Einen Tag vor Olympia Weltverband sperrt Langläuferin Sachenbacher

Die deutsche Staffel-Olympiasiegerin Evi Sachenbacher-Stehle ist einen Tag vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Turin mit einer Sperre von fünf Tagen belegt worden. Der Internationale Ski-Verband Fis monierte einen zu hohen Hämoglobin-Wert.


Turin - Sachenbacher-Stehle, die die prominenteste von insgesamt acht gesperrten Langläuferinnen und Langläufern ist, verpasst damit das Jagdrennen über 15 Kilometer am Sonntag. Die Sperre dient dem Schutz der Athleten und zieht keine weiteren Strafen nach sich. Insgesamt sind in zwei Tagen bereits 224 Athleten aus den Bereichen Langlauf und Nordische Kombination getestet worden.

Langläuferin Sachenbacher: Genetisch bedingt hoher Wert
EPA/DPA

Langläuferin Sachenbacher: Genetisch bedingt hoher Wert

Zu hohe Hämoglobin-Werte über 16,0 bei Frauen und 17,0 bei Männern können, müssen aber kein Hinweis auf Blutdoping mit Epo sein. Sachenbacher-Stehle aus Reit im Winkl, die genetisch bedingt einen relativ hohen Hämoglobin-Wert hat, hatte vor den Spielen bei dem Ski-Weltverband Fis eine Sondergenehmigung beantragt, die aber abgelehnt wurde.

Der Deutsche Ski-Verband verwies auf die bekannt hohen Werte von Sachenbacher-Stehle, die durch das Olympiavorbereitungslager auf der Seiser Alm möglicherweise noch verstärkt worden seien. Auch die Olympia-Strecken in Pragelato liegen in 1600 Meter Höhe, wo der Körper mehr rote Blutkörperchen prodziert als im Flachland.

Neben der deutschen Olympiasiegerin wurden nach den Bluttests im Vorfeld der Wettkämpfe auch Natalia Matwejewa (Russland) und Kikkan Randall (USA) sowie Sean Crooks (Kanada), Sergej Dalidowitsch, Alexander Latsukin (beide Weißrussland), Jean Marc Gaillard (Frankreich) und Leif Zimmermann (USA) gesperrt. "Diese Anzahl an hohen Werten wirft einen kleinen Schattenauf die Olympischen Spiele. Aber es ist unsere Pflicht, diese Kontrollen durchzuführen", sagte Fis-Generalsekretärin Sarah Lewis dem sid.

Klaus Steinbach, Präsident des deutschen Nationalen Olympischen Komitees (NOK) kritisierte im ARD-"Morgenmagazin" das Verfahren der Fis: "In den Regeln steht, dass bei hohen Werten sofort Epo-Tests durchgeführt werden müssen. Das ist jedoch nicht geschehen, was das das Vorgehen insgesamt in Frage stellt." Auch Steinbach verwies auf den Zusammenhang von Höhe und Produktion von roten Blutkörperchen. "Ich war gestern selbst in Sestriere und haben einen veränderten Blutwert gehabt", betonte Steinbach, der früher ein Weltklasseschwimmer war.

Bei den Spielen 2002 in Salt Lake City war Johan Mühlegg zunächst wegen zu hoher Hämoglobin-Werte aufgefallen. Ihm wurde später Doping nachgewiesen, seine Goldmedaillen wurden ihm aberkannt.

har/sid

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