Eishockey-Finale Kanada vs. USA Es kann nur einen geben

Es ist angerichtet: Kanada gegen die USA lautet das Eishockey-Finale der Männer. Die letzte Entscheidung bei den Winterspielen ist der Höhepunkt für die hockeyverrückten Kanadier. Das Duell ist nicht bloß ein Endspiel - es ist der Auftrag einer ganzen Nation.

Kanada-Star Staal (r.), US-Verteidiger Orpik: Euphorie in ganz Nordamerika
dpa

Kanada-Star Staal (r.), US-Verteidiger Orpik: Euphorie in ganz Nordamerika


Hamburg - Es wird der grandiose Schlusspunkt der Olympischen Winterspiele in Vancouver. Die Eishockey-Nation Kanada strebt dem finalen Höhepunkt entgegen, der Krönung, dem "Super-Sonntag Teil Zwei". Im sehnlichst erwarteten Olympia-Endspiel (21.15 Uhr MEZ, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen die USA zählt für Kanada nur Gold, Silber wäre so gut wie nichts wert. Eine Woche nach der Niederlage in der Vorrunde, als die US-Amerikaner 5:3 gewannen, wollen die Kanadier Revanche.

"Unser erstes Duell war schon intensiv und emotional. Doch das war nichts zu dem, was es am Sonntag geben wird", sagt Kanadas Superstar Sidney Crosby. "Dieses Endspiel will jeder sehen, besonders nach unserem Sieg in der Vorrunde", betont US-Stürmer Patrick Kane. Auch die USA haben noch eine Rechnung mit Kanada offen. Vor acht Jahren, bei den Spielen in Salt Lake City, verdarben die Nachbarn aus dem Norden den Amerikanern das eigene Heimspiel. 5:2 siegten die Kanadier damals im Finale.

Die Euphorie rund um das Endspiel versetzt ganz Nordamerika in Hochstimmung. 19.300 Zuschauer werden im Canada Hockey Place mit den 42 NHL-Profis mitfiebern. Während das US-Team durch einen überlegenen 6:1-Halbfinalsieg gegen Finnland ins Endspiel stürmte, zitterten sich die Kanadier zu einem 3:2-Erfolg gegen die Slowakei. Unmittelbar danach begann das verbale Final-Vorgeplänkel. "Die USA haben die Finnen regelrecht überrannt, deshalb gelten sie als Favorit", sagt Kanada-Coach Mike Babcock und sorgte damit für Raunen auf der Pressekonferenz.

Die wichtigste Medaille der Winterspiele für Kanada

Obwohl die USA das einzig unbesiegte Team des Turniers sind, gelten die Gastgeber als Eishockey-Übermacht. "Es ist immer schwer, jemanden zweimal bei einem Turnier zu besiegen. Wir müssen die ersten fünf bis zehn Minuten überstehen", sagt US-Trainer Ron Wilson. Er weiß: Für die Kanadier geht es um die wichtigste Goldmedaille der Spiele. Seit mehr als zwei Wochen bangen die rund 34 Millionen Kanadier mit ihrem Team. Nichts bedeutet der gesamten Nation mehr als die Goldmedaille in ihrem Sport.

"Eishockey ist unser Spiel", war stets auf Plakaten im Canada Hockey Place zu sehen. Auch Eishockey-Legende Wayne Gretzky hatte immer wieder darauf hingewiesen. Sollten Crosby und Co. die Winterspiele zum goldenen Abschluss bringen, würden die Kanadier ihren Nationalfeiertag bereits am 28. Februar abhalten. "In diesem Spiel gibt es keine Ausreden. Das Adrenalin wird durch unsere Körper pumpen, die Menge wird hinter uns stehen", sagt Stürmer Jonathan Toews. "Das wird ein Riesenspiel. Wir sind als Team gewachsen. Wir wissen jetzt, wie sie spielen und was wir zu erwarten haben", so Verteidiger Drew Doughty.

