DEL-Favorit Hamburg Freezers Die Barthaare wachsen schon

Die Hamburg Freezers gehen als Hauptrundensieger in die Playoffs der Deutschen Eishockey-Liga. Die Hamburger wollen aus den Enttäuschungen der vergangenen Jahre lernen. Und vertrauen auch einer alten Eishockey-Tradition.

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Von Philipp Nicolay


Hamburg - Die Saison der Hamburg Freezers begann denkbar schlecht. Nach zwölf Spieltagen Mitte Oktober war die Mannschaft von Trainer Benoit Laporte Tabellenletzter in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Im Herbst hätte wohl kaum jemand damit gerechnet, dass dieses Team Hauptrunden-Meister werden und zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte die 100-Punkte-Marke knacken würde.

Der Architekt des Hamburger Erfolgs ist Sportdirektor Stéphane Richer, der die jungen deutschen Spieler wie Jerome Flaake, Thomas Oppenheimer oder David Wolf mit langfristigen Verträgen ausgestattet hat. Seit 2010 hat der Franco-Kanadier das Eishockey-Großprojekt Hamburg angepackt. "Es wurde uns Zeit gegeben, weil der Erfolg ja auch nicht über Nacht kommt", sagt Richer.

Die vergangenen beiden Spielzeiten mit zwei direkten Playoff-Viertelfinal-Qualifikationen brachten schon einen deutlichen Aufschwung, aber auch jeweils einen bitteren Rückschlag: Das Team schied zweimal im Viertelfinale aus. Nach dem unglücklichen Aus im Vorjahr beim späteren Meister Eisbären Berlin soll es dieses Jahr weiter gehen als nur unter die letzten Acht. "Die Jungs haben gesehen, dass man Kleinigkeiten richtig machen muss, um die ganz umkämpften Spiele zu gewinnen", sagt Richer.

"Wenn man Meister werden will, sollte man sich auf jeden Gegner gut einstellen können", sagt Stürmer Oppenheimer, "deswegen ist es mir eigentlich auch egal, auf wen wir treffen." Der 25-Jährige hat erst im Sommer vorzeitig bis 2017 verlängert. Mit 21 Toren war er in der Hauptrunde der zweitbeste Torschütze seines Teams.

Oppenheimer übernimmt Führungsrolle

An diesem Sonntag (14.30 Uhr) empfangen die Hamburger zum Aufakt der Viertelfinal-Serie die Iserlohn Roosters. Die Vorfreude auf die Playoffs ist groß, aber trotz der glänzenden Siege in der Hauptrunde sieht der Sportdirektor noch Schwächen im Spiel der Mannschaft: "Was wir besser machen können, ist unser Überzahlspiel. Das könnte den großen Unterschied in den Playoffs ausmachen", sagt Richer. Oppenheimer sieht drei konkrete Erfolgskriterien: "Man muss einen Lauf haben, in gutem physischen Zustand sein und von Verletzungen verschont bleiben."

Wer das Titelrennen schließlich für sich entscheidet, ist für Richer aber auch eine Frage des Kopfes. "Die Mannschaft, die am Ende einer Saison Meister wird, muss in den Partien die Emotionen unter Kontrolle haben", sagt er. Im Viertelfinale 2013 gegen die Eisbären Berlin war genau das einer der Gründe für das Aus: Ein Großteil der Gegentreffer fielen bei Berliner Überzahlsituationen. Zu viele und vor allem unnötige Strafzeiten gegen die Freezers gaben den Ausschlag für die Eisbären in einer ausgeglichenen "Best-of-Seven" Serie.

Oppenheimer und seine Mitspieler sind schon voll im Playoff-Modus. Die Barthaare wachsen jedenfalls schon. Nach alter Eishockey-Tradition wird sich erst rasiert, wenn die Playoffs für das Team zu Ende sind. Der Aberglaube ist ein steter Begleiter für Eishockeyprofis in der entscheidenden Saisonphase. Oppenheimer hat vor jeder Partie feste Rituale. "Ich ziehe mich immer gleich an. Erst linker Schlittschuh, dann linker Schienbeinschützer und schließlich linker Ellenbogenschoner", sagt der Nationalspieler.

Wie man große Titel gewinnt, könnte Oppenheimer von einem guten Kumpel erfahren: FC-Bayern-Profi Thomas Müller gehört zu seinen besten Freunden. "Wir sind neun Jahre zusammen auf das Gymnasium gegangen und das war wirklich eine schöne Zeit", erzählt er. Einen Besuch bei einem Spiel der Freezers wird für Müller allerdings fast unmöglich werden. Der Nationalspieler kämpft mit den Bayern selbst noch um drei Titel.

Der Unterschied zu seinem Eishockeykumpel ist nur: Müller hat schon viele gesammelt.



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