Nordische Ski-WM Neun Festnahmen nach Doping-Razzien

Seit Mittwochvormittag laufen bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld sowie in Deutschland Doping-Razzien. Dabei sind mehrere Personen festgenommen worden, darunter fünf Sportler und ein deutscher Sportmediziner.

Polizeiauto vor dem Mannschaftshotel der österreichischen Langläufer und Skispringer
DPA

Polizeiauto vor dem Mannschaftshotel der österreichischen Langläufer und Skispringer


Im Rahmen einer Doping-Razzia sind bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Seefeld sieben Personen festgenommen worden, darunter fünf Sportler. Wie das österreichische Bundeskriminalamt weiter mitteilte, wurden zudem in Erfurt ein deutscher Sportmediziner und ein weiterer mutmaßlicher Komplize aus Deutschland festgenommen.

"Bei den festgenommenen Athleten handelt es sich um zwei österreichische, einen kasachischen und zwei estnische Spitzensportler", teilte das BKA mit. Bei den beiden Österreichern handelt es sich laut ÖSV-Langlaufchef Markus Gandler um Max Hauke und Dominik Baldauf, am Sonntag Sechste im Teamsprint. Einer der festgenommenen Sportler soll von der Polizei am Morgen auf frischer Tat beim Blutdoping erwischt worden sein. Er wurde demnach mit einer Bluttransfusion im Arm angetroffen und festgenommen. Das bestätigte das österreichische Bundeskriminalamt.

Zuvor hatten die ARD-Dopingredaktion sowie die "Süddeutsche Zeitung" von Razzien im WM-Ort in Tirol über die insgesamt neun Festnahmen berichtet. Außerdem wurden 16 Hausdurchsuchungen vollzogen. Neun dieser Objekte hätten sich in Erfurt befunden, erklärte die Staatsanwaltschaft München I.

Erfurt im Mittelpunkt

Es handle sich der Mitteilung zufolge um ein "weltweit agierendes Dopingnetzwerk", das man zerschlagen habe." Im Rahmen von seit mehreren Monaten andauernden internationalen Ermittlungen wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Sportbetrugs sowie der Anwendung von unerlaubten Wirkstoffen und Methoden zu Dopingzwecken" sei eine in Deutschland ansässige kriminelle Organisation um einen Sportmediziner ausgeforscht worden, schrieb das BKA.

"Diese aus Erfurt agierende kriminelle Gruppierung ist dringend verdächtig, seit Jahren Blutdoping an Spitzensportlern durchzuführen, um deren Leistung bei nationalen und internationalen Wettkämpfen zu steigern" und illegale Einkünfte zu generieren, hieß es weiter.

Der Deutsche Skiverband selbst war laut eigenen Angaben nicht von den Polizeieinsätzen betroffen: Es habe beim deutschen WM-Team in Seefeld keine Razzien gegeben, sagte ein Sprecher.

"Operation Aderlass"

Unter dem Titel "Operation Aderlass" verbreitete das Bundeskriminalamt die Mitteilung. Um 15 Uhr sollen Vertreter des Bundeskriminalamts und der Staatsanwaltschaft Innsbruck bei einer Pressekonferenz in Innsbruck die ersten Ermittlungsergebnisse präsentieren. Das BKA bezeichnete das Vorgehen als "koordiniertes Einschreiten unter Beisein des deutschen Oberstaatsanwalts".

Die Maßnahmen basieren offenbar auf Erkenntnissen, die Ermittlungen im Anschluss an die ARD-Dokumentation über den österreichischen Skilangläufer Johannes Dürr gebracht haben. Der 2014 des Dopings überführte Österreicher hatte berichtet, dass er in Deutschland Blutdoping betrieb. Namen von dopenden Teamkollegen und Dopinghelfern nannte Dürr öffentlich jedoch nicht.

mon/dpa



insgesamt 10 Beiträge
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veritaski 27.02.2019
1. Kein Wunder....
Wer die Geschichte von Johannes Dürr gelesen hat, muss sich nicht über Doping im Spitzensport wundern.
Bundestrainer 27.02.2019
2. Sehr schön!
Nur so kommt man dieser Doping-Pest bei. Die Täter während des laufenden Wettbewerbs mit dem rauchenden Colt in der Hand verhaften! Leider ist das in dieser Form nur in wenigen Ländern möglich. In den meisten anderen würde die Staatsgewalt sozusagen beim Schießen helfen. Siehe Sotschi 2014.
Botschafter der Kokosnuss 27.02.2019
3.
Und trotzdem, obwohl auch Johannes Dürr immer wieder darauf hingewiesen hat, dass Problem systemimmanent ist, ist Russland bisher das einzige Land, weshalb letztendlich trotz dürftiger Beweislage ein Riesen Aufhebens darum gemacht wurde. Bis heute bleibt da ein fader Beigeschmack, dass diese Anschuldigungen vor allem politisch motiviert waren. Na wenigstens hat man Mal polizeilich ermittelt, nach einer Fernsehdoku, nach der man sich wohl nicht mehr länger blind und blöd stellen konnte. Danke, das Mal einer ausgepackt hat.
Pollowitzer 27.02.2019
4. Ich kann es nicht glauben...
...das Deutsche Athleten bei dieser wilden Doperei unbeteiligt und sauber sind - ich finde es zB. auffällig das Deutsche Biathleten schwächeln, aber zu entscheidenden Wettkämpfen wieder topfit sind und das geht doch schon seit Jahren so. Ich war früher ein Radsportfan bis diese Kasperbude entlarvt wurde und ich kann nicht glauben das andere Sportarten sauber ihre Leistungen erbringen - die Deutschen sind bisher nur noch nicht erwischt worden, aber daran hat doch auch niemand echtes Interesse.
rainerb 27.02.2019
5. Es ändert nichts daran
Wer gedopt hat, gehört verhaftet, eingesperrt und lange vom Sport gesperrt. Egal ob der Athlet aus den USA, Russland, Deutschland, Norwegen oder sonst wo herkommt. Aber, es sind Beweise notwendig. Dokumentationen, Berichte oder politische Hintergründe sowie Vermutungen und Aussagen von irgendwelchen windigen Figuren sind keine Beweise. Unser Rechtsstaat gibt die Richtung vor, an der wir uns auch halten sollten. Solange nichts 100%ig bewiesen ist, gilt jeder Mensch, also auch Athlet, als unschuldig.
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