Dopingvorwurf gegen Lehmann-Dolle Deutscher Eisschnellläufer vom Sportschiedsgericht freigesprochen

Der dreimalige Olympiateilnehmer und ehemalige Deutsche Meister Robert Lehmann-Dolle wurde beschuldigt, mit Eigenblut gedopt zu haben. Doch der Beweis konnte nicht erbracht werden.
Robert Lehmann-Dolle bei den Olympischen Spielen von Sotschi 2014

Robert Lehmann-Dolle bei den Olympischen Spielen von Sotschi 2014

Foto: Christian Charisius DPA

Das Deutsche Sportschiedsgericht hat den ehemaligen deutschen Eisschnellläufer Robert Lehmann-Dolle vom Vorwurf des Dopings freigesprochen. Es habe an eindeutigen Beweisen gefehlt, so die Schiedsrichter. "Ich habe erst mal ein Tränchen verdrückt", sagte der 36-Jährige nach der Entscheidung. Die vergangenen anderthalb Jahre seien hart gewesen. "Ich fühlte mich sehr machtlos, einige Anfeindungen haben sehr weh getan." 

Der ehemalige Olympiateilnehmer war im vergangenen Frühjahr von dem Erfurter Arzt Mark Schmidt belastet worden. Schmidt gilt als mutmaßlicher Drahtzieher eines Dopingzirkels, der Anfang 2019 im Rahmen der "Operation Aderlass" enttarnt wurde. Ihm wird zur Last gelegt, etwa zwei Dutzend Athleten aus acht Nationen unter anderem mit Eigenblut gedopt zu haben.

Strafrechtlich hatte Lehmann-Dolle nichts zu befürchten

Auch Lehmann-Dolle, gab Schmidt in einer Vernehmung nach seiner Festnahme zu Protokoll, habe das eine Saison mitgemacht, eventuell auch im Winter vor den Olympischen Spielen in Sotschi. Die Nationale Anti-Doping Agentur Deutschland (Nada) erstattete daraufhin Anzeige. Strafrechtlich hatte Lehmann-Dolle nichts mehr zu befürchten, weil die Gesetzeslage zum vermeintlichen Tatzeitpunkt das nicht zuließ. Sportrechtlich aber musste er sich verantworten.

Im März wurde sein Fall vor dem Deutschen Sportschiedsgericht verhandelt. In dem 45-seitigen "Endschiedsspruch" vom 13. August, der dem SPIEGEL vorliegt, kommen die drei Richter zu dem Fazit: Es gibt keinen Beleg dafür, dass der ehemalige Eisschnellläufer manipuliert habe - keinen positiven Blut- oder Urintest, keinen Blutbeutel und auch kein Geständnis. Lehmann-Dolle hatte bestritten, gedopt zu haben. Zudem werteten die Richter die Angaben von Schmidt zu Lehmann-Dolle als "ungenau und sogar widersprüchlich".

Die Beweislast in dem Verfahren lag bei der Nada. Aber sie hat es "nicht vermocht, den bestehenden starken Verdacht des Schiedsgerichts hinreichend zu erhöhen, sodass der Schiedsbeklagte mit der erforderlichen überwiegenden Wahrscheinlichkeit den dargestellten Dopingverstoß begangen hat", heißt es nun in dem Schiedsspruch.

Bleibt die Frage: Warum sollte Schmidt den ehemaligen deutschen Spitzensportler wahrheitswidrig belastetet haben? Die Schiedsrichter halten es für möglich, dass er sich dadurch Vorteile verschaffen wollte, "weil er sich aufgrund der andauernden Untersuchungshaft und der Gefahr des persönlichen wirtschaftlichen Ruins in einer extremen Drucksituation befand und sich motiviert fühlte, deutsche Sportler zu benennen, um dafür im Gegenzug früher aus der Untersuchungshaft entlassen zu werden".

Schmidt sitzt weiterhin in U-Haft

Lehmann-Dolle, geboren in Erfurt, ist für Deutschland dreimal bei Olympia angetreten, 2006, 2010 und 2014. Nach einem 27. Platz in Sotschi beendete er seine Karriere und begann eine Laufbahn als Nachwuchstrainer. Nachdem die Vorwürfe gegen ihn publik geworden waren, kündigte ihm der Olympiastützpunkt Berlin fristlos. Der Olympiastützpunkt hatte mitgeteilt, er vertrete "eine konsequente Position im Kampf gegen Doping", er habe sein Vorgehen "mit dem Deutschen Olympischen Sportbund und der Deutschen Eisschnelllauf-Gesellschaft abgestimmt".

Lehmann-Dolle geht gegen seine Entlassung arbeitsgerichtlich vor. 

Schmidt sitzt derweil weiterhin in U-Haft. Der Prozess gegen ihn und vier weitere Beschuldigte soll Mitte September beginnen. 

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