Deutschland im Viertelfinale der Eishockey-WM Söderholms Mischung

Leon Draisaitl ist der deutsche Eishockey-Held. Aber er allein ist nicht der Grund, warum die Auswahl so begeistert. Über die zweite Reihe im Team und einen Bundestrainer, der Versuchungen widersteht.

Deutschlands Trainer Toni Söderholm seit 2019 im Job
Joe Klamar/ AFP

Deutschlands Trainer Toni Söderholm seit 2019 im Job


In der Schlussphase eines engen Eishockeyspiels schickt jeder Trainer seine Besten aufs Eis. Bei der deutschen Nationalmannschaft ist es selbstverständlich, dass Leon Draisaitl, der Mann aus der NHL, zur auserwählten Formation gehört.

Das abschließende Vorrundenmatch bei der Weltmeisterschaft in der Slowakei endete daher auch mit einem großen Draisaitl-Akt: Die Finnen hatten ihren Tormann durch einen weiteren Feldspieler ersetzt, um vielleicht noch den Ausgleich zu erzielen, doch sie verloren die Scheibe an die Deutschen, für die Draisaitl den Konter fuhr und das "Empty-Net-Goal" zum 4:2-Endstand erzielte.

Auch nach seinem fünften Treffer im Turnier ließ der 23-Jährige cool den Zahnschutz aus dem Mund gleiten - seine Art, zu feiern. Die deutschen Fernsehzuschauer - regelmäßig über eine Million - sind mit diesem Bild vertraut geworden im Verlauf der WM.

Doch sie haben auch weitere Namen kennengelernt in den sieben Partien der Gruppenphase, auf die am Donnerstag (20.15 Uhr, TV: Sport1; Liveticker SPIEGEL ONLINE) das Viertelfinale gegen die Tschechische Republik folgt. Denn es sind nicht nur die vier NHL-Akteure - neben Draisaitl sein Stürmerkollege Dominik Kahun, Verteidiger Korbinian Holzer und Torwart Philipp Grubauer -, die das deutsche Spiel tragen. Effektiv sind auch noch einige andere Angreifer, die "nur" in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) spielen.

Marc Michaelis und Matthias Plachta sind nicht die Topstars im Team, aber sie setzen Akzente
Monika Skolimowska / DPA

Marc Michaelis und Matthias Plachta sind nicht die Topstars im Team, aber sie setzen Akzente

Das sind die Mannheimer Matthias Plachta und Markus Eisenschmid, der Kölner Frederik Tiffels, der Münchner Yasin Ehliz und der College-Spieler Marc Michaelis. Und auch Moritz Seider, das Verteidigertalent aus Mannheim, das seit dem fünften Spiel seine Gehirnerschütterung auskuriert, hat zwei Treffer beigesteuert. Die Deutschen glänzen in der Slowakei mit der Tugend des "Secondary Scoring". Das heißt: Die Tore sind breit gestreut, auch die hinteren Reihen können mehr, als ein Ergebnis zu verwalten; sie setzen eigene Akzente.

Deutschlands Eishockeyteam so stark in der Offensive wie nie

Bundestrainer Toni Söderholm widersteht zwei Versuchungen, denen ein Trainer in seiner Position ausgesetzt ist. Die eine: die Stars in einem Best-of-Block zu sammeln. "Draisaitl und Kahun kann ich immer noch zusammen aufs Eis bringen, wenn es knapp wird", sagt der Finne. Ihm ist es lieber, das Talent der NHL-Spieler auf mehrere Reihen zu verteilen. Dadurch gestaltet er die Blöcke ausgeglichener und verzichtet auf - die andere Verlockung - eine klassische vierte Sturmlinie, deren Aufgabe es ist, vor allem zerstörerisch auf den Gegner zu wirken.

Einhellige Expertenmeinung ist, dass die deutsche Mannschaft 2019 offensives Potenzial bietet wie nie zuvor in ihrer Geschichte. "Das Eishockey hat sich in den vergangenen zehn Jahren nachhaltig verändert", sagt Rick Goldmann, ehemaliger Nationalspieler und seit 2008 als Sport1-Moderator der deutsche Eishockey-Erklärer. Schnelligkeit und Wendigkeit seien nun wichtigere Kriterien als Größe und Masse. Fünf Spieler im deutschen WM-Kader sind unter 1,80 Meter und gelten nach etablierten Eishockey-Maßstäben als klein. Oder sind wie Markus Eisenschmid, der bei 1,84 Meter überschaubare 82 Kilogramm wiegt, Eishockey-Leichtgewichte.

