Eilantrag abgelehnt Endgültiges Olympia-Aus für Pechstein

Die nächste juristische Niederlage: Das Schweizer Bundesgericht hat Claudia Pechsteins Eilantrag abgelehnt. Damit kann die wegen Blutdopings für zwei Jahre gesperrte Eisschnellläuferin nicht an den Winterspielen teilnehmen. Eine Entscheidung im Hauptverfahren steht noch aus.

Eisschnellläuferin Pechstein: Keine Teilnahme an den Olympischen Spielen
DDP

Eisschnellläuferin Pechstein: Keine Teilnahme an den Olympischen Spielen


Hamburg - Claudia Pechstein ist mit einem Eilantrag auf Aussetzung ihrer Dopingsperre bis zur Urteilsverkündung gescheitert. Die Schweizer begründeten ihre Ablehnung damit, dass für die Deutsche auch im Hauptsacheverfahren kaum Aussicht auf Erfolg bestünde. Damit darf Pechstein nicht an den Olympischen Winterspielen in Vancouver teilnehmen.

Pechstein hatte gehofft, mit einem erfolgreichen Eilantrag noch vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) für Vancouver nominiert zu werden. Sie hatte bei fünf Olympischen Spielen fünf Gold- sowie je zwei Silber- und Bronzemedaillen gewonnen.

"Mich wundert in diesem Fall nichts mehr", sagte Pechstein. "Ich bin mir trotzdem zu hundert Prozent sicher, früher oder später vollumfänglich rehabilitiert zu werden." Zugleich verkündete Pechstein, dass sie nicht daran denke, ihre Karriere zu beenden. "Alle, die an mich glauben und mich unterstützen, können gewiss sein, dass sie mich auf jeden Fall nochmals auf dem Eis wiedersehen werden", so Pechstein.

"Wir müssen diese Entscheidung zur Kenntnis nehmen. Das ist überaus bedauerlich für Claudia Pechstein", sagte Gerd Heinze, der Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft DESG, zu dem Richterspruch, fügte jedoch hinzu: "Aber das ganze Kapitel ist noch nicht zu Ende. Wir haben weiterhin große Probleme mit dieser Art der Rechtsprechung. In Kenntnis des Sachverhaltes bleibe ich persönlich an Claudias Seite. Aber Fakt ist, dass ihre sportliche Zielsetzung für diese Saison endgültig zerstört ist."

Der DOSB nahm das endgültige Olympia-Aus Pechsteins zur Kenntnis, signalisierte der Athletin zugleich aber weitere Diskussionsbereitschaft. "Jetzt herrscht in Bezug auf Vancouver Klarheit für alle Seiten", sagte DOSB-Präsident Thomas Bach: "Wir hoffen, dass sich jetzt das volle Augenmerk auf den Sport und die Athleten der deutschen Olympiamannschaft richtet. Wir verkennen gleichzeitig nicht die menschliche Dimension der Entscheidung für Claudia Pechstein und werden weiter im Gespräch mit ihr bleiben."

Entscheidung hat keinen Einfluss auf das Hauptsacheverfahren

Auf das Hauptsacheverfahren, in dem das Schweizer Bundesgericht die grundsätzliche Rechtmäßigkeit der Zweijahressperre überprüft, hat diese Entscheidung keinen Einfluss. Die Wahrscheinlichkeit jedoch, dass das Verfahren zugunsten Pechsteins entschieden wird, ist nach dem gescheiterten Eilantrag gering.

