Doping im Langlauf Österreicher Dürr soll Sportler an Erfurter Arzt vermittelt haben

Der Langläufer Max Hauke wurde festgenommen, als er sich gerade dopte. Gemeinsam mit Dominik Baldauf beschuldigt er nun den Kronzeugen Johannes Dürr, über ihn vom Dopingarzt in Erfurt erfahren zu haben.

Max Hauke
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Max Hauke


Die beiden des Dopings überführten österreichischen Langläufer Max Hauke und Dominik Baldauf haben den Kronzeugen Johannes Dürr beschuldigt, dank ihm mit dem Erfurter Doping-Arzt Mark S. in Kontakt getreten zu sein. Baldauf sagte in einem gemeinsamen Interview mit Hauke der österreichischen "Kronen-Zeitung", er habe Dürr 2016 - zwei Jahre nach dessen positiver Dopingprobe - wieder getroffen.

"Dürr erklärte mir, dass es ohne Doping nicht möglich sei, an die Spitze zu kommen", sagte Baldauf. "Und dass uns sein Erfurter Arzt helfen könne." Im Sommer 2018 hätten sie sich Blut abnehmen lassen, vor den Wettkämpfen im Winter wurde es wieder injiziert. "Unsere Trainer und Kollegen ahnten nichts. Wir haben es irgendwie geschafft, ein Doppelleben zu führen", sagte Hauke.

Dürr hatte mit seinen Aussagen in der ARD-Dokumentation "Die Gier nach Gold - Der Weg in die Dopingfalle" und dem Eigenblut-Geständnis zur Aufdeckung des kriminellen Netzwerks um den Erfurter Sportarzt und einer Reihe seiner Kunden beigetragen. Am Dienstag war Dürr selbst festgenommen worden, ist mittlerweile aber wieder freigekommen.

Wie die Innsbrucker Staatsanwaltschaft mitgeteilt hat, konnte er die Haftanstalt verlassen, "da nach dem derzeitigem Ermittlungsstand nicht anzunehmen ist, dass er auf freiem Fuß die Ermittlungen beeinträchtigen würde". Dürr soll bestritten haben, andere Sportler an den Mediziner in Erfurt vermittelt zu haben.

Hauke will Medizin studieren

Hauke und Baldauf sehen für sich keine Zukunft mehr im professionellen Langlauf. "Das Kapitel Leistungssport ist für uns beide beendet", sagte Hauke. "In unserem Leben hat ein Cut stattgefunden, wir müssen völlig neu beginnen."

Hauke sagte, dass er Medizin studieren wolle. Baldauf hofft darauf, dass er weiterhin die Polizeischule besuchen darf. "Mein Traum ist es nämlich, Kriminalbeamter zu werden, große Fälle aufzuklären, Rätsel zu lösen."

Wirklich zufrieden waren die beiden Langläufer mit den Ergebnissen ihrer Betrugsversuche nicht. "Es gab Rennen, bei denen wir - trotz Doping - schlecht abschnitten", sagte Hauke. Nach dieser Saison wollte das Duo mit dem Doping aufhören, auch aus finanziellen Aspekten: "Wir mussten eisern sparen, uns blieb kaum noch Geld für andere Dinge übrig. Die Dienste der Organisation waren sehr teuer", sagte Baldauf.

krä/dpa/sid



insgesamt 2 Beiträge
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pamhalpert 06.03.2019
1. blanker hohn
Der eine will Arzt werden, der andere Kriminalbeamter. Dass beide nicht unbedingt die richtige Lebenseinstellung für diese beiden Tätigkeiten mitbringen, haben sie bewiesen. Mein Mitleid, was den "Cut" angeht, hält sich jedenfalls in Grenzen.
Marillax 06.03.2019
2. Ebenso blanker Hohn ...
... ist für mich, dass der Herr Johannes Dürr andere Sportler, nachdem er selbst schon mal aufgeflogen war, überzeugt hat, dass ohne Doping keine Leistung zu machen ist, sogar die Kontakte zu dem Arzt hergestellt hat, und nun als Kronzeuge die anderen hinhängt und so wahrscheinlich fast ungestraft davonkommt.
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