Eishockey-WM Deutschland feiert Sensationssieg gegen Russland

Historischer Triumph in Bratislava: Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat zum WM-Auftakt zum ersten Mal bei einer Weltmeisterschaft Russland besiegt. Der überragende Torhüter Dennis Endras ließ den Gegner verzweifeln und kündigte an, "zu lachen und zu feiern".

Torschütze Reimer (Mitte): Jubel mit den Kollegen über Sensationssieg gegen Russland
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Torschütze Reimer (Mitte): Jubel mit den Kollegen über Sensationssieg gegen Russland


Hamburg - Mit einem historischen Sieg gegen Rekord-Weltmeister Russland hat die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft zum Beginn der WM für eine Sensation gesorgt. Das Team von Bundestrainer Uwe Krupp gelang beim 2:0 (0:0, 1:0, 1:0) in Bratislava im 38. Weltmeisterschaftsduell der erste WM-Sieg gegen den haushohen Favoriten - insgesamt war es der erste Erfolg seit 88 Spielen gegen die Mannschaft. "Wir haben durch die letzte WM Selbstvertrauen bekommen und gesehen, was möglich ist", sagte Kapitän Michael Wolf nach der Partie.

Thomas Greilinger (25. Minute) und Patrick Reimer (58.) machten den unerwarteten Auftakterfolg in der Gruppe A perfekt und sorgten für Hoffnung auf eine ähnlich erfolgreiche WM wie im vergangenen Jahr, als Deutschland im eigenen Land mit dem vierten Platz für das beste Ergebnis seit 1953 gesorgt hatte. "Die letzte WM spielt für uns keine Rolle mehr. Was 2010 passiert ist, ist vorbei", hatte Krupp noch vor dem Match gesagt.

"Wir waren die bessere Mannschaft über 40 Minuten. Im letzten Drittel wurde es noch einmal eng, weil die Russen ja nochmal was machen mussten. Heute dürfen wir schon mal lachen und feiern", sagte der zum besten Spieler des Spiels gekürte deutsche Torhüter Dennis Endras, der zum wertvollsten Akteur der vorigen WM gekürt worden war.

Im 95. Duell mit dem 25-maligen Weltmeister starteten die deutschen Spieler stark und hatten bereits im ersten Drittel die deutlich besseren Chancen. Trotz eines positiven Schussverhältnisses scheiterten sie immer wieder an Russlands Torhüter Jewgeni Nabokow.

"Irgendwann geht schon was rein", sagte André Rankel nach der ersten Drittelpause. Der Stürmer vom deutschen Meister Eisbären Berlin sollte Recht behalten. Im Mittelabschnitt überwand dann Greilinger vom ERC Ingolstadt Nabokow.

Das russische Starensemble reagierte mit wütenden Angriffen, scheiterte jedoch am überragenden Endras, der auch gegen Wladimir Tarassenko und Alexej Morosow stark rettete. Auch im Schlussabschnitt ragte Endras aus einer guten deutschen Mannschaft heraus. Mit einem Konter machte Reimer, der den Puck per Rückhand in den Winkel schaufelte, den Triumph perfekt.

Vor dem Beginn seiner fünften und vorerst letzten WM als Coach hatte Krupp seinen 26 Spieler umfassenden Kader auf 21 Profis reduziert. Der Bundestrainer, der nach dem Turnier seinen Heimatverein Kölner Haie in der Deutschen Eishockey-Liga übernimmt, hatte überraschend auch den Wolfsburger Verteidiger Christopher Fischer gestrichen "Es ist natürlich bitter, wenn man von außen zuschauen muss", sagte Fischer am Rande der Partie. Dennoch hatte auch diese Maßnahme Krupps Erfolg.

Die Schweiz hatte im ersten Gruppenspiel mehr Mühe: Es reichte nur zu einem 1:0 (0:0, 0:0, 0:0, 1:0)-Erfolg nach Verlängerung gegen Außenseiter Frankreich. Julien Vauclair erzielte nach 1:46 Minuten der Overtime den Siegtreffer für den letztjährigen WM-Siebten, der in den weiteren Gruppenspielen auf Weißrussland und Kanada trifft. In der 42. Minute musste die Partie wegen eines Stromausfalls elf Minuten lang unterbrochen werden.

Auch die Slowakei und Kanada sind erfolgreich in die WM gestartet. Der Gastgeber setzte sich gegen Slowenien 3:1 (0:0, 1:1, 2:0) durch, mussten dabei aber zunächst einen Rückstand aufholen. In der Gruppe A hat das Team von Trainer Glen Hanlon wie Deutschland drei Zähler auf dem Konto. Im direkten Duell am Sonntag kann nun ein Team das Zwischenrunden-Ticket lösen. Kanada tat sich beim 4:1 (1:1, 1:0, 2:0) über Weißrussland ebenfalls lange schwer. Kanada führt die Gruppe B damit vor der Schweiz an.

Deutschland - Russland 2:0 (0:0, 1:0, 1:0)
1:0 Greilinger (24:19)
2:0 Patrick Reimer (57:53)
Deutschland: Endras - Krueger, Dietrich; Holzer, Braun; Lavallee, Hördler; Goc - Wolf, Hospelt, Rankel; Müller, Ullmann, Greilinger; Gogulla, Schütz, Tripp; Kreutzer, Barta, Patrick Reimer
Russland: Nabokov - Nikulin, Belov; Atyushov, Tyutin; Kalinin, Korneyev; Kulikov, Yemelin - Kaigorodov, Kovalchuk, Morozov; Zaripov, Zinoviev, Radulov; Tereshenko, Artyukhin, Afinogenov; Gorovikov, Kulyomin, Tarasenko
Schiedsrichter: Burchell (Kanada), Reiber (Schweiz)
Zuschauer: 9049
Strafminuten: Deutschland 6 - Russland 4

luk/dpa

insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
unifersahlscheni 29.04.2011
1. ...
...daran werden sich wohl die Russen in Zukunft gewöhnen müssen! :-)
irobot 29.04.2011
2.
Wie war das noch mit dem Minimalziel Klassenerhalt? http://www.spiegel.de/sport/wintersport/0,1518,759578,00.html Jetzt werden sie Weltmeister! PS. nicht ernst nehmen
Gast100100, 29.04.2011
3. ot
3 Punkte in der Zwischenrunde schon einmal sicher, schlägt man dort Lettland, steht man im Viertelfinale.
Gertrud Stamm-Holz 29.04.2011
4. Rechnung
Zitat von Gast1001003 Punkte in der Zwischenrunde schon einmal sicher, schlägt man dort Lettland, steht man im Viertelfinale.
Sind Sie hier nicht ein bisschen voreilig? So schnell geht ein Viertelfinale nicht. Noch nicht.
eknoes 29.04.2011
5. ...
Zitat von unifersahlscheni...daran werden sich wohl die Russen in Zukunft gewöhnen müssen! :-)
...gute Satire!
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