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Savchenko und Szolkowy: Deutschlands beste Eiskunstläufer

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Paarlauf-Hoffnung Sawtschenko/Szolkowy Der gefährliche Königssprung zu Gold

Zum Ende ihrer Karriere wollen Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy endlich olympisches Gold im Paarlauf holen. Das wird ihnen nur gelingen, wenn sie ihren gewagtesten Sprung zeigen, den dreifachen Wurf-Axel. Die Höchstschwierigkeit ist Trumpf - und das größte Risiko.

Sie nehmen Anlauf. Er hält sie an der Hüfte, hebt sie, sie springt ab, er schleudert sie in die Luft. Sie dreht sich um die eigene Achse. Einmal, zweimal, dreimal und landet nach einer weiteren halben Drehung sicher mit einem Fuß wieder auf dem Eis. Das wäre es. Das wäre er. Der Sprung der Sprünge.

Wenn es genau so klappen würde an diesem Mittwochabend von Sotschi, dann kann, dann wird es bei diesen Olympischen Winterspielen ganz nach vorn gehen für Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy. Wenn.

Der dreifache Wurf-Axel - er ist die Trumpfkarte und gleichzeitig das große Risiko, das das deutsche Eiskunstlaufpaar und ihr Trainer Ingo Steuer für die Kür von Sotschi (Mittwoch ab 17 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) bereithalten.

Es ist der Sprung, den außer ihnen nur ein Paar in der Welt je gewagt hat. Das US-Duo Rena Inoue und John Baldwin hatte sich als Erstes 2006 an die Höchstschwierigkeit herangetraut und den Sprung bei den Winterspielen in Turin der Weltöffentlichkeit präsentiert. Seitdem haben nur Sawtschenko und Szolkowy den Sprung in ihrem Repertoire.

Bei der WM 2012 in Nizza hat er ihnen den Weltmeistertitel beschert. Im Folgejahr im kanadischen Ontario haben sie sich durch ihn noch zum Vize-WM-Titel gerettet. Ein dreifacher Wurf-Axel erhält von den Punktrichtern die doppelte Wertung wie der von Sawtschenko und Szolkowy ansonsten bevorzugte dreifache Wurf-Salchow.

Der Axel gilt ohnehin schon als die schwierigste artistische Leistung im Eiskunstlauf. Er ist das einzige Element, bei dem vorwärts abgesprungen wird. Dazu kommen in der Wurf-Variante die enormen Kräfte, die bei der Landung auf die Sehnen und Gelenke in Fuß und Knie einwirken. Szolkowy hat mal gesagt, er würde so einen Sprung "vermutlich nur zwei- oder dreimal in der ganzen Karriere aushalten".

Seine Partnerin mag da härter im Nehmen sein, dennoch: In der olympischen Saison haben die beiden ihren Königssprung bisher erst zweimal vorgeführt. Gleich zum Saisonstart in Peking. Sawtschenko stürzte. Und beim Kurzprogramm des Grand Prix in Moskau. Sawtschenko stürzte erneut.

Bei der EM fiel der Härtetest aus

Seitdem war der Wurf-Axel nicht im Programm. Bei der EM in Budapest vor zwei Wochen wäre die letzte Gelegenheit gewesen, den Sprung unter Wettkampfbedingungen zu testen und gleichzeitig die Konkurrenz vor Sotschi zu beeindrucken. Doch wegen einer Nackenblessur Sawtschenkos verzichtete das Paar auf einen Start in der Kür.

"Im Training schreit der Sprung danach, auch im Wettkampf gezeigt zu werden", sagte Szolkowy SPIEGEL ONLINE. Die Abläufe seien geprobt. Angst vor dem Sprung - nein, das hätten sie nicht, so der 35-Jährige. Aber wie groß ist das Risiko, einen Sprung zu zeigen, der in diesem Jahr in einem Wettkampf noch nicht funktioniert hat?

Das Dilemma, in dem sich Steuer und sein Paar befinden: Sie müssen den Sprung bringen, um endlich zum Abschluss ihres gemeinsamen Weges das große Ziel, Gold bei Olympia, zu erringen. Eine Kür ohne den Königssprung - das wissen Sawtschenko, Szolkowy und Steuer genau - wird angesichts des Heimvorteils, den die großen Konkurrenten aus Russland, Maxim Trankow und Tatjana Wolososchar, genießen, kaum für ganz oben reichen. Zweiter oder Dritter zu werden, das ist dem Trio zu wenig.

Die letzte Chance für das Erfolgstrio

Es soll, es muss Gold werden. Es ist die allerletzte Gelegenheit. Sawtschenko, mittlerweile 30, und Szolkowy, sogar 34, beenden nach Sotschi ihre zehnjährige gemeinsame Karriere. Sie haben alles gewonnen, sind Weltmeister, Europameister, aber zu Gold bei Olympischen Spielen hat es nie gereicht. Und wer weiß, mit welchem Ehrgeiz vor allem Trainer Steuer die Dinge betreibt, dem ist klar: Alles andere als Platz eins wäre eine persönliche Enttäuschung. Für das Paar. Für Steuer noch viel mehr.

1994 in Lillehammer hatte er noch als aktiver Paarläufer das Treppchen mit Platz vier knapp verpasst und vier Jahre später in Nagano den dritten Platz belegt. 2006 in Turin musste er seine Trainer-Akkreditierung gerichtlich durchsetzen, weil das damalige Nationale Oympische Komitee ihn wegen Stasi-Vorwürfen nicht nominiert hatte.

2010 durfte er dann mit dem Segen der Funktionäre an der Bande stehen und musste mitansehen, wie sein Paar die gute Ausgangsposition aus dem Kurzprogramm in der Kür durch zwei Patzer beim Doppelaxel und dem Toeloop wegschenkte. Steuer reagierte wie ein enttäuschter Liebhaber und zog in der Öffentlichkeit mit schneidenden Worten über seine eigenen Schützlinge her. Dass sie noch Bronze geholt hatten, spielte für ihn keine Rolle.

So etwas wollen alle drei nicht noch einmal erleben. Und deshalb muss der dreifache Wurf-Axel funktionieren. Er muss.

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