Nach Niederlage vor Gericht Pechstein sagt kurzfristig Starts bei Heim-WM ab

Die Eisschnelllauf-Weltmeisterschaften haben ohne Claudia Pechstein begonnen. Nachdem sie vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte abgewiesen worden war, verzichtete die 46-Jährige auf das Rennen über 3000 Meter.

Claudia Pechstein
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Claudia Pechstein


Wenige Stunde vor Beginn der Heim-Weltmeisterschaften im bayerischen Inzell hat Eisschnellläuferin Claudia Pechstein den Start bei zwei Rennen abgesagt, für die sie qualifiziert und gemeldet war. Die am Eröffnungstag gelaufenen 3000 Meter haben bereits ohne Pechstein stattgefunden. Über diese Strecke hatte sie bei den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City die Goldmedaille gewonnen. Außerdem verzichtet die 46-Jährige auf die Team-Verfolgung am Freitag.

Zu den Rennen über 5000 Meter am Samstag und im Massenstart am Sonntag will Pechstein aber wie geplant antreten. Ihre Entscheidung begründete sie in einem ausführlichen und emotionalen Facebook-Posting mit ihrer juristischen Niederlage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte am Dienstag. Das Gericht hatte ihre Beschwerde gegen ein Urteil vom 2. Oktober 2018 zurückgewiesen.

"In meiner ersten Reaktion habe ich direkt an Abreise gedacht", schrieb Pechstein. "Ich hatte mir im WM-Vorfeld die Ziele gesetzt, über 5.000 unter die besten Acht und im Massenstart in die Top Ten zu laufen. Ich habe wirklich keine Ahnung, ob mir das unter diesen Umständen gelingen kann."

"Sehr schlecht für uns"

In dem Verfahren ging es um Pechsteins zweijährige Dopingsperre aus dem Jahr 2009, die die fünfmalige Olympiasiegerin nach wie vor als "skandalöse Unrechtssperre" bezeichnet. Pechstein war wegen eines zu hohen Retikulozyten-Werts im Blut vom international Sportgerichtshof (Cas) zur Dopingsünderin erklärt worden, betonte aber stets, dass es sich um eine von ihrem Vater vererbte Anomalie handelte.

Der deutsche Verband zeigte Verständnis für Pechsteins Entscheidung, auch wenn ihr Fehlen "sehr schlecht für uns" sei, wie Sportdirektor Matthias Kulik sagte. Den Sieg im Rennen über die 3000 Meter sicherte sich die Tschechin Martina Sablikova mit einer Zeit von 3:58,91 Minuten. Es war bereits ihre 14. Goldmedaille bei Einzelstrecken-Weltmeisterschaften. Die in Abwesenheit Pechsteins einzige deutsche Starterin Roxanne Dufter landete mit mehr als zehn Sekunden Rückstand auf Platz 15.

Besser lief es für die deutschen Männer. Patrick Beckert wurde beim Sieg des Norwegers Sverre Lunde Pedersen über 5000 Meter Sechster, die Brüder Nico und Denny Ihle belegten im Teamspringt gemeinsam mit Joel Dufter den vierten Platz. Der Titel ging an die Niederlande.

mmm/dpa/sid



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spon1899 09.02.2019
1.
Sie hat oft Unruhe in das deutsche Team gebracht und erschien mir manchmal nicht teamfähig. Für die Mannschaft ist das wahrscheinlich gut und mit 46 sollte man aufhören. Irgendwann wird es sonst peinlich. Ihre Tragik ist, dass sie zwar viele Medaillen geholt hat, aber nie so beliebt wie Niemann, Schenk oder Friesinger war und die Doping-geschichte war natürlich auch nicht förderlich.
rug1 10.02.2019
2. @spon1899
Einmal mehr sind Sie nicht besonders gut informiert. Pechstein ist von 2003 bis 2009 aus der jährlichen Wintersportanalyse von Horizont Sport Business siebenmal in Folge als Deutschlands beliebteste Wintersportlerin hervorgegangen. Jedes Mal lag Friesinger hinter ihr. Niemann und Schenk spielten in den Erhebungen erst gar keine Rolle... Merke: Die eigene Wahrnehmung (und auch die, die einige Journalisten glaubhaft machen wollen) kann nicht immer einfach auf die breite Masse übertragen werden...
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