Eishockey-WM Schweden zerstört den deutschen Medaillentraum

Das WM-Viertelfinale bedeutete die Endstation für das deutsche Eishockey-Team. Gegen den Angstgegner Schweden erkämpfte sich die DEB-Auswahl zwar viele Chancen. Doch der schwedische Torwart erwies sich als fast unüberwindbar.

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Es hat sich vieles verändert im deutschen Eishockey. Früher wäre die Nationalmannschaft vor dem Weltklasseteam der Schweden in Ehrfurcht erstarrt, heute sagte Bundestrainer Uwe Krupp vor dem Aufeinandertreffen mit den Skandinaviern: "Bei uns gibt es niemanden, der nicht an einen Sieg glaubt." Der Glaube allein hat allerdings am Ende nicht ausgereicht. Deutschland hat das WM-Viertelfinale in Bratislava 2:5 (1:2, 1:2, 0:1) verloren und ist trotz einer über weiten Teilen starken Leistung aus dem Turnier ausgeschieden.

Patrick Berglund, Niklas Persson, Loui Eriksson und Martin Thörnberg (2) sorgten für den schwedischen Erfolg, die beiden Gegentore von Alexander Barta und Michael Wolf waren zu wenig. Das Ergebnis fiel allerdings letztlich zu hoch aus. Das deutsche Team erarbeitete sich vor allem im ersten Drittel zahlreiche Torgelegenheiten. Es scheiterte jedoch immer wieder am überragenden Gäste-Keeper Viktor Fasth.

"Natürlich sind wir jetzt enttäuscht", sagte Krupp nach der Partie, "wir hatten hochkarätige Chancen, haben sie aber leider nicht genutzt." Dennoch zeigte sich der Coach mit dem Turnierverlauf hoch zufrieden: "Mein Team hat alle Erwartungen übertroffen."

Vorentscheidung im zweiten Drittel

Eine Schwächeperiode im zweiten Drittel kostete die deutsche Mannschaft alle Chancen. Die Schweden nutzten dies für zwei Treffer zum 4:1 und sorgten so für die Vorentscheidung. Zuvor war das Krupp-Team sogar teilweise die bessere Mannschaft gewesen - obwohl man wie schon in den Spielen gegen Finnland und gegen Tschechien schon nach wenigen Sekunden im Rückstand lag. Thörnberg brachte Schweden schon nach 27 Sekunden in Führung.

Aber wie auch gegen die Tschechen schlug die Nationalmannschaft schnell zurück. Es hatte gerade einmal eine Minute gedauert, da hatten die Deutschen den Schock verdaut und brachten sich durch Bartas Ausgleich wieder ins Match. Anschließend berannten die deutschen Offensivreihen das Tor von Fasth. Aber der schwedische Torwart wehrte geradezu stoisch alle Versuche der Angreifer des Deutschen Eishockey Bundes (DEB) ab, zum Tor zu kommen. Stattdessen setzte Berglund mitten in die deutsche Druckphase den erneuten Führungstreffer in der 16. Minute.

Selbst nach dem zwischenzeitlichen 1:4 gab das deutsche Team nicht auf. Zeitweise herrschten Powerplay-Szenen vor dem schwedischen Tor, die Mannschaft belohnte sich mit Wolfs Treffer kurz vor Drittelende. Auch im Schlussdrittel setzte die Mannschaft ihre Bemühungen fort. Die wurden aber nicht in Treffer umgemünzt, und auch eine Überzahlsituation blieb ungenutzt. Stattdessen sorgte Thörnberg mit seinem zweiten Treffer in der 48. Minute für die Entscheidung. Danach konnten die Deutschen nicht mehr nachlegen und schwächten sich zusätzlich durch mehrere Zeitstrafen.

Schweden bleibt der Angstgegner

Die Schweden bleiben damit der Angstgegner der deutschen Nationalmannschaft. Es war das 38. WM-Duell beider Nationen. Die Skandinavier siegten zum 34. Mal. Im Halbfinale trifft Schweden auf Titelverteidiger Tschechien. Der Weltmeister schlug die USA souverän 4:0. Tschechiens Superstar Jaromir Jagr erzielte allein drei Treffer.