US-Torhüter als entscheidender Spieler des Turniers

Der Sieg der Amerikaner im ersten Aufeinandertreffen spielt für beide Seiten nur noch eine untergeordnete Rolle. Dass die Kanadier das Spiel dominierten, 45:23 Torschüsse hatten, aber am großartigen Ryan Miller im US-Tor scheiterten - vergessen. Das war nur die Vorrunde, jetzt ist es das Endspiel. Und dort setzen die Amerikaner erneut auf ihren Torwart. "Ich habe schon vor dem Turnier gesagt, dass die Mannschaft mit dem besten Goalie Gold gewinnt", so US-Coach Wilson. Kanadas Coach Babcock räumt ein, dass der Torwart der Buffalo Sabres ihn nervös mache.

Babcock baut indes vor allem auf seine Offensive. 32 Tore haben die kanadischen Stürmer in fünf Spielen erzielt - so viele, wie kein anderes Team. Selbst Weltmeister Russland war chancenlos und kassierte in nicht einmal 30 Minuten sieben Gegentreffer. "Wir haben starke Gegner gehabt und trotzdem einen Weg zum Sieg gefunden. Deshalb ist unser Selbstvertrauen riesengroß", betont Crosby. Doch auch die Amerikaner glauben an die eigene Stärke. "Unser Selbstbewusstsein war von Beginn an groß. Wir sind hergekommen, um Gold zu gewinnen, jetzt haben wir die Chance dazu", sagt US-Star Jamie Langenbrunner von den New Jersey Devils. Kanada oder USA: Es kann nur einen geben.

Letzte Winterspiele mit NHL-Profis?

Allerdings wird das Endspiel wohl das letzte Eishockey-Finale bei den Olympischen Spielen mit den vielen NHL-Superstars sein, denn die nordamerikanische Profiliga bereitet ihren Rückzug von Olympia vor. Nach vier Winterspielen in Folge, zu denen die NHL-Profis abgestellt wurden, will die milliardenschwere Profiliga ihr Geschäft nicht mehr in der einnahmenstärksten Zeit für zwei Wochen stoppen, um ihre Spieler freizustellen. Schon die Spiele 2014 in Sotschi könnten ohne die Superstars stattfinden.

Bedingung der NHL: Sie bekommt etwas vom olympischen Kuchen ab. "Der Schlüssel zur weiteren Olympia-Teilnahme ist, am Profit beteiligt zu werden", sagte NHL-Commissioner Gary Bettman. Beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) stieß der Liga-Boss mit dieser Forderung aber auf Ablehnung. "Eine solche Lösung halte ich für ausgeschlossen", so IOC-Vizepräsident Thomas Bach. Bettman hatte bereits zuvor bei seinem Besuch in Vancouver immer wieder betont: "Wir unterbrechen unsere Saison, das kostet uns viel Geld." Die Erfahrung der NHL ist, dass die weltweite Präsentation ihrer Stars unter den fünf Ringen sich nicht in Mehreinnahmen in den Folgemonaten auszahlt. Weder die Zuschauerzahlen noch die TV-Quoten steigen danach signifikant an.

Die Scharmützel um dieses Thema sieht Bach aber gelassen: "Wenn der Weltverbandspräsident Rene Fasel es schafft, die NHL-Klubbesitzer von Olympia zu überzeugen, dann gut. Wenn nicht, finden die Olympischen Spiele ohne die NHL statt." Dann sei er aber gespannt, "was die russischen NHL-Spieler machen, wenn 2014 in Sotschi das Turnier angepfiffen wird." Russlands Superstar Alexander Owetschkin vom NHL-Club Washington Capitals hat bereits angekündigt: "Ich spiele auf jeden Fall in Sotschi."

