Dopingrazzia bei Ski-WM Deutscher Verbandschef wehrt sich gegen Vorwürfe aus Österreich

Sind auch deutsche Athleten in das Dopingnetzwerk aus Erfurt verstrickt? Entsprechende Andeutungen aus Österreich dementiert der Chef des deutschen Verbands heftig. Für den verhafteten Sportarzt gibt es weitere Konsequenzen.

DOSB-Boss Alfons Hörmann
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DOSB-Boss Alfons Hörmann


DOSB-Präsident Alfons Hörmann hat nach der Dopingrazzia bei der Nordischen Ski-WM die Anschuldigungen des österreichischen Verbandschefs scharf zurückgewiesen. "Nach all dem, was mir bis zum jetzigen Zeitpunkt vorliegt, gibt es nicht einen deutschen Athleten, der von dieser Praxis betreut oder in irgendeiner Form untersucht wurde. Ich spreche jetzt von Kader-Athleten", sagte der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes am Donnerstag im ZDF.

"Was er da versucht darzustellen oder zu antizipieren, entspricht schlichtweg nicht der Wahrheit. Ich kann es nur als wenig gelungenes Ablenkungsmanöver von den eigenen Unzulänglichkeiten im ÖSV werten", führte Hörmann weiter aus. ÖSV-Chef Peter Schröcksnadel hatte zuvor im ORF gesagt: "Ich habe auch gehört, es sind scheinbar auch deutsche Athleten betroffen, deutsche Ärzte betroffen." Man könne "das nicht immer auf das kleine Österreich abschieben", sagte der 77-Jährige.

Bei einer Razzia des österreichischen Bundeskriminalamtes waren am Mittwoch sieben Personen festgenommen worden. Fünf davon sind Sportler. Zudem wurden in Erfurt ein deutscher Sportmediziner, dem in seiner früheren Rolle als Radsport-Arzt im Team Gerolsteiner schon die Verwicklung in Doping-Praktiken vorgeworfen worden war, und ein mutmaßlicher Komplize festgenommen. Der Mediziner hatte die Vorwürfe in der Vergangenheit stets bestritten.

Haftbefehl und keine LSB-Lizenz mehr für die Arztpraxis

Dennoch wurde am Nachmittag der Haftbefehl gegen den Mediziner bestätigt, das habe die Haftprüfung ergeben. Der Arzt werde nach einem Termin beim Ermittlungsrichter in die Münchner Justizvollzugsanstalt Stadelheim gebracht, sagte ein Sprecher des Erfurter Amtsgerichtes am Donnerstag.

Zudem hat der Landessportbund Thüringen der betroffenen Arztpraxis mit sofortiger Wirkung die Lizenz als "Sportmedizinische Untersuchungsstelle" in Thüringen entzogen. Dabei räumte der Verband eigene Versäumnisse ein. Denn bei der Fortschreibung der ursprünglich bis 2018 laufenden Lizenz um weitere vier Jahre entging dem LSB, dass in der Zwischenzeit der nun festgenommene Arzt in die Praxis eintrat.

"Diesen Umstand haben wir leider bei der Fortsetzung der Lizenz für die betroffene Arztpraxis nicht berücksichtigt. Wir haben an dieser Stelle nicht tiefgründig genug die bestehenden Dopingbelastungen im Prozess um die Anerkennung der Lizenzfortschreibung als sportmedizinische Untersuchungsstelle bewertet. Dies war falsch und wir müssen und wollen jetzt die Konsequenzen schnellstmöglich tragen und limitieren", sagte LSB-Präsident Stefan Hügel am Donnerstag.

Hügel zeigte sich entsetzt. "Es ist einfach unfassbar und eine Katastrophe auch für den Thüringer Sport. Der Landessportbund setzt alles daran, die lückenlose Aufklärung zu unterstützen", sagte er. Das Lizenzierungsverfahren werde auf den Prüfstand gestellt. Die Untersuchungsstellen führen in Thüringen die Feststellung der allgemeinen Sporttauglichkeit im Bereich der Landeskader D durch, sind aber nicht in die kontinuierliche sportmedizinische Betreuung von Spitzen- und Nachwuchssportlern eingebunden.

aha/dpa



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Seite 1
Lua-Lua 28.02.2019
1. Logik.....
Die Weltspitze ist, in den meisten Sportarten eng beieinander. Siehe Radsport, Skilaufen, Eisschnelllauf, Leichtathletik etc. Immer wenn einer aus der Weltspitze erwischt wird, gedopt zu haben, frage ich mich warum der vorher nicht gewonnen hat, wenn Doping doch scheinbar 7-10% bringt ? Daraus schließe ich so meine Rückschlüsse.
shalom-71 28.02.2019
2. Widerspruch!
Ich möchte Herrm Hügel widersprechen. Das, was jetzt passiert, bietet dem Thüringer Sport und Leistungssport die Chance, sauberer zu werden.
nihiltimeo 28.02.2019
3. Nebelbomben
Die Kleinen hängt man um das p.t. Publikum zu beruhigen. Die Großen läßt man laufen. The Show Must Go on. Ich bin überzeugt, dass der letzte Olymplasieger im 100m Lauf, der nicht gedopt hat, Jesse Owens war ...
hafnafjoerdur 28.02.2019
4. Nicht logisch
Zitat von Lua-LuaDie Weltspitze ist, in den meisten Sportarten eng beieinander. Siehe Radsport, Skilaufen, Eisschnelllauf, Leichtathletik etc. Immer wenn einer aus der Weltspitze erwischt wird, gedopt zu haben, frage ich mich warum der vorher nicht gewonnen hat, wenn Doping doch scheinbar 7-10% bringt ? Daraus schließe ich so meine Rückschlüsse.
Sie gehen von einem identischen Leistungsvermögen aus und vernachlässigen die anderen Faktoren wie Talent, Training, Tagesform, körperliche Voraussetzungen etc. Die Wirkung des Doping erhöht die eigene Leistungsfähigkeit oder Regeneration, macht deshalb aber noch keinen Seriensieger. Wenn Sie oder ich Doping nähmen, würden wir trotzdem noch nicht mal Kreismeister ohne ein gewisses Trainingsniveau. Allerdings bestätigt die Reaktion von Schröcksnadel den zwielichtigen Eindruck, den der in allen österreichischen Dopingaffären bislang gemacht hat. Schuld sind immer die anderen und aufgeklärt wird nicht mehr als nötig. Ich will niemanden verdächtigen, aber es fällt schon auf, dass einige österreichische Kombinierer auf einmal durch die Loipen fliegen. Ein Bernhard Gruber war immer bestenfalls im Mittelfeld der Langlaufleistungen und ist auf einmal im vorgerückten Alter innerhalb weniger Tage zum schnellsten Läufer geworden? Franz-Josef Rehrl war läuferisch noch nie konkurrenzfähig und hält auf einmal mit den Topläufern mit? Das ist schon arg seltsam.
max.fi 28.02.2019
5. @Lua-Lua
Antwort: Weil der/die betreffende Sportler/in a) zu dumm zum dopen war, und b) zu dumm zum vertuschen Sonst hätte er/sie ja entweder mal was gewonnen, oder wäre nicht erwischt worden
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