Pechsteins Anwälte wollen sich nun auf das Revisionsverfahren zur Wiederaufnahme des Cas-Verfahrens konzentrieren. Der Internationale Sportgerichtshof Cas hatte am 25. November die Sperre des Eislauf-Weltverbandes Isu bestätigt. Pechstein war am 3. Juli des vergangenen Jahres von der Isu wegen Blutdopings für zwei Jahre gesperrt worden.

fsc/sid/dpa



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
jdm11000 26.01.2010
1. Bedenklich
Zitat von sysopDie nächste juristische Niederlage: Das Schweizer Bundesgericht hat Claudia Pechsteins Eilantrag abgelehnt. Damit wird die wegen Blutdopings für zwei Jahre gesperrte Eisschnellläuferin nicht an den Olympischen Winterspielen teilnehmen können. Ein Entscheid im Hauptverfahren steht noch aus. http://www.spiegel.de/sport/wintersport/0,1518,674074,00.html
Das dies nur ein juristischer Schritt ist, macht die Hauptsache nicht bedenklich. Was aber bedenklich an der Sache ist, die Begrüdung für die Sperre. Hier wird jemanden etwas vorgeworfen, ohne eine Beweisführung vornehmen zu können. Der Beschuldigte muss nun seine Unschuld beweisen - was ihm meisten schwer bis gar nicht möglich ist. Das dreht - zumindest in Deutschland - einen strafrechtlichen Grundsatz um. Die Beweislastumkehr wird ansonsten nur in absoluten Ausnahmesituationen erlaubt. Die weitere Auswirkung für Frau Pechstein ist eben nicht nur eine Sportliche, sondern hier geht es auch gleich um die Anstellung als Beamtin etc, bis hin zum Pensionsanspruch. Was im Sport vielleicht noch bei vielen Betrachtern nur ein Lachen auslöst, könnte die gleiche Handlung bei, zB einem Todesurteil, Entsetzen auslösen. Das Problem dabei ist, daß die gleichen Regularien angesetzt werden. Die Beweislastumkehr, die von den Herren Medizinern so vehement verteidigt wird, lässt eine Vorurteilung vollkommen offen. Es wird ein Standard festgelegt, der für alle Menschen gelten soll. Ausnahmen gibt es nicht, oder der Betroffene muss die beweisen. Und genau dann sind wir vom Grundsatz: "Im Zweifel für den Angeklagten" und "Die Schuld muss eindeutig nachgewiesen" wieder weit, sehr weit weg. Krass kann man auch sagen: Alles was nicht Norm ist, wird ausgemerzt. Die braune Sosse schaut wieder um die Ecke.
MSt 26.01.2010
2. Bravo,
ich begrüße dieses Urteil ausdrücklich. Ein Jan Ullrich hat ja schließlich auch bis zuletzt behauptet, nie gedopt zu haben. Vielleicht hatte er nur schlechtere PR-Berater? Und vielleicht sollte Frau Pechstein jetzt langsam aus der Opferrrolle schlüpfen und die Karten auf den Tisch legen. In den Brunnen gefallen ist das Kind ja eh..... Und warum ein Fehlverhalten im Sport nicht auch Konsequenzen für Ihren Beruf haben soll, erschließt sich mir nicht. Wer schon auf Staatskosten trainieren darf und noch dazu bei vollem Pensionsanspruch, obgleich der tatsächliche Dienst ja faktisch nie ausgeübt wurde, darf sich Doping nicht straflos erlauben dürfen! Bin gespannt, welche Verschwörungstheorien nun wieder von Seiten der Beschuldigten in die Öffentlichkeit getragen werden. Ein Tränchen hier, ein Tränchen da.....
brenfan 26.01.2010
3. Neue Karriere
Zitat von sysopDie nächste juristische Niederlage: Das Schweizer Bundesgericht hat Claudia Pechsteins Eilantrag abgelehnt. Damit wird die wegen Blutdopings für zwei Jahre gesperrte Eisschnellläuferin nicht an den Olympischen Winterspielen teilnehmen können. Ein Entscheid im Hauptverfahren steht noch aus. http://www.spiegel.de/sport/wintersport/0,1518,674074,00.html
