Leistungssport. Deshalb wusste auch der Vater zuvor nichts davon. Die Anomalie ist aber auch – wichtig! – nicht leistungsfördernd! Sie verursacht im Blutbild "lediglich" schwankende Retikulozytenwerte (junge rote Blutkörperchen), die für Dopingfahnder ein INDIZ für Doping sein KÖNNEN. Bei Pechstein kann dieses Indiz aber vollumfänglich durch die 2010 (!) gestellte Diagnose international renommierter Hämatologen erklärt werden. Diese Diagnose wurde erst während der Sperre gestellt – als sich Pechstein GEMEINSAM mit ihrer FAMILIE bei dem Münchner Mediziner Prof. Dr. Stefan Eber vorgestellt hat. Retikulozyten wurden zuvor bei der jährlichen sportärztlichen Untersuch des DOSB im kleinen Blutbild nicht einmal bestimmt. Lediglich die Datenbank der ISU wies seit Einführung der Bluttest im Jahr 2000 mehrmals Abweichungen von der "Reti-Norm" in Pechsteins Blutbild aus. Die Ärzte des Weltverbandes hielten diese Werte allerdings unter Verschluss, sodass Pechstein die "Ursachenforschung" für diese Werte gar nicht frühzeitig vorantreiben konnte. Da sie davon nichts wusste – bis zum Zeitpunkt der Dopinganschuldigungen, die seit 2009 auch ohne positiven Dopingbefund, anhand der "indirekten Beweisführung" (Indizien) erhoben werden können. Pechstein wurde verurteilt, weil sie damals noch keinen Beweis für die Blutanomalität hatte. Dieser liegt erst seit Februar 2010 vor. Da das Sportrecht keine Revision kennt, konnte das Urteil sportrechtlich nicht revidiert werden. Und da sich bislang kein Zivilgericht (weil Pechstein sich der Sportgerichtsbarkeit unterworfen hat) für den Fall zuständig erklären will, darf sie Ihre Unschuld bis dato nicht gerichtsfest beweisen. Ein ziemlicher Teufelskreis, in dem die Frau steckt. Meiner Meinung nach, sollte man sie dafür bewundern, dass sie bei dieser schreienden Ungerechtigkeit noch nicht ihren Verstand verloren hat...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.