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28. Februar 2019, 10:47 Uhr

Operation Aderlass

ÖSV-Chef will Langläufer aus Verband werfen

Absage für die WM-Staffel, Neuausrichtung des Langlaufs - und nun sogar Ausschluss: ÖSV-Chef Peter Schröcksnadel will nach dem Dopingskandal hart durchgreifen. Den Verband treffe aber keine Schuld.

Peter Schröcksnadel, Präsident des österreichischen Skiverbandes ÖSV, will sich nach dem Dopingskandal bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld von der gesamten Langlauf-Sparte trennen. "Ich werde in der nächsten Präsidiumssitzung den Ausschluss der Langläufer aus dem Verband fordern", sagte der 77-Jährige der österreichischen Zeitung "Krone". Beim Langlauf handele es sich um "einen Sport, in dem es immer wieder zu solchen Vorfällen kommt".

Wie genau die Zukunft des Langlaufs in Österreich dann aussehen soll, ließ Schröcksnadel offen. Für ihn stehe jedoch fest, dass der Skandal nichts mit dem Verband zu tun habe. "Keiner unserer Betreuer hatte damit etwas zu tun. Wenn Kinder Drogen nehmen, erfahren auch immer die Eltern als letzte davon. Es handelt sich um einen internationalen Ring, der zum Glück zerschlagen wurde", sagte er. Schröcksnadel sprach in Seefeld von Einzeltätern, was von vielen Experten bezweifelt wird.

In einer ÖSV-Pressemitteilung hatte Schröcksnadel zuvor davon gesprochen, "nach dieser Saison den Langlaufsport im ÖSV völlig neu organisieren" zu wollen. Schröcksnadel gab zudem die Trennung von Langlauf-Chef Markus Gandler bekannt. Gandler war bereits bei der Polizeirazzia bei Olympia 2006 in Turin und beim Dopingskandal um Johannes Dürr in Sotschi 2014 Sportlicher Leiter.

Bei mehreren Razzien in Seefeld und in Deutschland waren nach Angaben des österreichischen Bundeskriminalamts (BK) im Rahmen der "Operation Aderlass" insgesamt neun Personen festgenommen worden, darunter fünf Sportler: zwei Österreicher, zwei Esten und ein Kasache.

Kronzeuge Johannes Dürr, der sich nicht für die WM in Seefeld qualifizieren konnte, hat mittlerweile bestätigt, mit der Staatsanwaltschaft konkret über Personen gesprochen zu haben, die ihm beim Doping geholfen hätten. "Im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme habe ich auch die Namen genannt an dieser Stelle, wo ich felsenfest davon überzeugt bin, dass sie an der richtigen Stelle sind", sagte Dürr in einem am Mittwoch veröffentlichten Sportschau-Interview.

Dürr hatte im Januar in einer ARD-Dokumentation umfassend über Dopingpraktiken im Leistungssport ausgepackt. "Die Staatsanwaltschaft hatte daraufhin zunächst ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt wegen der Anwendung von Dopingmethoden am Zeugen Johannes Dürr eingeleitet, dieses ist nun in ein Ermittlungsverfahren gegen konkrete Beschuldigte übergegangen", teilte Oberstaatsanwältin Anne Leiding mit.

krä/dpa/sid

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