Langläufer Dürr Ein Kronzeuge, der bis vor Kurzem gedopt hat

Johannes Dürr ist Kronzeuge im Dopingskandal der Langläufer. Doch wie glaubwürdig ist der Österreicher? Ihm wird vorgeworfen, bis Ende 2018 Eigenblutdoping betrieben zu haben.

Johannes Dürr bei den Olympischen Spielen 2014
DPA

Johannes Dürr bei den Olympischen Spielen 2014


Der Langläufer Johannes Dürr ist nach seiner Festnahme am Dienstag wieder auf freiem Fuß. Der Österreicher war von der Staatsanwaltschaft Innsbruck vernommen worden, weil er in Verdacht steht, andere Sportler an den Sportmediziner Mark S. aus Erfurt vermittelt zu haben.

Das bestritt Dürr laut der Ermittlungsbehörde. Ein anderer Vorwurf wirkt aus Gründen der Glaubwürdigkeit als Kronzeuge im Dopingskandal ohnehin schwerer. Es gebe laut Staatsanwaltschaft den Verdacht, dass Dürr "bis vor kurzem Eigenblutdoping betrieben hat und sich dabei von diesem Arzt behandeln ließ".

Das hat Dürr laut übereinstimmenden Medienberichten inzwischen zugegeben. Dass er sich mit Eigenblutdoping unrechtmäßig bereichert habe, bestritt der 31-Jährige aber. Er habe schließlich für eine finanzielle Unterstützung auch jeweils entsprechende Leistungen erbracht. Die Ermittlungen gegen Dürr werden laut Behörde fortgesetzt, die Staatsanwaltschaft will weiter prüfen, ob es einen Sportbetrug gegeben hat. Auch soll festgestellt werden, welche Rolle Dürrs Crowdfundingprojekt spielt, in dem er um Unterstützung für ein sportliches Comeback wirbt.

ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt über die aktuellen Entwicklungen im Fall Dürr:

Dürr hat als Kronzeuge mit seinen Aussagen Mitte Januar im ARD-Film "Die Gier nach Gold - Der Weg in die Dopingfalle" die Zerschlagung des Dopingnetzwerkes um den Erfurter Sportarzt eingeleitet. Dabei hatte er, wie auch in einem SPIEGEL-Interview, stets den Eindruck eines geläuterten Sportlers hinterlassen. Dürr wollte sich für die Nordische Ski-WM in Seefeld qualifizieren, hat dies sportlich aber verpasst.

ARD-Experte Seppelt sagte, Dürr habe bestätigt, in diesem Winter mindestens dreimal Blutdoping betrieben zu haben. Einmal auch in Deutschland, in Irschenberg an einer Autobahnraststätte mit Hilfe von Mark S., zum letzten Mal im Dezember in der Schweiz.

Die überführten Landsleute und Teamkollegen Dürrs, Max Hauke und Dominik Baldauf, haben derweil das Ende ihrer Karriere bekanntgegeben. "Das Kapitel Leistungssport ist für uns beide beendet", sagte Hauke in einem gemeinsamen Interview mit Baldauf der österreichischen "Kronen-Zeitung". "In unserem Leben hat ein Cut stattgefunden, wir müssen völlig neu beginnen."

Hauke erklärte in dem Interview, dass er Medizin studieren wolle. Baldauf hofft darauf, dass er weiterhin die Polizeischule besuchen darf. "Mein Traum ist es nämlich, Kriminalbeamter zu werden, große Fälle aufzuklären, Rätsel zu lösen."

krä/jan/sid



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trabajador5 06.03.2019
1. Wie glaubwürdig ist er?
Interessant, dass diese Frage hier gestellt wird, berechtigterweise. Deswegen interessant, weil diese Frage bei den Enthüllungen des Herrn Seppelt über Juliya Stepanowa nie gestellt wurde.
kerrinnes.gm 06.03.2019
2. Sportbetrug?
Wäre ja prima wen es diesen Straftatbestand in Österreich gibt. In der BRD wohl eher nicht, da es ja auch keinen Steuerbetrug gibt. Österreich und die Schweiz wären dann ein Vorbild.
Illusion 06.03.2019
3. Fassunglos
Durch die Dokumentation "Gier nach Gold" habe ich ein gewisses Verständnis dafür entwickelt, dass der Übergang vom Erlaubten zum Unerlaubten fließend ist, dass Dopende mal Opfer und mal Täter sind und ich fand es gut, dass da mal einer vermeintlich offen und ehrlich zu dem steht, was er getan hat und hilft Hintergründe aufzudecken und Systeme zu enttarnen. Dass sich jetzt allerdings herausstellt, dass Johannes Dürr während der ganzen Drehzeit - in der er als vermeintlich geläuteter Doper erzählt, wie schlimm es beispielweise für ihn war Freunde, Familie und Kollegen immer wieder anzulügen - weiter Blutdoping betrieben hat, lässt mich fassungslos zurück und zeigt für mich das ganze Maß des nicht vorhandenen Unrechtsbewusstseins. Und dumm ist es noch dazu - spätestens nach seiner Zeugenaussage, bei der er Namen genannt hat, hätte ihm doch klar sein müssen, dass das raus kommt. Wirklich erschreckend und auch irgendwie sehr traurig.
meresi 06.03.2019
4. Fassungslos?
Zitat von IllusionDurch die Dokumentation "Gier nach Gold" habe ich ein gewisses Verständnis dafür entwickelt, dass der Übergang vom Erlaubten zum Unerlaubten fließend ist, dass Dopende mal Opfer und mal Täter sind und ich fand es gut, dass da mal einer vermeintlich offen und ehrlich zu dem steht, was er getan hat und hilft Hintergründe aufzudecken und Systeme zu enttarnen. Dass sich jetzt allerdings herausstellt, dass Johannes Dürr während der ganzen Drehzeit - in der er als vermeintlich geläuteter Doper erzählt, wie schlimm es beispielweise für ihn war Freunde, Familie und Kollegen immer wieder anzulügen - weiter Blutdoping betrieben hat, lässt mich fassungslos zurück und zeigt für mich das ganze Maß des nicht vorhandenen Unrechtsbewusstseins. Und dumm ist es noch dazu - spätestens nach seiner Zeugenaussage, bei der er Namen genannt hat, hätte ihm doch klar sein müssen, dass das raus kommt. Wirklich erschreckend und auch irgendwie sehr traurig.
sind max. passive Sportler, also jene die vorm TV sitzen. Aktive wissen mehr über diese Vorgänge. Betonung liegt auf aktiv. Und ja, ich betrachte alle die an dopingfreien Sport glauben als Träumer. Erschreckend für mich ist eher die Dummheit derer, die trotz der Tatsache dass Dürr geplaudert hat sich das Zeug dann noch verabreichen.
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