Trotz "grenzwertiger Bedingungen" Erster Sieg der deutschen Biathletinnen-Staffel seit über einem Jahr

Eine spektakuläre Aufholjagd von Denise Herrmann hat den deutschen Biathletinnen den ersten Staffelsieg des Winters gebracht. Dabei hätte das Rennen im kanadischen Canmore fast nicht stattfinden können.

Franziska Hildebrand (vorne)
AFP

Franziska Hildebrand (vorne)


Die deutschen Biathletinnen haben im kanadischen Canmore den ersten Staffelsieg seit über einem Jahr eingefahren. Bei minus 18 Grad gewannen Vanessa Hinz, Franziska Hildebrand, Denise Herrmann und Laura Dahlmeier vor Norwegen (+30,2 Sekunden) und Frankreich (+41,6). Die Italienerinnen, die zunächst führten, verpassten am Ende das Podium.

Den Sieg leitete Hermann, die als dritte Läuferin hinter Italien und Frankreich auf die Strecke ging und der Führenden, Dorothea Wierer, auf zwei Kilometern fast 30 Sekunden abnahm. Zuvor hatte Hermann beim zweiten Schießen mit nur einem Nachlader auch besser getroffen als die Französin Anais Bescond (drei Nachlader) und Wierer (zwei). Sie übergab als Führende an Schlussläuferin Dahlmeier. Die machte es mit einer Strafrunde nach dem zweiten Schießen zwar noch einmal spannend, für den Sieg reichte es dennoch.

Das deutsche Biathletinnen-Quartett hatte zuvor im Januar 2018 in Ruhpolding letztmalig ein Rennen gewonnen. Im vierten Staffelwettbewerb des Winters war es der dritte Podestplatz.

"Ich habe mich heute ganz gut auf der Strecke bewegt. Wir haben das gestern Abend mit der medizinischen Abteilung besprochen, ob ich starte", sagte Hildebrand, die nach ihrem vierten Platz beim Einzelrennen bei minus 15 Grad einen Kreislaufzusammenbruch erlitten hatte.

Die extremen Temperaturen in Canmore und die Entscheidung der Jury, das Rennen trotzdem zu starten, waren auch nach der Staffel Thema bei den Athletinnen. "Ich glaube, ich habe heute ein ganz gutes Rennen gezeigt. Bei mir waren es ganz eindeutig die Hände, die mit der Kälte Schwierigkeiten hatten. Vor allem bei den Nachladern hatte ich Probleme", so Hildebrand.

"Grenzwertig" und "arschkalt"

"Es war recht windig, aber eigentlich beherrschbar. Ich weiß nicht ganz genau, was da los war", sagte Dahlmeier der ARD. "Ich habe da ewig gestanden und habe mich sichtlich geärgert, als der letzte Schuss daneben ging". Sie ergänzte: "Das war heute schon äußerst grenzwertig." Besonders Hinz fand deutliche Worte: "Es ist sehr an der Grenze, bis dahin, dass man es hätte absagen müssen, weil es arschkalt ist."

Trainer Kristian Mehringer hatte die Jury-Entscheidung in der ARD ebenfalls als "grenzwertig" bezeichnet. "Wir haben zu bedenken gegeben, dass man auf die Gesundheit der Sportlerinnen achten sollte", sagte er. Laut der Wettkampfregeln des Weltverbandes IBU sind bei Lufttemperaturen von unter minus 20 Grad keine Weltcup-Starts erlaubt.

Sprintrennen verlegt

Die Sprintrennen in Canmore wurden aufgrund der extremen Kälte von Samstag auf Sonntag verschoben. Das teilte der Weltverband IBU am späten Freitagabend mit.

In der Provinz Alberta werden am Samstag Temperaturen von unter minus 25 Grad erwartet. Der Sprint der Männer über zehn Kilometer soll am Sonntag um 20.20 Uhr MEZ (12.20 Uhr Ortszeit) beginnen, der Wettkampf der Frauen über 7,5 Kilometer folgt ab 22.45 Uhr MEZ (14.45 Uhr Ortszeit).

ngo/dpa/sid



insgesamt 2 Beiträge
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gammoncrack 09.02.2019
1. Wettkämpfe müssen, neben der mentalen und körperlichen
Antrengung, doch auch Spaß machen. ich fand es schrecklich, dass einige Biathletinnen nach ihrem Lauf vor Schmerz heulend im Zielraum standen und Betreuer die Hände massieren mussten. Soweit darf meines Erachtens der Kommerz im Sport nicht gehen. Denn nur darum geht es, wenn man bei solchen Bedingungen starten lässt. Die -20 Grad sind viel zu tief (hoch?) angesetzt. Das geht an die Gesundheit der Läuferinnen. Und das kann es nun wirklich nicht sein.
hopfenundmalzverloren 09.02.2019
2. Es war unverantwortlich dieses Rennen zu starten
Am Start wurde knapp mehr als -20°C gemessen, aber auf Teilen der Strecke sollen um die -25°C geherrscht haben. Gleichzeitig konnte sich jeder Zuschauer selber ein Bild vom Wind machen. Man kann nur hoffen, dass keine der beteiligten Läuferinnen einen dauerhaften Gesundheitsschaden davon trägt.
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