Eisschnelllauf-WM Pechstein und Anschütz-Thoms weit zurück

Herbe Dämpfer für deutsche Medaillenhoffnungen bei der Eisschnelllauf-WM in Berlin: Claudia Pechstein und Daniela Anschütz-Thoms haben am ersten Tag fast alle Chancen auf die Podestplätze verspielt. Der Bundestrainer nannte die Vorstellungen "unerklärlich schlecht".


Hamburg - Während Pechstein nach dem ersten Tag mit 82,025 Punkten nur den neunten Platz belegte, kam Anschütz-Thoms (81, 885) auf Rang acht. Es führt nach zwei von vier Läufen Paulien van Deutekom (Niederlande) mit 80,205 Punkten.

Die fünfmalige Olympiasiegerin Pechstein kam auf ihrer Hausbahn überhaupt nicht zurecht. Vor allem auf ihrer Paradestrecke über 3000 Meter blieb sie blass und wirkte frühzeitig ausgepumpt. Sie lieferte ihr schlechtestes Rennen seit Jahren und belegte am Ende in 4:12,09 Minuten nur den neunten Rang. Anschütz-Thoms (4:11,43) wurde Achte.

Eisschnellläuferin Pechstein: "Ich weiß nicht, woran es lag"
DDP

Eisschnellläuferin Pechstein: "Ich weiß nicht, woran es lag"

"Ich weiß nicht, woran es lag. Ich muss den heutigen Tag schnell abhaken und morgen weiterlaufen", sagte Pechstein. Ihr Trainer Joachim Franke wirkte ratlos: "Trainingstechnisch hat alles gestimmt. Vielleicht war der Druck bei der Heim-WM zu groß. Es sind noch zwei Strecken zu laufen. Meine Aufgabe ist es, sie jetzt aufzubauen." Präsident Gerd Heinze von der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) war niedergeschlagen: "Mir ist zum Heulen zumute."

Pechstein hatte vor der WM die Messlatte selbst sehr hoch gelegt und ihr sportliches Schicksal mit der Plazierung verbunden. Nur wenn sie in Berlin oder einen Monat später bei der Einzelstrecken-WM in Japan eine Medaille hole, wolle sie ihre Karriere fortsetzen, hatte die 35-Jährige zu Saisonbeginn gesagt.

Top-Favorit Kramer auf Kurs

Vor 3500 Besuchern war Pechstein bereits über 500 Meter hinterhergelaufen und hatte in 40,01 Sekunden nur den neunten Platz belegt. Anschütz-Thoms hatte nach Platz acht über 500 Meter ihren Traum von einem Platz unter den ersten drei frühzeitig begraben: "Das war es mit einer Medaille. Ich hatte Probleme in den Kurven. In jedem Test war ich schneller. Das Eis hier sollte wahnsinnig schnell sein, war es aber gar nicht." Bundestrainer Markus Eicher brachte es auf den Punkt: "Die Damen waren unerklärlich schlecht." Die weiteren deutschen Plazierungen: Katrin Mattscherodt (83,373) liegt auf Rang 13, Lucille Opitz (84,206) ist 20.

Um Gold kämpfen muss die 21 Jahre alte Titelverteidigerin Ireen Wüst, die mit 80,383 Punkten im Gesamtklassement auf Platz drei liegt. "Ich bin sehr zufrieden. Es ist so gelaufen, wie ich es erhofft hatte", sagte Wüst. Zweite ist Christine Nesbitt (Kanada/80,253).

Bei den Männern unterstrich Top-Favorit Sven Kramer (Niederlande) seine Titel-Ambitionen. Der Vorjahressieger lief über 500 Meter in 36,22 Sekunden auf den zweiten Platz und verschaffte sich eine gute Ausgangsposition für die Läufe am Sonntag über 1500 und 10.000 Meter. Den Sieg über die kürzeste Olympia-Strecke sicherte sich der Kanadier Denny Morrison (35,81) vor Olympiasieger Shani Davis (USA/35,85). Robert Lehmann (Erfurt/37,07) belegte den 13. Rang. Lokalmatador Tobias Schneider (37,27) musste sich gar mit Rang 15 begnügen.

pav/sid



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