Eisschnellläuferin Claudia Pechstein scheitert am BGH

Es war die letzte Instanz: Claudia Pechstein ist mit ihrer Klage vor dem Bundesgerichtshof gescheitert. Jetzt sieht sie sich schlechter behandelt als Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen.
Claudia Pechstein

Claudia Pechstein

Foto: Uli Deck/ dpa

Der Bundesgerichtshof hat die Schadensersatzklage von Claudia Pechstein für unzulässig erklärt. Die Eisschnellläuferin hatte die Internationale Eislauf-Union (ISU) auf Zahlung von rund fünf Millionen Euro verklagt, weil der Weltverband ihr 2009 wegen zu hoher Blutwerte eine Sperre von zwei Jahren auferlegt hatte. Pechstein führte die Blutwerte auf eine von ihrem Vater vererbte Anomalie zurück und bestreitet Dopingvergehen.

In der Verhandlung vor dem BGH ging es allerdings nicht um die Berechtigung der Sperre an sich, sondern um die Frage, ob Pechstein Entscheidungen von Sportschiedsgerichten vor einem Zivilgericht anfechten kann. Ein möglicher positiver Bescheid des Gerichts war im Vorfeld von Beobachtern als Epochenbruch gewertet worden, weil Sportler künftig nicht mehr an die Urteile von Sportgerichten wie dem internationalen Sportgerichtshof Cas gebunden gewesen wären.

Das Landgericht München hatte sich für den Fall zunächst nicht zuständig erklärt, daraufhin war die fünfmalige Olympiasiegerin erfolgreich vor das Oberlandesgericht gezogen. Die ISU war als unterlegene Partei anschließend beim BGH in Revision gegangen. Das höchste deutsche Zivilgericht gab dem Verband nun Recht. Das Urteil des OLG wird aufgehoben, der Fall wird nicht neu aufgerollt.

Gang vors Bundesverfassungsgericht

Pechstein äußerte sich anschließend über die Ablehnung ihrer Klage: "Ich habe mich hier gefühlt wie vor dem Internationalen Sportgerichtshof", sagte sie. "Jeder Flüchtling, der in Deutschland einreist und registriert wird, genießt Rechtsschutz. Aber wir Sportler nicht." Weiter sagte Pechstein: "Ich hatte immer einen festen Glauben in die deutsche Justiz. Der hat jetzt aber einen Dämpfer erhalten". Der Cas sei "kein unabhängiges Gericht. Ich werde eine Sportlergewerkschaft gründen", kündigte sie an.

Pechsteins Anwalt Thomas Summerer sprach von einem "mutlosen Gericht", sagte aber auch: "Das war noch nicht das letzte Wort". Das Pechstein-Lager will Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht einlegen und hatte im Vorfeld schon erklärt, zur Not vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu ziehen.

Pechstein hatte aufgrund ihrer Sperre unter anderem die Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver verpasst. Da ihr dadurch nicht nur zahlreiche Sponsoren verloren gingen und sie mehrere Hunderttausende Euro in medizinische Gutachten und juristische Prozesse investiert hatte, stellte sie die Schadensersatzklage vor zivilen Gerichten. Zuvor hatte sie auf Sportgerichtsebene alle Möglichkeiten ausgeschöpft.

rae/dpa/sid

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