met/dpa/sid



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Seite 1
saul7 28.02.2010
1. ++
Zitat von sysopPlatz eins in der Medaillenwertung hat Deutschland an Gastgeber Kanada verloren. Wie bewerten Sie den Auftritt der deutschen Mannschaft bei den XXI. Olympischen Winterspielen? In welchen Disziplinen gab es positive Überraschungen, in welchen enttäuschende Leistungen?
Das Abschneiden der deutschen Mannschaft ist eine Überraschung. Enttäuscht haben die Biathleten und die Friesinger. Die größte Überraschung war Rebensburg und der Mannschaftssieg der Eisschnellläuferinnen gestern Abend.
Wasserrutsche 28.02.2010
2.
Zitat von saul7Das Abschneiden der deutschen Mannschaft ist eine Überraschung. Enttäuscht haben die Biathleten und die Friesinger. Die größte Überraschung war Rebensburg und der Mannschaftssieg der Eisschnellläuferinnen gestern Abend.
Wenn man berücksichtigt, dass die Deutschen im Biathlon und Langlauf meistens unterlegenes Material hatten und dass die Kombinierer zweimal durch den Wind und die Deutschen zweimal durch die Startnummern benachteiligt waren (Biathlon Sprint Herren, Super-G Damen), dann ist die Bilanz wirklich gut. Die Medaillenzahl aus Turin erreicht, dazu viele Plazierungen zwischen 5 und 8. Noch dazu sind wir wohl die ausgeglichenste Wintersportnation. In 10 von 15 Sportarten konnten Medaillen gewonnen werden. Im Snowboard, Short Track und Curling gab es zudem gute Plazierungen. Und auch beide Eishockeyteams gehören immerhin zu den besten 10 bis 12 Teams in der Welt. Das kann keine andere Nation vorweisen, alle anderen haben deutliche Schwachpunkte, in denen sie praktish nicht konkurrenzfähig sind (Norwegen in den Bob- und Rodelwettbewerben, USA und Kanada im Langlauf und Skispringen, beide auch mit Abstrichen im Biathlon, ...). Noch dazu muss man feststellen, dass viele Medaillen auch von jungen Sportlern gewonnen wurden, die noch die ein oder anderen olympischen Spiele vor sich haben: Neuner, Riesch, Loch, Beckert, Geisenberger, Rebensburg, Tscharnke... Allerdings muss man über die Arbeit der deutschen Skitechniker wirklich mal nachdenken. Auch wenn die Bedingungen vor Ort schwierig sind, kann es nicht sein, dass man in allen zehn Biathlonwettbewerben einen unterlegenen Ski präpariert. Nur Magdalena Neuner konnte dieses Handicap annährend kompensieren, ohne sie wäre Biathlon ein Trauerspiel gewesen. Ich hoffe, die Goldmedaillen von Neuner kaschieren das nicht.
Wolfgang Jung 28.02.2010
3. Zufriedenstellend
Mit der Bilanz Deutschlands kann man zufrieden sein. Überraschend für mich war das schwache Abschneiden von Russland, Italien und besonders von Finnland.
das_zweite_Gesicht 28.02.2010
4. Mehr als zufriedenstellend!
Der User "Wasserrutsche" hat ein Fazit gezogen, dass ich voll unterschreiben kann. Da waren schon sehr schöne Leistungen deutscher Athleten zu besichtigen. Interessant scheint mir: Warum ist es im Wintersport fast zu 100% gelungen, das Nachwende-Niveau (92) bis heute zu halten, während bei den Sommerspielen von Olympiade zu Olympiade beträchtliche Einbrüche zu verzeichnen sind? Ein Grund ist sicherlich, dass bei den Sommerspielen neue Nationen dazugekommen sind, aber dies kann nicht alles sein. Irgendwie scheinen mir die deutschen Wintersportverbände besser geführt; auch die Einbindung früherer Weltklasseathleten in Trainer- und Betreuerstäbe scheint hier viel reibungsloser und harmonischer zu erfolgen. Grüße
Grosskotz 28.02.2010
5.
Zitat von Wolfgang JungMit der Bilanz Deutschlands kann man zufrieden sein. Überraschend für mich war das schwache Abschneiden von Russland, Italien und besonders von Finnland.
und der Ski-Weltmacht Österreich! Das wirkt sich negativ auf die Uralauber aus, die nach Österreich kommen sollen. Von den Skiherstellern gar nicht zu reden: Atomic, Kneissl, ...und wie heißen die anderen, die ich schon vergessen habe und die man nicht mehr kauft?
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