Nach dem Halbfinale im Vorjahr hat Krupp das Team auch in diesem Jahr in die K.o.-Runde geführt - allein das ist trotz der Niederlage gegen die Schweden ein Erfolg. Das Team ist durch diese Platzierung zudem automatisch für die Olympischen Winterspiele 2014 qualifiziert.

Krupps Zukunft als Coach des DEB-Teams ist offen. Der 45-Jährige wird in jedem Fall als Trainer und Sportdirektor zu den Kölner Haien wechseln. Es ist aber auch möglich, dass er parallel die Nationalmannschaft noch ein weiteres Jahr betreuen wird - bevor dann der Wunschnachfolger des Verbandes, Ralph Krueger, bereit stünde. Krueger ist bis dahin noch vertraglich an den nordamerikanischen Topclub Edmonton Oilers gebunden.

Fragen danach blockte der Bundestrainer allerdings nach der Partie routiniert ab: "Jetzt ist nicht der Moment, um dieses Thema zu besprechen." An diesem Abend hatte Krupp wichtigeres zu tun: Er musste seine Spieler trösten, die nach der Niederlage schwer geknickt waren.

Extrem enttäuschte deutsche Nationalspieler nach einer Niederlage gegen Schweden - auch das hätte es früher nicht gegeben.

Deutschland - Schweden 2:5 (1:2, 1:2, 0:1)
0:1 Thörnberg (1.)
1:1 Barta (23.)
1:2 Berglund (16.)
1:3 Persson (25.)
1:4 Eriksson (29.)
2:4 Wolf (39.)
2:5 Thörnberg (49.)
Deutschland: Endras - Krueger, Dietrich; Holzer , Braun; Lavallee, Hördler; Reul, Goc - Wolf, Hospelt, Rankel; Müller, Ullmann, Reimer; Tripp, Schütz, Gogulla; Kink, Barta, Mauer
Schweden: Fasth - Gunnarsson, Petrasek; Rundblad, Kronwall; Fernholm, Erixon; Ekman, Larsson - Thörnberg, Berglund, Pääjärvi-Svensson; Eriksson, Persson, Nilsson; Tedenby, Krüger, Silfverberg; Ericsson, Wallin, Backlund; Sjögren
Schiedsrichter: Rönn, Sindler
Zuschauer: 8986
Strafminuten: Schweden 8 - Deutschland 14

insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
fp$, 12.05.2011
1. Schuster bleib bei deinen Leisten
Bei aller Euphorie sollte man nicht übersehen, dass Schweden (wie auch Tschechien) zunächst die Mannschaft mit den besseren Individualspielern (NHL/KHL vs. DEL) war. Da kann man zwar Einsatz, Körper und super Goalie dagegen setzen, aber nicht erwarten, dass das jedesmal reicht. Die Qualität zeigt sich an technischen Kleinigkeiten. Unsere Spieler haben z.B. sehr oft bei freier Sicht aufs Tor geschossen (gegen Tschechien zudem aus unmöglichem Winkel). Spitzenprofis achten auf mehr Verkehr vor dem Tor. Das Viertelfinale ist ein Erfolg über den man sich freuen sollte.
Namenloser 12.05.2011
2.
Danke an das Team für eine klasse WM :) hat Spaß gemacht euch zuzuschauen.
_meinemeinung 12.05.2011
3. :
Zitat von sysopDas WM-Viertelfinale*bedeutete die Endstation für das deutsche Eishockey-Team. Gegen*den Angstgegner*Schweden erkämpfte sich die DEB-Auswahl zwar viele Chancen. Doch der schwedische Torwart erwies sich als fast unüberwindbar. http://www.spiegel.de/sport/wintersport/0,1518,762029,00.html
Speziell im 1. Drittel hätte das Team 2 - 3 Tore mehr schießen müssen, war ja unglaublich, was die für Chancen liegengelassen haben. War trotzdem eine gute WM.
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