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Leon Draisaitl: Talent mit großen Zielen

Foto: JASON FRANSON/ AP/dpa

Eishockey-Profi Draisaitl Leon und die Legende

Mit 18 Jahren kann Leon Draisaitl Eishockey-Geschichte schreiben: als jüngster deutscher Profi mit einem NHL-Einsatz. Das Talent kämpft bei seinem Klub in Kanada nicht nur um einen Stammplatz, sondern auch gegen einen absurden Vergleich.

Die Aussprache seines Namens dürfte ein Problem werden. Draisaitl. Man freut sich schon jetzt auf die Durchsagen in den NHL-Hallen, wenn in breitem Englisch dieser 18-Jährige from Germany erwähnt wird. Am Donnerstag (Ortszeit) könnte es zum ersten Mal in einem Ligaspiel so weit sein. Und Leon Draisaitl, Eishockeyprofi aus Köln, wäre ein Mann für die Geschichtsbücher.

Als jüngster deutscher NHL-Profi würde er dann auf dem Eis stehen, im Duell zwischen seinen Edmonton Oilers und den Calgary Flames. Es wäre der vorläufige Höhepunkt eines "Traums", wie Draisaitl sagt. Spieler in seinem Alter schaffen es in der weltbesten Eishockeyliga selten regelmäßig aufs Eis.

In Kanada, rund 7000 Kilometer von der Heimat entfernt, ist er trotzdem die große Hoffnung seines neuen Klubs. Obwohl er in der NHL noch "ein Baby" sei, wie er sagt. Weil er noch kein Ligaspiel absolviert hat. Weil er sich vor allem athletisch und in der Rückwärtsbewegung noch verbessern muss. Und weil die Erwartungen trotzdem schon gewaltig sind.

"Wayne Gretzky Deutschlands"

Ende Juni fand die Draft der NHL statt, die Talenteverteilung, bei der die schwächsten Teams die besten Neulinge verpflichten können. Draisaitl wurde als dritter Spieler gezogen, so früh wie kein anderer Deutscher zuvor, danach sprach er "vom besten Moment in meinem Leben". Er, der sich nach seinem Abschied aus Deutschland 2012 binnen kürzester Zeit auch in Nordamerika zu einem der vielversprechendsten Talente entwickelt hat. Seit seinen Auftritten in der kanadischen Nachwuchsliga muss sich Draisaitl gegen die Bezeichnung als "Wayne Gretzky Deutschlands" wehren.

"Niemals wird jemand wieder so spielen wie Gretzky. Er bleibt unerreicht", sagte er der "Welt am Sonntag". Sein Unbehagen, mit einem der besten Spieler der Welt verglichen zu werden, ist verständlich. Dabei wäre die größte Analogie zwischen beiden wie gemacht für neue, große Eishockey-Folklore. Der deutsche Nationalspieler hat bei jenem Klub einen Dreijahresvertrag unterschrieben, mit dem die kanadische Eishockeylegende Gretzky viermal den Stanley Cup gewann.

Dass die Edmonton Oilers große Hoffnungen in ihn setzen, weiß der Deutsche: "Für Spieler, die hoch gedraftet werden, ist immer ein gewisser Druck da. Damit muss man umgehen, bislang klappt das gut." Die Übersicht des Stürmers, der bei seinem neuen Klub bisher als Center in der zweiten Angriffsreihe auflief, und die mannschaftsdienliche Spielweise gelten als herausragend gut für sein Alter. "Ich bin mehr als beeindruckt", lobte ihn Edmontons Stürmerstar Jordan Eberle: "Ich war mit ihm die ganze Zeit auf dem Eis und habe mit ihm trainiert, er ist ein großer Junge."

Auftakt nach Maß

Sein Trainer Dallas Eakins sagt: "Er ist groß und wird auf dem Eis nicht herumgeschubst werden." Ende September feierte Draisaitl beim 3:1 im Vorbereitungsspiel gegen die Calgary Flames ein gelungenes Heimdebüt für die Oilers. Er gab eine Torvorlage. Inzwischen hat er die letzte Kaderreduzierung überstanden.

"Mein erstes Ziel ist es, über das ganze Jahr hier zu bleiben", sagte der Rookie dem Nachrichtensender "Sky Sport News HD". Er wolle an seinem Ziel arbeiten, "ein kompletter Spieler" zu werden. Und bloß nicht abgeschoben werden ins Farmteam, die Reserve der Oilers. Das würde so gar nicht zu den Ambitionen des Sohnes des ehemaligen Nationalspielers Peter Draitsaitl passen.

In Nordamerika, dort, wo er schon jetzt auf der Straße erkannt wird und Autogramme schreibt, so das Fernziel, könnte er das Gesicht werden für das deutsche Eishockey, einer in der Heimat chronisch unter der Wahrnehmungsgrenze darbenden Sportart. "Natürlich hoffe ich, dass ich in Deutschland einmal so angesehen sein werde wie Nowitzki", hatte Draisaitl bei seinem WM-Debüt im Mai in Weißrussland gesagt.

Dafür hat er schon einmal seine Website renoviert und ein Logo entwerfen lassen: zwei Eishockeyschläger in einem umgedrehten Dreieck. Dass er vor allem sportlich überzeugen muss, weiß er. Der Druck ist spürbar: "Ich denke nicht ans Scheitern. Das Schlimmste, was du hier machen kannst, ist ängstlich zu sein." In der NHL dürften ohnehin erst einmal andere dominieren. Die zuletzt schwachen Oilers müssen um den Playoff-Einzug kämpfen, seit 2006 war das Team nicht mehr qualifiziert.

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