Mein Vorschlag : schnellstens für Die Linke aufstellen lassen. In den neuen Bundesländern kommen vermeintliche Opfer bestens an.
n.holgerson 26.01.2010
4. Unwahrheit wird doch ignorieren der Wahrheit nicht richtig
Zitat von jdm11000Das dies nur ein juristischer Schritt ist, macht die Hauptsache nicht bedenklich. Was aber bedenklich an der Sache ist, die Begrüdung für die Sperre. Hier wird jemanden etwas vorgeworfen, ohne eine Beweisführung vornehmen zu können. Der Beschuldigte muss nun seine Unschuld beweisen - was ihm meisten schwer bis gar nicht möglich ist. Das dreht - zumindest in Deutschland - einen strafrechtlichen Grundsatz um. Die Beweislastumkehr wird ansonsten nur in absoluten Ausnahmesituationen erlaubt. Die weitere Auswirkung für Frau Pechstein ist eben nicht nur eine Sportliche, sondern hier geht es auch gleich um die Anstellung als Beamtin etc, bis hin zum Pensionsanspruch. Was im Sport vielleicht noch bei vielen Betrachtern nur ein Lachen auslöst, könnte die gleiche Handlung bei, zB einem Todesurteil, Entsetzen auslösen. Das Problem dabei ist, daß die gleichen Regularien angesetzt werden. Die Beweislastumkehr, die von den Herren Medizinern so vehement verteidigt wird, lässt eine Vorurteilung vollkommen offen. Es wird ein Standard festgelegt, der für alle Menschen gelten soll. Ausnahmen gibt es nicht, oder der Betroffene muss die beweisen. Und genau dann sind wir vom Grundsatz: "Im Zweifel für den Angeklagten" und "Die Schuld muss eindeutig nachgewiesen" wieder weit, sehr weit weg. Krass kann man auch sagen: Alles was nicht Norm ist, wird ausgemerzt. Die braune Sosse schaut wieder um die Ecke.
Ich verstehe einfach nicht, wie sich diese Unwahrheit immer noch halten kann. Frau Pechstein wurde in einem Indizienprozess verurteilt. Es gab eine einwandfreie Indizienkette die am Ende noch genau eine Möglichkeit übrig ließ: Doping. Es ist absoluter Humbug hier von Beweislastumkehr u.ä. zu schreiben. Jeder Kommentar von ernstzunehmenden Rechtswissenschaftlern hat die Rechtsmäßigkeit des Urteil bestätigt. Und das Schweizer Bundesgericht hätte doch genau so was bemängelt bzw. das Urteil aufgehoben. Es ging ja gerade darum, ob das Verfahren und die Anwendung der Verfahrensregel rechtmäßig war.... Deshalb bitte in Zukunft mal ein wenig besser informieren.
Saggse, 28.01.2010
5. Gute Idee....
Zitat von n.holgersonIch verstehe einfach nicht, wie sich diese Unwahrheit immer noch halten kann. Frau Pechstein wurde in einem Indizienprozess verurteilt. Es gab eine einwandfreie Indizienkette die am Ende noch genau eine Möglichkeit übrig ließ: Doping. Es ist absoluter Humbug hier von Beweislastumkehr u.ä. zu schreiben. Jeder Kommentar von ernstzunehmenden Rechtswissenschaftlern hat die Rechtsmäßigkeit des Urteil bestätigt. Und das Schweizer Bundesgericht hätte doch genau so was bemängelt bzw. das Urteil aufgehoben. Es ging ja gerade darum, ob das Verfahren und die Anwendung der Verfahrensregel rechtmäßig war.... Deshalb bitte in Zukunft mal ein wenig besser informieren.
Genau Informieren Sie Sich vorher. Oder waren alle Kommentare, die die Rechtmäßigkeit des Urteils in Zweifel ziehen sowieso nur von nicht ernstzunehmenden Rechtswissenschaftlern und Medizinern? Oder ist ein soclher Wissenschaftler nur dann ernstzunehmen, wenn er die Rechtmäßigkeit des Verfahrens bestätigt? Fragen über Fragen, auf die zumindest ich keine Antworten habe. Zweifel bleiben jedoch *nachdem* man sich *umfassend* informiert hat......
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