Draisaitl und die Mannschaftskollegen - ein Team sollt ihr sein
Joe Klamar / AFP

Draisaitl und die Mannschaftskollegen - ein Team sollt ihr sein

Große Spieler wie Matthias Plachta oder Lean Bergmann sind läuferisch und technisch stark. "Wir haben vorne drin Einzelspieler, die ein Spiel entscheiden können", sagt Abwehrroutinier Yannic Seidenberg. Für die alte Eishockeyschule stehen nur noch Denis Reul, der Berg von einem Mensch, Benedikt Schopper und Marco Nowak - aber sie sind Verteidiger mit klar ausgewiesenen Defensivaufgaben.

Draisaitl und Kahun sind Vorbilder - und Teamplayer

Söderholms Mischung funktioniert auch deswegen, weil die NHL-Spieler sich nicht zu schade sind, ihre Fähigkeiten mit den anderen zu teilen. Selbst ein Jahrhunderttalent wie Draisaitl würde niemanden im Team spüren lassen, dass er auf einem anderen Level zu Hause ist. "Ich freue mich, bei der Nationalmannschaft zu sein", sagt der gebürtige Kölner in seiner unkomplizierten Art, "mit den meisten habe ich schon als Junge zusammengespielt, hier kann ich mal wieder Deutsch und auch blöd daherreden."

Dominik Kahun ist nach seinem ersten Jahr in der NHL (Chicago Blackhawks) und trotz des Aufstiegs in neue Gehaltssphären weit davon entfernt, auf Teamkollegen, die es nicht nach Nordamerika geschafft haben, herabzublicken. Er musste selbst erst vier Jahre in der DEL hinter sich bringen, um von der NHL für reif befunden zu werden. Als Juniorenspieler in Kanada hatte er kein Profiangebot bekommen.

Kahun ist mit seinem Werdegang ein Vorbild für Spieler wie Eisenschmid, Lean Bergmann, Marcel Noebels, die teils schon drüben waren und eine Karriere in der NHL noch auf dem Schirm haben. Auch die Gewissheit, dass die NHL-Scouts ihren Blick mittlerweile auf die internationalen Turniere richten, spornt sie an. Sie orientieren sich an Draisaitl und Kahun, an deren Bewegungen und Pässen - und das lässige Spiel mit dem Zahnschutz, der zwischendurch im Mundwinkel hängt, haben sie auch schon übernommen.

Den kompletten WM-Spielplan finden Sie hier.



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
RalfHenrichs 23.05.2019
1. Liegt vielleicht auch schlicht daran,
dass Finnland mit einer B-Mannschaft angetreten ist. Immerhin spielen 6 Finnen aktuell immer noch in den NHL-Playoffs. Bei anderen großen Eishockeynationen (v.a. natürlich USA und Kanada) sind dies ungleich mehr. Es gibt keinen Grund, warum man über ein solch Pseudo-Turnier überhaupt berichten sollte.
Edenjung 23.05.2019
2. NHL nicht NFL
Die NFL ist Football, zwar auch in Amerika, aber Draisaitl spielt in der NHL. National Hockey League. Bitte ändern ;D
frietz 23.05.2019
3.
Zitat von RalfHenrichsdass Finnland mit einer B-Mannschaft angetreten ist. Immerhin spielen 6 Finnen aktuell immer noch in den NHL-Playoffs. Bei anderen großen Eishockeynationen (v.a. natürlich USA und Kanada) sind dies ungleich mehr. Es gibt keinen Grund, warum man über ein solch Pseudo-Turnier überhaupt berichten sollte.
oh doch, es gibt einen Grund. Nennt sich Weltmeisterschaft, nicht us-Meisterschaft, auch wenn die usa meinen, sie wären die besten der Welt.
Zebulon 23.05.2019
4. Gottchen
Erstens zwingt sie keiner dieses B-Turnier anzuschauen, zumal es eh nur auf einem Spartenkanal läuft und Finland als B-Team zu bezeichnen obwohl alle Spieler aus Ligen kommen die stärker als die DEL sind zeugt nicht gerade von großer Sachkenntnis, zumal die Finnen gegen die Kanadier mit gewonnen und die USA kanpp verloren haben. Die NHL mag nach wie vor die stärkste am moisten gehypte Liga sein, die KHL, Schweden, Finnland und Schweiz bilden in den letzten Jahren allerdings ein nicht zu unterschätzendes Potential an Spielern oder warum glauben sie sind in der NHL eine immer größer werdende Zahl Spieler aus Übersee tätig ?
-volver- 23.05.2019
5. @ nr 1
Klar treten b und c mannschaften bei den großen nationen an. Für Kanada reichte es trotzdem immer noch für ein 8:1 gegen deutschland... und deutschland wird mit großer gewissheit nicht weltmeister, weil andere b-teams unsere erste garde herspielen. Trotzdem gefällt es mir wenn deutschland bei der wm gut abschneidet. es gab nämlich schon deutlich schlechtere zeiten im deutschen eishockey... und damals spielten bei den großen nationen auch blos b u c teams.
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