Razzia beim Weltverband Biathlon-Funktionäre sollen Doping vertuscht haben

Dem Biathlonsport droht ein großer Dopingskandal: Österreichische Ermittler haben die Räume des Weltverbands durchsucht. Top-Funktionäre stehen unter Verdacht, Dopingproben verheimlicht zu haben.
Biathlon im Zwielicht

Biathlon im Zwielicht

Foto: Sergei Grits/ dpa

Das österreichische Bundeskriminalamt ermittelt gegen zwei Top-Funktionäre des Biathlon-Weltverbands IBU. Gegen den Präsidenten Anders Besseberg und die Generalsekretärin Nicole Resch läuft nach Verbandsangaben ein Ermittlungsverfahren. Wegen der polizeilichen Untersuchungen habe die Generalsekretärin eine Freistellung von ihren Tätigkeiten in der IBU beantragt. Die IBU werde bei den Untersuchungen voll kooperieren, hieß es. Kommissarisch werde zunächst Exekutivdirektor Martin Kuchenmeister als Generalsekretär fungieren.

Das österreichische Bundeskriminalamt hatte am Dienstag Räume des Weltverbands in Salzburg durchsucht. Das ORF-Fernsehen hatte in der Nachrichtensendung "ZiB2" über die Razzia am IBU-Sitz berichtet und Ermittlungen in Zusammenhang mit Dopingvorwürfen als Grund angegeben. Allerdings befasst sich die federführende Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft Wien in der Regel nicht mit Dopingvorwürfen.

Die Nationale Anti-Doping Agentur Austria bestätigte der österreichischen Nachrichtenagentur APA auf Anfrage allerdings, dass sie in engem Austausch mit der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft, dem Bundeskriminalamt und der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada stehe. Aufgrund dieser Auskunft könne, so die Nachrichtenagentur, davon ausgegangen werden, dass es sich um strafrechtliche Ermittlungen im Zusammenhang mit Anti-Doping-Verstößen handelt.

Die österreichische "Kronenzeitung" schrieb von vertuschten Dopingproben als Grund der Razzia. Der Fernsehsender NRK berichtet darüber hinaus von Durchsuchungen, die in Norwegen stattgefunden haben sollen.

Besseberg und Resch bestreiten die gegen sie im Raum stehenden Vorwürfe. Weder seien Dopingfälle vertuscht worden, noch hätten sie Gelder angenommen, die im Zusammenhang mit derartigen Vorwürfen stehen. Resch macht geltend, dass vielmehr auch russisches Sportler "nach genau den Standards kontrolliert wurden, die im internationalen Kampf gegen Doping von der Wada vorgegeben werden".

Der langjährige IBU-Präsident Besseberg hat bereits angekündigt, sich im Laufe des Jahres von der Spitze des Biathlon-Weltverbands zurückziehen zu wollen. Der 72-jährige Norweger ist bereits seit 1992 IBU-Chef. Der neue IBU-Präsident soll im September gewählt werden.

aha/dpa/sid
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