Evi Sachenbacher-Stehle: Zwischen Tränen und Triumphen
Olympia 2014 Sachenbacher-Stehle bestätigt positiven Dopingtest
Hamburg - Evi Sachenbacher-Stehle hat ihren positiven Dopingtest bei den Olympischen Winterspielen von Sotschi bestätigt. In einem Statement, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, schrieb sie am Freitag "vom schlimmsten Alptraum, den man sich vorstellen kann". Sie könne sich "überhaupt nicht erklären, wie es zu dieser positiven Dopingprobe gekommen ist."
Sachenbacher-Stehle bekräftigte in der Botschaft, die auch dem Sportinformationsdienst vorliegt, "dass ich zu keinem Zeitpunkt bewusst verbotene Substanzen zu mir genommen habe und alles daran setzen werde, diese Sache lückenlos aufzuklären."
Der Deutsche Olympische Sportbund gab ebenfalls ein Statement heraus. Sachenbacher-Stehle sei demnach am vergangenen Montag getestet worden. Sowohl A- als auch B-Probe hätten Spuren des Stimulanzmittels Methylhexanamin enthalten. "Der DOSB hat Evi Sachenbacher-Stehle daraufhin entsprechend der mit ihr getroffenen Athletenvereinbarung aus der Deutschen Olympiamannschaft ausgeschlossen und ihre sofortige Rückreise veranlasst und umgesetzt", heißt es weiter.
Die Disziplinarkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hat die Athletin am Freitagnachmittag angehört. Über weitere Konsequenzen wird im Zusammenhang des Verfahrens entschieden, das federführend vom Biathlon-Weltverband Ibu noch einzuleiten sein wird.
"Was mich ärgert, ist die Dummheit"
Die 33-Jährige war zuvor nicht für die Damen-Staffel nominiert worden. Vor zwei Jahren war die ehemalige Ski-Langläuferin zum Biathlon gewechselt. Im Massenstart-Wettbewerb von Sotschi lief sie als Vierte knapp an einer Medaille vorbei.
Biathlon-Cheftrainer Uwe Müßiggang hatte sich zuvor hinsichtlich der Ursache geäußert: "Es soll sich um ein Nahrungsergänzungsmittel handeln, das keinerlei leistungsfördernde Wirkung hat", sagte Müßiggang. "Wir weisen die Mädels immer wieder darauf hin, dass sie so etwas nicht nehmen sollen. Was mich so ärgert, ist die Dummheit."
Sachenbacher-Stehle bekräftigte in ihrem Statement, sie habe entsprechende Nahrungsergänzungsmittel vorher im Labor prüfen lassen, "beziehungsweise mir die Unbedenklichkeit von den Herstellern bestätigen lassen, um immer auf der sicheren Seite zu sein."
"Ich kann es gar nicht glauben"
DOSB-Präsident Alfons Hörmann reagierte bestürzt auf die Nachricht einer positiven Dopingprobe eines Mitglieds der deutschen Olympia-Mannschaft. "Dieses Thema hätten wir uns gerne erspart", sagte Hörmann. Man müsse abwarten, was die Analysen und Befragungen ergeben. "Es ändert in meinem Verständnis aber nichts an der Olympia-Bilanz, weil eine Athletin betroffen ist, die keine Medaille hat", sagte der 53-Jährige.
Die deutschen Biathleten reagierten entsetzt auf den positiven Test. "Ich habe es gerade auf dem Handy gelesen. Und kann es gar nicht glauben", sagte Arnd Peiffer nach dem Training. Der für die abschließende Männer-Staffel am Samstag als Schlussläufer vorgesehene Simon Schempp stellte fest: "Ich habe es gerade mitgekriegt. Das ist ein extremer Schock. Mehr kann ich dazu nicht sagen." Der aktuelle Langlauf- und ehemalige Biathlon-Männer-Bundestrainer Frank Ullrich sagte: "Das ist traurig für uns alle und ein Schock. Ich kann nur hoffen, dass das noch eine Wende zum Guten nimmt." Andreas Birnbacher sagte: "Ich verstehe die Welt nicht mehr. Ich hoffe immer noch, dass das ein schlechter Witz ist."
Bereits 2006, am Tag vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Turin, war Sachenbacher-Stehle wegen erhöhter Blutwerte mit einer fünftägigen Schutzsperre belegt worden und hatte das Auftaktrennen der Ski-Langläuferinnen verpasst. Unter Tränen versicherte Sachenbacher-Stehle damals, nie wissentlich gedopt zu haben, sondern dass sie in höheren Lagen oft höhere Hämoglobinwerte aufweise.
Der zuvor einzige Dopingfall in der deutschen Olympia-Mannschaft in der Geschichte der Winterspiele war Eishockeyspieler Alois Schloder in Sapporo 1972, der positiv auf Ephedrin getestet worden war, im Nachhinein durch eine Aussage seines Arztes aber rehabilitiert wurde.