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Evi Sachenbacher-Stehle: Zwischen Tränen und Triumphen

Foto: Arne Dedert/ dpa

Doping in Sotschi Deutsche Sachenbacher-Stehle positiv getestet

Bei der deutschen Sportlerin, die in Sotschi positiv auf Doping getestet wurde, handelt es sich um die Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle. Das berichten die ARD und die Deutsche Presse-Agentur. 2006 war sie wegen erhöhter Blutwerte mit einer Schutzsperre belegt worden.

Hamburg - Es ist der erste Dopingfall von Sotschi - und es trifft das deutsche Team: Nach Informationen der ARD und der Deutschen Presse-Agentur handelt es sich bei der positiv getesteten Athletin um die Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle.

Das deutsche Team hatte zuvor ein von der Norm abweichendes Ergebnis der A-Probe bei einem deutschen Olympia-Teilnehmer bestätigt. Die B-Probe sei inzwischen geöffnet worden, das Ergebnis liege auch schon vor, sagte DSV-Marketingdirektor Stefan Schwarzbach: "Nun gilt es, den Bericht abzuwarten." Schwarzbach weiter: "Wir können keine Namen bestätigen. Das hängt damit zusammen, dass ein laufendes Verfahren anhängig ist."

Die Anhörung vor der Disziplinarkommission des Internationalen Olympischen Komitees IOC ist ebenfalls beendet. "Wenn es neue, verlässliche Informationen gibt, werden wir die Öffentlichkeit informieren", sagte DOSB-Sprecher Christian Klaue. Der DOSB muss nun abwarten, bis die IOC-Disziplinarkommission eine Entscheidung trifft. Ob dies noch im Laufe des Freitags der Fall sein wird, blieb zunächst offen. Schwarzbach erwartete am Nachmittag ein Urteil in den kommenden Stunden.

Die 33 Jahre alte Sachenbacher-Stehle war zuvor nicht für die Damen-Staffel an diesem Freitag nominiert worden. Die ehemalige Ski-Langläuferin war vor zwei Jahren zum Biathlon gewechselt. Im Massenstart-Wettbewerb von Sotschi lief sie als Vierte knapp an einer Medaille vorbei. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wollte zunächst keine weitere Stellungnahme zu dem Fall abgeben. Sachenbacher-Stehle war für eine Reaktion vorerst nicht zu erreichen.

Biathlon-Männer reagieren schockiert

Bereits 2006, am Tag vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Turin, war Sachenbacher-Stehle wegen erhöhter Blutwerte mit einer fünftägigen Schutzsperre belegt worden und hatte das Auftaktrennen der Ski-Langläuferinnen verpasst. Unter Tränen versicherte Sachenbacher-Stehle damals, nie wissentlich gedopt zu haben, sondern dass sie in der Höhe oft höhere Hämoglobinwerte aufweise.

Der zuvor einzige Dopingfall in der deutschen Olympia-Mannschaft in der Geschichte der Winterspiele war Eishockeyspieler Alois Schloder in Sapporo 1972, der positiv auf Ephedrin getestet worden war, im Nachhinein durch eine Aussage seines Arztes aber rehabilitiert wurde.

"Dieses Thema hätten wir uns gerne erspart", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Man müsse abwarten, was die Analysen und Befragungen ergeben. "Es ändert in meinem Verständnis aber nichts an der Olympia-Bilanz, weil eine Athletin betroffen ist, die keine Medaille hat", sagte der 53-Jährige.

Die Biathleten reagierten entsetzt auf den positiven Test. "Ich habe es gerade auf dem Handy gelesen. Und kann es gar nicht glauben", sagte Arnd Peiffer nach dem Training am Freitag. Der für die abschließende Männer-Staffel am Samstag als Schlussläufer vorgesehene Simon Schempp stellte fest: "Ich habe es gerade mitgekriegt. Das ist ein extremer Schock. Mehr kann ich dazu nicht sagen." Der aktuelle Langlauf- und ehemalige Biathlon-Männer-Bundestrainer Frank Ullrich sagte: "Das ist traurig für uns alle und ein Schock. Ich kann nur hoffen, dass das noch eine Wende zum Guten nimmt." Andreas Birnbacher sagte: "Ich verstehe die Welt nicht mehr. Ich hoffe immer noch, dass das ein schlechter Witz ist."

Auch Kombinations-Olympiasieger Eric Frenzel konnte die Hiobsbotschaft kaum glauben. "Das ist ein ganz schöner Hammer", sagte der 25-Jährige vor Bekanntwerden des Namens von Sachenbacher-Stehle. Alle seien überrascht, dass es so etwas in Deutschland geben könne, da das Doping-Kontrollsystem einfach viel zu gut sei. "Von daher hat es einem schon die Füße vom Boden gezogen", sagte Frenzel.

Vor der Abreise nach Sotschi hatte der Chef de Mission Vesper gesagt, dass er sicher sei, dass die deutsche Mannschaft bei den Winterspielen sauber an den Start gehen würde. "Absolut, das ist unser Ziel", sagte er damals. Es seien nur Sportler nominiert, die nachweislich kontrolliert worden seien. Jeder nominierte Athlet wurde laut Vesper vor den Winterspielen noch einmal unangemeldet getestet, "weil wir nichts unversucht lassen wollen, um für sauberen Sport zu sorgen".

Das IOC hat bei den Winterspielen in Sotschi die Rekordzahl von 2453 Tests bis zur Schlussfeier am 23. Februar vorgesehen. Ein Großteil der Urin- und Blutkontrollen ist bereits vorgenommen worden. Mehr als 50 Prozent der Tests werden außerhalb der Wettkämpfe durchgeführt. Bei den Winterspielen 2010 in Vancouver gab es einen Dopingfall.

max/luk/dpa
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