Finnlands Eishockeyspieler Kaapo Kakko Das aufregendste Talent der WM

Er kann Checks einstecken, er kann aber auch austeilen: Nachwuchsspieler Kaapo Kakko lernte früh, sich durchzusetzen, und begeistert nun bei der Eishockey-WM. Das Beste: Torgefährlich ist der 18-Jährige auch.

Kaapo Kakko im WM-Spiel gegen die USA
Martin Rose / Getty Images

Kaapo Kakko im WM-Spiel gegen die USA


Gewöhnlich interessiert sich in Nordamerika kaum jemand für die Eishockey-Weltmeisterschaft. Zu Hause laufen die Playoffs der NHL, außerdem sei dieses Turnier im fernen Europa ja eh nur eine Resterampe des Welteishockeys. Zwar kommen seit einigen Jahren immer mehr Topstars, aber kein Land reist wirklich mit seinem besten Kader an.

Dieser Tage wird allerdings vor allem im Großraum New York aufgeregt hingeschaut, denn zwei Klubs sehen in der Slowakei, dem WM-Ausrichter, ihre Zukunft. Die New Jersey Devils und die New York Rangers haben die ersten beiden Picks im kommenden Draft, bei dem die NHL-Teams die weltweit größten Talente unter sich aufteilen. Und es gilt als ausgemachte Sache, dass sie sich für Jack Hughes und Kaapo Kakko entscheiden. Beide sind kürzlich 18 Jahre alt geworden, beide mit außergewöhnlichen Fähigkeiten gesegnet, beide bei der WM auf dem Eis.

Seit Langem scheint klar, dass der US-amerikanische Center Hughes als Nummer eins auf die Bühne darf, wo ihm feierlich sein erstes NHL-Trikot überreicht wird. Doch es würde niemanden verwundern, wenn in New Jersey derzeit noch mal diskutiert wird, was sie mit ihrem Nummer-eins-Pick machen sollen. Denn der finnische Flügelstürmer Kakko ist der Star der ersten WM-Tage. Trotz der prominenten Konkurrenz: Drei der vier Topscorer der NHL-Hauptrunde sind in der Slowakei vertreten, zudem vier der sechs besten Torjäger. Und dennoch redet alles über diesen 18-Jährigen.

Mit YouTube-Videos in die Weltspitze

Fünf Tore hat Kakko in den ersten beiden Spielen erzielt. Am Abend trifft er mit Finnland im vierten WM-Gruppenspiel auf Dänemark (20.15 Uhr). Das Turnier war keine sieben Minuten alt, da lief er den Kanadiern im ersten Spiel davon und umkurvte den zweifachen Stanley-Cup-Torhüter Matt Murray aus Pittsburgh im Fallen. In der Schlussphase erkämpfte er sich den Puck, war wieder nicht aufzuhalten und traf ins leere Tor. Im zweiten Spiel gegen die Slowakei drosch er zunächst einen Schlagschuss ins Netz, danach spielte er den Puck einem Gegenspieler lässig durch die Beine, um dann auch den Torwart zu tunneln. Später im Spiel schüttelte er NHL-Verteidiger Christián Jaroš locker ab und traf erneut ins verwaiste Tor. Hattrick. "Es war schon ganz geil", sagte Kakko.

Finlands Kaapo Kakko nach einem Tor bei der Eishockey-WM
Petr David Josek / AP

Finlands Kaapo Kakko nach einem Tor bei der Eishockey-WM

"Wenn er den Schläger auf dem Eis hat, ist nur der Himmel die Grenze", sagt Finnlands Trainer Jukka Jalonen. Und meint damit nicht nur Kakkos Tore. Das Welteishockey hat viele Talente mit flinken Füßen und feinen Händen gesehen, die ihre Gegner austanzen. Das kann auch Kakko, der neben dem Training bei seinem Heimatverein TPS Turku früher stundenlang auf Straßenschuhen hinter dem Elternhaus trainierte, der YouTube-Videos seiner Idole schaute und nachmachte, was er sah. Doch was ihn besonders von Spielern seines Alters abhebt: Er kann bei der WM auch körperlich mithalten.

Mit seinen 1,87 Meter und seinen 86 Kilogramm sucht er sogar Zweikämpfe gegen erfahrenere Spieler - und gewinnt sie meist. Kakko geht an die Orte auf dem Eis, an denen es wehtun kann: in den Ecken, vor den Toren. Oder wie es Turkus Trainer Kalle Kaskinen jüngst zur kanadischen "The Hockey News" sagte: "Er kann mit dem Puck umgehen, er kann dich im Eins-gegen-Eins ausspielen, er kann Checks einstecken, er kann Checks austeilen, er ist bereits ein Mann."

Finnland gilt als Schatzkammer im Nachwuchseishockey

Möglich macht das seine Biografie: Kakko musste schon immer gegen Ältere und Stärkere ran. Mit 15 lief er für die U20 auf, mit 17 spielte er bei den Profis. Und das gleich in den Topreihen. In 45 Spielen erzielte er 22 Tore. Rekord für einen U18-Spieler in der "Liiga", die als eine der stärksten Europas gilt. Und die zahlreiche Jungstars sah, die ihren Weg in die NHL machten. Doch keiner war so früh so erfolgreich wie Kakko, der auch noch 16 Tore vorbereitete.

Im aktuellen Jahrgang gilt er ohnehin als größtes Talent Finnlands. Was etwas heißen will im derzeit aufregendsten Land für Nachwuchseishockey. Selbst in Kanada schauen sie anerkennend bis neidisch auf das kleine Finnland (5,5 Millionen Einwohner), das seit 2014 fünf Mal Gold und zwei Mal Silber bei U18- und U20-Weltmeisterschaften gewann. Natürlich war es Kakko, der die U20 Anfang Januar in der 59. Minute des Endspiels gegen die USA zum WM-Titel schoss. Im Vorjahr hatte er auch im Finale der U18-WM getroffen.

Ob das nun auch bei der "richtigen" WM klappt? Schwierig. Die Finnen sind deutlich schwächer besetzt als Amerikaner, Schweden und vor allem Russen. Doch egal wie das Turnier ausgeht, Kaapo Kakko ist bereits einer der Gewinner.



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