DSV-Coach Ackermann Der Star ist der Trainer

Als Aktiver machte Ronny Ackermann die Nordische Kombination in Deutschland populär - trotz eines Tals am Ende seiner Karriere. Seit dieser Saison ist er als Trainer im DSV-Team zurück. Und schon jetzt ist ihm die Beförderung zum Chefcoach nahezu sicher.

AFP

Von Sebastian Krause


Ronny Ackermann kennt das alles bereits. Am Wochenende treten die Nordischen Kombinierer am Holmenkollen in Oslo zum letzten Weltcup der Saison an. Dem Sieger winkt ein besonderes Geschenk. Er darf in die Ehrenloge zu Norwegens König Harald. Ackermann weiß, wie sich Erfolge vor den Augen des Monarchen anfühlen. Dreimal konnte er hier in seiner Karriere gewinnen. Jetzt ist er wieder da - diesmal als Trainer.

Seit Sommer 2011 gehört der 34-Jährige zum Team um Chef-Bundestrainer Hermann Weinbuch. Und der Ex-Profi hat in seiner neuen Funktion schnell Profil gewonnen. Als beim Weltcup in Klingenthal Mitte Februar stark böiger Wind herrschte, verweigerte Tino Edelmann den Sprung. Der Athlet des Deutschen Skiverbandes (DSV) schnallte seine Skier ab und verließ die Schanze. Disqualifikation. Die Entscheidung zum Abbruch traf Ackermann. Mit solchen Maßnahmen erarbeitet man sich Autorität.

"Seine Entscheidung geht absolut in Ordnung. Die Winde waren einfach zu gefährlich, und da wollte er mich nicht springen lassen", sagte Edelmann SPIEGEL ONLINE. Der 26-Jährige ist einer von sieben Kombinierern, die früher noch Ackermanns Teamkollegen waren.

Die Entscheidung des DSV, Ackermann zum Trainer zu befördern, sorgte selbst beim vierfachen Weltmeister für leichte Verwunderung. "Ob es dann gleich die Nationalmannschaft sein muss, kann man sich fragen. Vielleicht wäre es günstiger, weiter unten anzufangen", sagte Ackermann, der seine Karriere erst im März 2011 offiziell beendet hatte.

"Große Nähe zu den Athleten"

Als Aktiver hatte der "Sportler des Jahres 2005" am Ende einige Enttäuschungen hinnehmen müssen. Ausgerechnet in der Olympia-Saison 2010 fand der dreifache Gesamtweltcup-Sieger einfach nicht zu seiner Form. Die Olympischen Spiele in Vancouver verpasste er, beendete anschließend die laufende Saison und verzichtete auf die folgende. Dann kam der Rücktritt. "Ich habe meinem Körper in der rund einjährigen Auszeit eine faire Chance gegeben und alles versucht. Jetzt muss ich ehrlich zu mir und meinen Fans sein und einen Schlussstrich ziehen", verkündete Ackermann damals auf seiner Internetseite.

Seit dieser Saison ist er zurück. Als Trainer von den Athleten, mit denen er sich noch vor eineinhalb Jahren harte Duelle geliefert hatte. "Für ihn ist es ein nahtloser Übergang, aber für mich ist es manchmal schon merkwürdig, dass ein ehemaliger Kollege jetzt der Trainer ist", sagt Edelmann. Ackermann ist das durchaus bewusst: "Im Vergleich zu den Athletenjahren sind die Aufgaben deutlich anders. Man ist eben nicht nur für sich, sondern für die ganze Mannschaft verantwortlich."

Das gelingt ihm gut. Das Team ist erfolgreich, Ackermann beliebt. Bereits in seiner ersten Saison im Trainerstab sind die Erfolge da. Beim Weltcup-Auftakt im finnischen Kuusamo gewann Edelmann. Nur eine Woche später stand Eric Frenzel beim Weltcup in Lillehammer ganz oben auf dem Podest. Neben dem 23-Jährigen belegte Teamkollege Björn Kircheisen in der Olympiastadt von 1994 den dritten Platz.

Zentrale Rolle für neues Trainerteam

"Ronny zeigt eine große Nähe zu den Athleten. Er weiß, wie sich Skispringen anfühlt und kann seine Erfahrung gut vermitteln", sagt Edelmann und beschreibt damit den Wandel Ackermanns. Zu aktiven Zeiten war der dreifache Olympia-Silbermedaillengewinner nicht immer der große Mannschaftstyp. Besonders mit Björn Kircheisen geriet er manchmal aneinander. "Kirche (Kircheisen, Anm. d. Red.) hat gemerkt, dass Ronny ihm das eine oder andere durchaus zeigen kann", sagt Chef-Bundestrainer Weinbuch heute.

Derzeit gibt es bei den DSV-Kombinierern gleich fünf Athleten, die bei jedem Rennen in der Lage sind, um die Podestplätze mitzukämpfen. Neben den drei Etablierten Frenzel, Edelmann und Kircheisen konnten sich auch die Jungstars Fabian Rießle, Johannes Rydzek und Manuel Faißt steigern.

Im Training gibt sich Ackermann kommunikativ, besonnen und analytisch. "Ronny gibt uns viele neue Impulse. Es ist eine gute Mischung aus neuen Ideen und bekanntem Training", sagt Edelmann. Das Vertrauen in den Coach ist groß. Nach den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi soll Ackermann Weinbuch als Chef-Coach beerben.

"Wir wollen bis 2014 ein neues Trainerteam aufbauen und hoffen, dass Ronny Ackermann dann so weit ist, Bundestrainer zu werden," sagte DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller. Es wäre ein logischer Schritt.

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